Diplomarbeit, 2005
423 Seiten, Note: sehr gut
A. EINLEITUNG
1 Problembetrachtung und Motivationshintergrund
2 Vorgehensweise bei der Bearbeitung des Themas
3 Vorstellung der forschungsleitenden Frage
4 Anmerkungen zur vorliegenden Arbeit
B. THEORETISCHER TEIL
1 Nationalsozialistische Ideologie und Rassenwahn – Von den Ursprüngen bis zum Völkermord
1. 1 Ausprägungen des Antisemitismus und Rassismus bis 1933
1. 2 Die deutsche Vernichtungspolitik während des „Dritten Reiches“
1. 2. 1 Der Weg in den Genozid
1. 2. 2 Die „Endlösung der Judenfrage“
2 Adolf Eichmann – Ein Täterporträt
2. 1 Kindheit, Jugendzeit und beruflicher Werdegang
2. 2 Karriere und Funktionsradius innerhalb des NS-Apparates
2. 3 Eichmann nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“
2. 4 Person und Charakter in der Diskussion
3 Freiheit der Presse? – Massenkommunikation im pluralistischen System der Bundesrepublik Deutschland
3. 1 Definition und Differenzierung der Termini „Kommunikation“ und „Massenkommunikation“
3. 2 Das journalistische Berufs- und Selbstbild
3. 3 Publizistische Arbeitsbedingungen
3. 3. 1 Das rechtliche Fundament der Pressearbeit
3. 3. 2 Abgrenzung publizistischer Kompetenzen innerhalb der Verlagshierarchie
3. 4 Funktionen der Presse und ihrer Akteure im demokratischen Gesellschaftssystem
3. 5 Bedeutung und Charakteristika der Auslandsberichterstattung
4 Journalismus unter Parteidiktat – Massenkommunikation im monistischen System der DDR
4. 1 Theoretische Grundlagen der sozialistischen Journalistik
4. 1. 1 Die Leninsche Pressetheorie
4. 1. 2 Das sozialistische Verständnis von „Kommunikation“ und „Massenkommunikation“
4. 2 Rahmenbedingungen journalistischen Handelns
4. 2. 1 Sozialismus und „Pressefreiheit“
4. 2. 2 Der Einflussgrad des Lenkungs- und Kontrollapparates auf die mediale Kommunikation
4. 3 Funktionen der sozialistischen Presse und ihrer Akteure
4. 3. 1 Grundlegende politische und allgemeine Aufgaben
4. 3. 2 Die Prinzipien des sozialistischen Journalismus
4. 4 Bedeutung und Charakteristika der Auslandsberichterstattung
5 Vergangenheitsbewältigung im Journalismus – Auswirkungen des „Dritten Reiches“ auf die Medienarbeit beider deutscher Staaten
5. 1 Publizistische Entnazifizierungspraxis in der Nachkriegszeit
5. 2 Einstellungen ost- und westdeutscher Journalisten zum Nationalsozialismus und dessen Erbe
C. EMPIRISCHER TEIL
1 Kurzporträts der untersuchten Zeitungen
1. 1 Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“
1. 2 Das „Neue Deutschland“
2 Forschungsstandanalyse vor dem Hintergrund des Untersuchungszieles
3 Entwicklung der Forschungsfrage und Ableitung der Hypothesen
4 Inhaltsanalyse nach Werner Früh
4. 1 Theoretische Annäherung an die empirischen Methode
4. 2 Konzeption des Untersuchungsdesigns und Systematik der Vorgehensweise
5 Datenauswertung
5. 1 Beitragsebene
5. 1. 1 Formale Aspekte
5. 1. 2 Thematische Gewichtung der Berichterstattung
5. 1. 3 Der Stellenwert Eichmanns im Akteursgefüge
5. 1. 4 Themen- und Akteurskonstellationen
5. 1. 5 Wertungstendenzen
5. 1. 6 Positionsbezüge gegenüber der Aburteilung Eichmanns
5. 2 Aussagenebene
5. 2. 1 Strategien bei der Platzierung der Begriffe „Eichmann“, „Prozess“ und „Verbrechen“
5. 2. 2 Thematische Gewichtung der Berichterstattung
5. 2. 3 Der Stellenwert Eichmanns im Akteursgefüge
5. 2. 4 Die Darstellung des Angeklagten im Kontext von Person, Prozess und Verbrechen
5. 2. 5 Wertungstendenzen
6 Hypothesenprüfung
7 Zusammenfassung und interpretative Diskussion der Analyseergebnisse
8 Schlussbetrachtung
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht empirisch, wie in den gegensätzlichen politischen Systemen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR journalistisch mit der Verantwortung für die nationalsozialistische Vergangenheit umgegangen wurde. Anhand einer Inhaltsanalyse der Berichterstattung der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) und des „Neuen Deutschland“ (ND) über den Eichmann-Prozess wird analysiert, welche Informationsinhalte vermittelt wurden und wie sich die jeweiligen Mediensysteme in ihrer Thematisierung sowie in ihren Bewertungs- und Positionierungsmustern unterscheiden.
1 Problembetrachtung und Motivationshintergrund
„An dieser Stelle, an der ich vor sie trete, Richter in Israel, stehe ich nicht allein. Mit mir treten zu dieser Stunde sechs Millionen Kläger auf. Aber sie können sich nicht mehr erheben. Sie können mit ihren Fingern nicht drohend auf diese Glaszelle weisen und dem Mann, der in ihr sitzt, zurufen: ´Ich klage an!´ Denn ihre Asche liegt verstreut auf den Hügeln von Auschwitz, auf den Feldern Treblinkas; sie wurde in Polens Flüsse geworfen. Ihre Gräber sind verstreut über alle Länder Europas. Ihr Blut schreit, aber ihre Stimme ist verstummt. Darum werde ich ihr Mund sein; in ihrem Namen werde ich die furchtbare Anklage erheben.“
Mit jenen Worten leitete Gideon Hausner, Generalstaatsanwalt Israels, im April 1961 in Jerusalem ein Gerichtsverfahren ein, mit dem der internationalen Öffentlichkeit erstmals ein tiefer Einblick in die Abgründe der nationalsozialistischen Genozidpolitik gewährt werden sollte. Es war gegen jenen Mann gerichtet, der sich als ehemaliger „Judenreferent“ im Reichssicherheitshauptamt, der Hauptterrorzentrale des Hitlerstaates, für den Mord an etwa sechs Millionen europäischen Juden in hohem Maße mitverantwortlich zeichnete. Neben dem 1945/46 gegen die nationalsozialistischen Hauptkriegsverbrecher geführten Nürnberger Prozess, bei dem Teile der NS-Elite vor Gericht gestellt und verurteilt worden waren, gilt der so genannte Eichmann-Prozess als das bedeutsamste Strafverfahren gegen die Täter des „Dritten Reiches“. Obwohl von einigen Seiten in formaler und rechtlicher Hinsicht kritisiert, erregte der Prozess weltweit immenses Aufsehen. Im Zuge des Verfahrens gegen Adolf Eichmann wurde der Allgemeinheit in detailgenauer wie auch umfassender Darstellung und anhand einer quasi unerschöpflichen Anzahl diverser Beweismittel vor Augen geführt, welcher Verbrechen sich Adolf Eichmann und mit ihm eine Reihe bekannter Nazigrößen sowie zahlreiche namenlose Helfershelfer im Namen des deutschen Volkes schuldig gemacht hatten.
A. EINLEITUNG: Die Arbeit stellt die Motivation zur Untersuchung des Eichmann-Prozesses dar und erläutert die methodische Vorgehensweise sowie die forschungsleitenden Fragen.
B. THEORETISCHER TEIL: Dieser Teil beleuchtet die nationalsozialistische Ideologie, porträtiert Adolf Eichmann und analysiert die grundlegend unterschiedlichen Mediensysteme der Bundesrepublik und der DDR sowie deren Umgang mit dem NS-Erbe.
C. EMPIRISCHER TEIL: Der empirische Teil führt die Inhaltsanalyse der FAZ und des ND durch, wertet die Berichterstattung aus und prüft die aufgestellten Hypothesen hinsichtlich der unterschiedlichen Mediensysteme.
Adolf Eichmann, Eichmann-Prozess, Inhaltsanalyse, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Neues Deutschland, DDR-Medien, Westdeutsche Presse, Vergangenheitsbewältigung, Nationalsozialismus, Antisemitismus, Journalismus, DDR-Propaganda, Holocaust, SED-Medienlenkung, NS-Täter.
Die Diplomarbeit untersucht die journalistische Berichterstattung über den Jerusalemer Eichmann-Prozess in zwei gegensätzlichen Mediensystemen: der liberal-konservativen FAZ in Westdeutschland und dem SED-Zentralorgan Neues Deutschland in der DDR.
Die Arbeit analysiert, wie in den beiden deutschen Staaten mit der gemeinsamen NS-Vergangenheit umgegangen wurde, welche Rolle die ideologische Ausrichtung der Medien spielte und wie über den Fall Eichmann und den Holocaust berichtet wurde.
Ziel ist es zu ergründen, wie in der Bundesrepublik und der DDR sowohl über den Jerusalemer Eichmann-Prozess als auch über die Person des Angeklagten und den Verbrechens-Hintergrund berichtet wurde und inwiefern dies die öffentliche Meinung beeinflusste.
Die Verfasserin verwendet eine empirische Inhaltsanalyse, die sowohl qualitative als auch quantitative Aspekte kombiniert, um Artikel und Aussagen in den untersuchten Zeitungen systematisch auszuwerten.
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden theoretischen Rahmen (Ideologie, Mediensysteme) und einen empirischen Analyseteil, der die Ergebnisse der Zeitungsauswertung, Hypothesenprüfungen und eine interpretative Diskussion umfasst.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Eichmann-Prozess, Vergangenheitsbewältigung, Inhaltsanalyse, DDR-Presse, Journalismus im Nationalsozialismus und mediale Meinungsbildung.
Das Neue Deutschland versuchte, den Prozess für die Propaganda gegen Westdeutschland zu instrumentalisieren, indem es Personen der bundesdeutschen Elite, wie Hans Globke, mit Eichmann gleichsetzte und die eigene Verantwortung der DDR durch den Verweis auf den Antifaschismus ausblendete.
Die FAZ lieferte eine sachorientiertere, prozessbegleitende Darstellung und versuchte, die deutsche Verantwortung für die NS-Verbrechen stärker zu thematisieren, wobei sie jedoch auch eine gewisse Zurückhaltung bei der Kritik am israelischen Vorgehen übte.
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