Examensarbeit, 2003
79 Seiten, Note: 2
1 Einleitung
2 Die Lebenswelt Gehörloser
2.1 Kultur
2.1.1 Eine Begriffsdefinition
2.1.2 Die Kultur der Gehörlosen
2.2 Die Gehörlosengemeinschaft
2.2.1 Die Zugehörigkeit zur Gehörlosengemeinschaft
2.2.2 Der Gehörlosenverein
3 Die kulturellen Merkmale der Gehörlosengemeinschaft
3.1 Die Gebärdensprache
3.2 Die Sprach- und Verhaltenskonventionen Gehörloser
3.2.1 Konversationsverhalten
3.2.2 Informationsaustausch
3.2.3 Entscheidungen
3.2.4 Namensgebärden
3.2.5 Kennenlernen
3.2.6 Zeit
3.3 Die Kunst Gehörloser
4 Der Stellenwert der Gehörlosengemeinschaft für die Identitätsbildung
4.1 Identität
4.2 Die Entwicklung der Identität bei Gehörlosen
4.2.1 Die Bedeutung der Sprache
4.2.2 Die individuellen Voraussetzungen
4.2.3 Die Bedeutung der Gemeinschaft
5 Die Konsequenzen für die pädagogische Förderung
6 Schlussbetrachtung
Diese Arbeit untersucht die kulturelle Identität von gehörlosen Menschen und deren Stellenwert innerhalb der Gemeinschaft. Ziel ist es, durch die Analyse der Gehörlosenkultur und ihrer Kommunikationsformen einen Anreiz für eine pädagogische Förderung zu schaffen, die gehörlosen Kindern den Zugang zu beiden Welten – der hörenden und der gehörlosen Welt – ermöglicht und ihre Identitätsbildung stärkt.
3.2.1 Konversationsverhalten
Eine Möglichkeit, die Besonderheit einer Kultur zu verdeutlichen, ist es, deren Höflichkeitsregeln, wie sie sich z.B. in der Konversation offenbaren, zu betrachten. Denn diese verdeutlichen implizite und explizite Werte und Konventionen, die in einer kulturellen Gemeinschaft gelten.
Die Überlegungen zu den spezifischen Höflichkeitskonventionen innerhalb gebärdensprachlicher Konversation, die Bestandteil dieses Kapitels sind, beruhen neben persönlichen Erfahrungen der Verfasserin vor allem auf Erfahrungen von Hall (1989), die sie während ihres jahrelangen Kontaktes mit Mitgliedern eines Gehörlosenvereins in Philadelphia gewonnen hat (Vgl. Kap. 2.2). Zwar beziehen sich Halls Beobachtungen nur auf diesen einen Verein, sie lassen sich aber nach Hall mit einigen Ausnahmen auf Gehörlose generell übertragen (Hall. 1989. S. 90). Hall untersucht die Höflichkeitsregeln Gehörloser anhand der Fragestellung, inwieweit sie an gegebene Umstände angepasst werden und was passiert, wenn diese Regeln gebrochen werden. Dabei betrachtet sie besonders die Einstellungen und Voraussetzungen Gehörloser, die diesen Regeln zugrunde liegen und sie beeinflussen. Diese grundlegenden Faktoren, die auf die Konventionen innerhalb der Gehörlosengemeinschaft einwirken, sollen im Folgenden erläutert werden:
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel des gesellschaftlichen Bildes von Gehörlosen und skizziert das Anliegen der Arbeit, Gehörlosigkeit nicht nur pathologisch, sondern als Teil einer kulturellen Identität zu betrachten.
2 Die Lebenswelt Gehörloser: Dieses Kapitel definiert den Kulturbegriff im Kontext der Gehörlosengemeinschaft und beschreibt soziale Systeme, in denen Gehörlose leben, arbeiten und handeln.
3 Die kulturellen Merkmale der Gehörlosengemeinschaft: Hier werden die Gebärdensprache sowie spezifische Sprach- und Verhaltenskonventionen und die Kunst von Gehörlosen detailliert analysiert.
4 Der Stellenwert der Gehörlosengemeinschaft für die Identitätsbildung: Das Kapitel untersucht anhand soziologischer Theorien, wie Zugehörigkeit und Gemeinschaft die Identitätsentwicklung bei gehörlosen Menschen prägen.
5 Die Konsequenzen für die pädagogische Förderung: Hier werden aus den theoretischen Erkenntnissen praktische Ansätze abgeleitet, wie Bildungseinrichtungen gehörlose Kinder in ihrer Identität stärken können.
6 Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass eine stärkere Anerkennung der Gehörlosen als kulturelle Minderheit in Deutschland notwendig ist und plädiert für mehr Austausch zwischen der hörenden und der gehörlosen Welt.
Gehörlosenkultur, Gehörlosengemeinschaft, Gebärdensprache, Identitätsbildung, Identität, Soziologie, Pädagogische Förderung, Gehörlosenverein, Sprachliche Minderheit, Kommunikationsverhalten, Sozialisation, Inklusion, Kultur, Gehörlosigkeit, Identitätsdarstellung.
Die Arbeit untersucht die Lebenswelt gehörloser Menschen, ihre Kultur, ihre Gemeinschaft und die Bedeutung dieser Faktoren für die Entwicklung einer positiven Identität.
Im Zentrum stehen die Gebärdensprache, spezifische kulturelle Verhaltenskonventionen, die Rolle des Gehörlosenvereins und die Auswirkungen dieser Aspekte auf die Identitätsbildung.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Gehörlose durch ihre Kultur und Gemeinschaft ein positives Selbstbild entwickeln können, und daraus Handlungsempfehlungen für eine identitätsfördernde pädagogische Praxis zu gewinnen.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die einschlägige wissenschaftliche Untersuchungen, Erfahrungsberichte und soziologische Theorien zur Identitätsbildung auswertet.
Der Hauptteil analysiert die kulturellen Merkmale der Gehörlosengemeinschaft, inklusive der Sprachkonventionen, der Bedeutung des Humors und der Kunst, sowie die soziologischen Grundlagen der Identitätsentwicklung bei gehörlosen Individuen.
Die wichtigsten Begriffe sind Gehörlosenkultur, Identitätsbildung, Gebärdensprache, Gehörlosengemeinschaft und pädagogische Förderung.
Gehörlose nutzen vorwiegend den visuellen Kanal. Dies führt zu spezifischen Konversationsregeln, wie etwa dem ständigen Blickkontakt, einer direkten Art der Informationsweitergabe und dem Bedarf an einer uneingeschränkten Sichtbarkeit während des Dialogs.
Der Kontakt ermöglicht es, die eigene Gehörlosigkeit nicht als Defizit oder Mangel wahrzunehmen, sondern als wertvolles Merkmal innerhalb einer Gemeinschaft, die sich durch gemeinsame Werte, Traditionen und Sprache auszeichnet.
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