Examensarbeit, 2005
85 Seiten, Note: 1
1. Einleitung
2. Bedingungen für die Rezeption Feuchtwangers nach 1945
2.1. Innere und äußere Emigration – diese Kontroverse triff auch Feuchtwanger
2.2. Die Kulturpolitik der Besatzungsmächte – ein weiterer Grund für Feuchtwangers positive Aufnahme im Osten und seine Ablehnung im Westen Deutschlands
2.3. »Moskau 1937« – auch kleine Bücher machen Schicksale
2.4. Der Autor von »Waffen für Amerika« und Verehrer Franklins vor dem McCarthy-Ausschuß in den USA
2.5. »Die Jüdin von Toledo« im Umfeld der Wiederbewaffnung und als Absage an die Gewalt
2.6. Tendenzen der Feuchtwanger-Rezeption in Ost- und in Westdeutschland
3. Herleitung der Fragestellung
3.1. Goya, ein Künstler unter vielen in Feuchtwangers Werk
3.2. Jacques Tüverlins und Sepp Trautweins Entwicklung
3.3. »Goya oder Kunst und Politik«
3.4. In »Erfolg« wird Goyas Entwicklung vom „Nur-Künstler“ zum Künstler (andeutungsweise) vorweggenommen
3.5. Lion Feuchtwanger und der Ästhetizismus der Décadents
3.6. »Goya« – Feuchtwangers Antwort auf die Frage: Wie muß Kunst beschaffen sein,um verändernd auf die Gesellschaft wirken zu können?
4. Goya macht sich auf den Weg der Erkenntnis
4.1. »Goya« im Kontext der Revolutionstrilogie
4.2. Erzählperspektive
4.3. Das historische Umfeld des »Goya«-Romans
4.4. Goyas Weg vom Hofmaler zum Kritiker gesellschaftlicher Verhältnisse
5. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht Lion Feuchtwangers Roman »Goya« als Schlüsselwerk für das Kunst- und Literaturverständnis des Autors. Ziel ist es, die interne und künstlerische Entwicklung der Hauptfigur Goya zu analysieren und zu zeigen, wie Feuchtwanger darin seine eigenen kunsttheoretischen Konzepte – insbesondere die Verbindung von künstlerischer Begabung und politischem Engagement – reflektiert und rechtfertigt.
1.1 Innere und äußere Emigration – diese Kontroverse triff auch Feuchtwanger
Die Kontroverse, die alsbald nach dem 8. Mai 1945 zwischen Thomas Mann auf der einen, Walter von Molo und Frank Thieß auf der andere Seite aufkam, war sehr folgenreich für die Rezeption der Exilliteratur im Westen Deutschlands. In dieser Auseinandersetzung reklamierten die Letztgenannten als Autoren und Vertreter der ‚inneren Emigration’ eine größere moralische Integrität für die geistige Führung Deutschlands und für den erhofften kulturellen Neuanfang.
Sie begründeten ihren moralischen Führungsanspruch im wesentlichen damit, daß sie die „deutsche Tragödie“ nicht aus dem Ausland verfolgt hätten und daß dieses Schicksal im Gegensatz zum „Herzasthma des Exils“ eines Thomas Manns viel leidvoller gewesen sei. Auch hätten diejenigen, so behauptet Frank Thieß, die in Deutschland ausgeharrt hätten und ihr Leben aus der „schauerlichen Epoche“ hätten retten können, derart viel für ihre geistige und menschliche Entwicklung gewonnen, daß sie reicher an Wissen und Erleben daraus hervorgegangen seien als jene, die während dieser Zeit „von den Logen- und Parterreplätzen“ des Auslandes lediglich nur zugeschaut hätten.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Kunstverständnisses im Kontext der Zeitgeschichte ein und begründet die Relevanz der Untersuchung des Romanwerks von Lion Feuchtwanger.
2. Bedingungen für die Rezeption Feuchtwangers nach 1945: Dieses Kapitel erläutert die ideologischen und politischen Faktoren, die nach 1945 im geteilten Deutschland die Wahrnehmung und Aufnahme von Feuchtwangers Werken prägten.
3. Herleitung der Fragestellung: Hier wird der theoretische Rahmen für die Analyse der Künstlerfiguren in Feuchtwangers Werk abgesteckt und das Forschungsinteresse am »Goya«-Roman präzisiert.
4. Goya macht sich auf den Weg der Erkenntnis: In diesem Kapitel wird die künstlerische und persönliche Entwicklung Goyas innerhalb des Romans in den Kontext historischer Ereignisse und politischer Rahmenbedingungen gestellt.
5. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel rekapituliert die zentralen Erkenntnisse über die Entwicklung Goyas und ordnet den Roman in das künstlerische Gesamtkonzept Lion Feuchtwangers ein.
Lion Feuchtwanger, Goya, Exilliteratur, Kunstverständnis, Politische Literatur, Historischer Roman, Rezeptionsgeschichte, Ästhetik, Sozialismus, Innerlichkeit, Engagement, Autorenschaft, Kulturpolitik, DDR, Bundesrepublik.
Die Arbeit analysiert Lion Feuchtwangers Roman »Goya« und dessen Bedeutung als Schlüsselwerk für das Kunst- und Literaturverständnis des Autors, insbesondere im Hinblick auf das Verhältnis von Kunst und Politik.
Die zentralen Themen sind die Rolle des Künstlers in Krisenzeiten, die historische Entwicklung Spaniens, die Kontroverse um innere und äußere Emigration nach 1945 sowie die Ästhetik des historischen Romans.
Das primäre Ziel ist es, die künstlerische und persönliche Entwicklung der Romanfigur Goya darzustellen und zu zeigen, wie Feuchtwanger darin eigene Konzepte zur notwendigen Verbindung von künstlerischer Begabung und politischer Leidenschaft reflektiert.
Die Arbeit nutzt ein hermeneutisches Verfahren, um das literarische Werk im Kontext der historischen Wirkungsgeschichte und der Selbstzeugnisse des Autors zu interpretieren.
Der Hauptteil behandelt die Rezeptionsbedingungen von Feuchtwangers Werk, die Analyse der Künstlerfiguren (Goya, Jacques Tüverlin, Sepp Trautwein) sowie den Einfluss des historischen Kontextes (Französische Revolution) auf die Entwicklung des Protagonisten.
Wichtige Schlüsselwörter sind Lion Feuchtwanger, Goya, Exilliteratur, politische Literatur, ästhetische Debatten, historische Authentizität und das Verhältnis von Kunst und Gesellschaft.
In der DDR wurde Feuchtwanger früh als bedeutender antifaschistischer Schriftsteller in den Kanon integriert, während er in der Bundesrepublik aufgrund seiner politischen Haltung und der dortigen Exil-Kontroverse lange Zeit gemieden wurde.
Es dient als Beispiel für Feuchtwangers problematische politische Haltung jener Zeit, die in starkem Kontrast zu den im »Goya«-Roman formulierten Idealen von Toleranz und Frieden steht.
Da er seine Malerei im Verlauf des Romans – ausgelöst durch schmerzhafte Erfahrungen – von repräsentativer Auftragsmalerei zu einer kritischen Kunst weiterentwickelt, die gesellschaftliche Missstände thematisiert.
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