Magisterarbeit, 2004
98 Seiten, Note: 1,5
1 EINLEITUNG
2 URSPRUNGSDEBATTE IM 18. JAHRHUNDERT
3 PHILOSOPHISCHER KONTEXT DER HERDERSCHEN SPRACHURSPRUNGSDEBATTE
3.1 Erkenntnisphilosophie, Sprache
3.1.1 Rationalismus
3.1.2 Empirismus
3.1.3 Sensualismus: Condillac
3.2 Sprachursprungstheorien im 18. Jahrhundert
4 HERDERS FRÜHWERK
4.1 Sprachphilosophisches vor der Abhandlung
4.1.1 Werke vor den Fragmenten: 1764 - 1766
4.1.2 Über die neuere deutsche Literatur – Fragmente (1766/67)
4.2 Ursprungsdenken vor der Abhandlung
5 ABHANDLUNG ÜBER DEN URSPRUNG DER SPRACHE
5.1 Anlass und Aufbau
5.2 „Sprache der Empfindung“
5.3 Kritik der Kontrahenten: Condillac, Rousseau, Süßmilch
5.4 „Besonnenheit“ – Verhältnis von Mensch und Tier
5.5 Erkenntnistheorie, Ursprung der Sprache
5.6 Laut, Gehör, Bedeutung, Artikulation
5.7 2. Teil: Progression, Konstitution von Gesellschaft
5.8 Kritik und Rechtfertigung der Abhandlung
6 HERDERS SPÄTERE JAHRE
6.1 Sprachphilosophisches nach der Abhandlung
6.1.1 Älteste Urkunde des Menschengeschlechts (1774)
6.1.2 Vom Erkennen und Empfinden der menschlichen Seele (1778)
6.1.3 Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit (1784 - 1791)
6.2 Ursprungsdenken nach der Abhandlung
7 BEDEUTUNG DER SPRACHURSPRUNGSDEBATTE FÜR HERDERS HUMANITÄTSIDEAL
8 RESÜMEE
Die Arbeit untersucht Herders Beitrag zur Sprachursprungsdebatte des 18. Jahrhunderts, analysiert seine philosophischen Grundlagen und stellt die Bedeutung der Sprache für seine Anthropologie und sein Humanitätsideal dar.
5.4 „Besonnenheit“ – Verhältnis von Mensch und Tier
Herder begründet sein methodisches Vorgehen: Aus der Tatsache, dass die Menschen die einzigen uns bekannten sprachbegabten Geschöpfe sind und wir uns eben durch die Sprache in erster Linie von den Tieren unterscheiden, schließt er, dass er zunächst den Unterschied zwischen Menschen und Tieren untersuchen muss. Dies vernachlässigt zu haben, wirft er Condillac und Rousseau gleichermaßen vor.
Bei der Beschreibung des menschlichen Wesens im Vergleich zum Tier wechselt Herder die stilistische Ebene von einer eher rational untersuchenden Tonart zur Emotionalisierung des Textes: Als nacktes, instinktloses Tier betrachtet, ist der Mensch das elendeste der Wesen. Da ist kein dunkler, angeborner Trieb, der ihn in sein Element, und in seinen Würkungskreis […] zeucht. Kein Geruch und keine Witterung, die ihn auf die Kräuter hinreiße, damit er seinen Hunger stille! […] einsam und einzeln! ohne den unmittelbaren Unterricht seiner Schöpferin; und ohne die sichere Leitung ihrer Hand, von allen Seiten also verloren - - -
Jedoch zerstört er den Eindruck des hilflosen menschlichen Wesens sogleich wieder: Doch so lebhaft dies Bild ausgemalt werde: so ist's nicht das Bild des Menschen - es ist nur eine Seite seiner Oberfläche, und auch die stehet im falschen Licht.
Durch den scharfen Kontrast und die emotionale Darstellung gelingt es Herder, eine Beschreibung zu liefern, die „en toute logique n’aurait pas lieu d’être“, die aber, und das ist der entscheidende Punkt, eine Dramatisierung des anthropologischen Textes ermöglicht und in seinen wissenschaftlichen Text das Element des Affekts und des Gefühls einführt; so spiegelt sich sein inhaltlicher Anspruch eines gesamt-pädagogischen Konzepts auch auf formaler und stilistischer Ebene.
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Sprachursprungsdebatte bei Herder und methodisches Vorgehen der Arbeit.
2 URSPRUNGSDEBATTE IM 18. JAHRHUNDERT: Darstellung des philosophischen Zeitgeistes und des generellen Interesses an Ursprüngen in der Aufklärung.
3 PHILOSOPHISCHER KONTEXT DER HERDERSCHEN SPRACHURSPRUNGSDEBATTE: Analyse der erkenntnistheoretischen Voraussetzungen durch Rationalismus, Empirismus und Sensualismus.
4 HERDERS FRÜHWERK: Untersuchung von Herders frühen Schriften und deren Bedeutung für die Entwicklung seiner Sprachphilosophie.
5 ABHANDLUNG ÜBER DEN URSPRUNG DER SPRACHE: Detaillierte Analyse des Hauptwerkes unter Einbeziehung der zentralen Kategorie der Besonnenheit und der Kritik an Kontrahenten.
6 HERDERS SPÄTERE JAHRE: Weiterentwicklung und teilweise Revision seiner Ansichten in späteren Werken wie der Ältesten Urkunde und den Ideen.
7 BEDEUTUNG DER SPRACHURSPRUNGSDEBATTE FÜR HERDERS HUMANITÄTSIDEAL: Einordnung der Sprachursprungsfrage in Herders gesamtes geschichtsphilosophisches und pädagogisches System.
8 RESÜMEE: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Bestätigung von Herders Bedeutung als anthropologischer Denker.
Johann Gottfried Herder, Sprachursprung, Besonnenheit, 18. Jahrhundert, Aufklärung, Sprache, Anthropologie, Vernunft, Erkenntnistheorie, Humanitätsideal, Sprachphilosophie, Condillac, Süßmilch, Rousseau, Empirismus.
Die Arbeit untersucht Johann Gottfried Herders Beitrag zur Sprachursprungsdebatte des 18. Jahrhunderts und beleuchtet, wie Herder Sprache als zentrales menschliches Konstitutionsmerkmal begreift.
Die zentralen Themen sind das aufklärerische Interesse am Ursprung, die philosophischen Vorläufer bei Locke, Condillac und anderen, Herders Frühwerk und die Weiterentwicklung seiner Theorien bis ins Spätwerk.
Ziel ist es, Herders Sprachphilosophie in ihren geistesgeschichtlichen Kontext einzubetten und zu zeigen, dass Sprache bei Herder die Grundlage für das menschliche Wesen, Denken und die gesellschaftliche Entwicklung bildet.
Die Arbeit folgt einer philologisch-philosophischen Analyse, die Herders Werk chronologisch und thematisch aufarbeitet, indem sie sowohl seine eigenen Texte als auch relevante Forschungsliteratur kritisch vergleicht.
Der Hauptteil konzentriert sich auf die "Abhandlung über den Ursprung der Sprache" (1772), insbesondere auf die Einführung der "Besonnenheit" und die Abgrenzung zu Denkern wie Condillac, Rousseau und Süßmilch.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Besonnenheit, Sprachursprung, genetische Kraft, Humanitätsideal, Vernunft und Anthropologie beschreiben.
Die Seereise von 1769 stärkte seine Überzeugung, dass das Ursprüngliche die stärkste Wirkung in der menschlichen Seele hinterlässt und lieferte wichtige Anstöße für den Zusammenhang zwischen Volk, Sprache und Originalität.
Während Tiere lediglich unwillkürliche Reaktionen auf Reize zeigen, ermöglicht die Besonnenheit dem Menschen, Distanz zur Umwelt zu gewinnen, Objekte zu reflektieren und diese bewusst mit Merkmalen zu belegen.
Nein, obwohl Gott in seinem Spätwerk eine aktivere Rolle zugewiesen wird, bleibt Herder bei der grundlegenden Annahme, dass der Mensch aktiv an der Entwicklung seiner Sprache beteiligt ist und diese ein notwendiger Prozess für seine Vernunftwerdung ist.
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