Diplomarbeit, 2002
80 Seiten, Note: 2
0 Einleitung
1 Begriffsklärungen
1.1 Heimkinder
1.2 Jugend
1.3 Moral
1.3.1 Normen
1.3.2 Werte
1.3.3 Konventionen
1.4 Devianz
2 Heimkinder
2.1 Institution Heim
2.2 Zielgruppe: Heimkind
2.3 Gefährdungslagen
2.3.1 Der Leidensweg
2.3.2 Fallbezug
3 Die Entwicklung zur individuellen Persönlichkeit
3.1 Entwicklungsphasen
3.1.1 Jugendalter/Heranwachsen
3.1.2 Adoleszenz
3.2 Entwicklungsaufgaben
3.2.1 Der Überbegriff: Jugend
3.2.2 Der Weg zur Selbstständigkeit
3.2.3 Das biologische Reifen
3.2.3.1 Pubertätswachstumsschub
3.2.3.2 Geschlechtsreifung
3.2.4 Die Entwicklung von Beziehungen
3.2.4.1 Endogen-organismische Modell
3.2.4.2 Exogen-kontextuelles Modell
3.2.4.3 Handlungstheoretisch-konstruktivistische Modell
3.2.4.4 Peergroups-Elternbeziehungsmodell
3.2.5 Die Entwicklung von Identität
3.2.5.1 Identitätstheorie nach Erikson
3.2.5.2 Berufliche Identität/ ein Problem für Heimkinder
3.3 Entwicklungsaufgaben und Krisen des Adoleszenten
3.4 Belastungsfaktoren
3.4.1 DSM-III R
3.4.2 MAS
4 Moralische Entwicklung
4.1 Entwicklung eines moralischen Urteils
4.1.1 Klugheit
4.1.2 Moral
4.1.3 Abwehrstrategie oder um Lösung bemühen
4.1.4 Das Kind ist kein schlechter Erwachsener
4.2 Entwicklungstheorie
4.2.1 Stufen der Entwicklung
4.2.3 Zwischenstufen
4.2.4 Entwicklungsfaktoren
4.3 Vergleich zwischen Moral, Kognition und Perspektivenübernahme
5 Devianz
5.1 Erklärungsmodelle von Devianz
5.1.1 Die Anomietheorie
5.1.2 Theorie der Ziel-Mittel Diskrepanz
5.1.3 Die Subkulturtheorie
5.1.4 Die Theorie des differentiellen Lernens
5.1.5 Die Zuschreibungsansätze
5.1.6 Das Teufelskreismodell
6 Prävention- oder Handlungsansätze
6.1 Gefährdungslagen
6.2 Deviantes Verhalten moralisch begründen
6.2.1 Fallbeispiel Daniela
6.2.2 Fallbeispiel Marijan
6.3 Pädagogische Grundmodelle der moralischen Erziehung
6.3.1 Die romantische Erziehungsphilosophie
6.3.2 Der werteübermittlungs oder technologische Ansatz
6.3.3 Der progressive Ansatz
6.3.4 Der Disskursansatz
6.4 Prävention durch Sozialarbeiter oder Betreuer
6.4.1 Stimulierung der moralischen Entwicklung/ Nachholtheorie
6.4.2 Messen der moralischen Urteilsfähigkeit
6.4.3 Entwicklungsförderung betreiben
6.5 Prävention von Seiten des Staates
6.5.1 Die Polizei
6.5.2 Das Gesetz
6.5.3 Die Schule
7 Schlußbetrachtung
Die Arbeit untersucht die moralische Begründung von deviantem Verhalten bei Heimkindern, um Sozialarbeitern ein tieferes Verständnis für die Hintergründe solch abweichenden Handelns zu vermitteln. Das primäre Ziel ist es, den Lesern zu verdeutlichen, dass deviantes Verhalten oft auf unbewältigten früheren Belastungen basiert und als (fehlgeleiteter) Versuch verstanden werden kann, die eigene moralische Entwicklung zu organisieren oder Identität zu finden, anstatt es rein als Delinquenz abzustempeln.
Die Entwicklung zur individuellen Persönlichkeit
Die Kinder werden als die Zukunft unserer Gesellschaft angesehen. Wie sie sich in ihrer Zukunft in die Gesellschaft eingliedern, hängt von der Erziehung und den gesellschaftlichen Einflüssen ab. Die Gesellschaft ist durch den Reichtum in verschiedene Schichten aufgeteilt. Die Unterschicht, die Mittelschicht und die Oberschicht. Die Schichten wohnen in verschiedenen Wohnvierteln unter ihres Gleichen. Die Reichen wollen es so und die Armen können sich keine andere Wohngegend leisten. In Großstädten treffen diese Kinder in Kindergärten und Schulen nicht aufeinander, da die Schulen den Stadtbereichen angegliedert sind. Aber in der Regel ist das nicht so. Die Kinder merken schon im Kindergarten und erst recht in der Grundschule, dass es Unterschiede gibt. „Der Papa fährt ein tolles Auto und meiner ein ganz altes und kaputtes“. Die Kinder wachsen heute in einer Konsumgesellschaft auf, und die Eltern versuchen, sich und ihre Kinder von der Gesellschaft zu unterscheiden, indem sie materiell versuchen, ihren Wohlstand zu zeigen.
Dieser Wohlstand, der sich in der Schule durch die neusten Klamotten und die neusten Handys auszeichnet, ist für Kinder der unteren Schichten nicht erreichbar. Sie können sich derartige Statussymbole nicht leisten. An diesem Punkt tritt ein moralisches Urteil ein, „Was soll ich tun?“. „Meine Eltern haben mir das Stehlen verboten, sie geben mir aber auch kein Geld. Finde ich mich damit ab das ich nicht so sein kann. Suche ich mir einen Nebenjob, z.B. Zeitung austragen, oder noch einen zweiten Nebenjob, vernachlässige ich dadurch die Schule“. Es droht die Gefahr, dass die Schule nicht mehr Ort des Lernens sondern Ort zur Selbstdarstellung ist. Nach der Orientierungsstufe trennen sich die Wege wieder, die Reichen gehen auf das Gymnasium, aber das Konsumverhalten bleibt. Natürlich haben auch Kinder ärmerer Eltern die Möglichkeit ein Gymnasium zu besuchen, dass soll hiermit nicht bestritten werden.
0 Einleitung: Vorstellung der Fallbeispiele Daniela und Marian und Herleitung der zentralen Fragestellung, wie abweichendes Verhalten moralisch verstanden werden kann.
1 Begriffsklärungen: Definition der für die Arbeit zentralen Begriffe Heimkinder, Jugend, Moral (mit den Unterpunkten Normen, Werte, Konventionen) sowie Devianz.
2 Heimkinder: Analyse der Lebensumstände in Heimen, der Zielgruppe sowie der verschiedenen Gefährdungslagen, die zur Heimeinweisung führen.
3 Die Entwicklung zur individuellen Persönlichkeit: Detaillierte Untersuchung von Entwicklungsphasen, -aufgaben und Krisen, Identitätsentwicklung sowie Belastungsfaktoren während der Adoleszenz.
4 Moralische Entwicklung: Darstellung von Theorien zur moralischen Urteilsbildung, Entwicklung von Stufenmodellen und ein Vergleich zwischen Moral, Kognition und Perspektivenübernahme.
5 Devianz: Theoretische Auseinandersetzung mit Erklärungsmodellen für abweichendes Verhalten, darunter Anomietheorie, Subkulturtheorie und Labeling-Ansätze.
6 Prävention- oder Handlungsansätze: Diskussion pädagogischer Modelle der moralischen Erziehung sowie spezifischer Präventionsmöglichkeiten durch Sozialarbeiter und staatliche Institutionen.
7 Schlußbetrachtung: Reflektion der Arbeit, Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse und Übertragung auf die Rolle des Betreuers als moralisches Vorbild.
Heimkinder, Adoleszenz, moralische Entwicklung, Devianz, Identitätsbildung, Sozialarbeit, Prävention, Erziehung, Persönlichkeitsentwicklung, Normen, Werte, Labeling-Theorie, Gefährdungslagen, Belastungsfaktoren, Delinquenz.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der moralischen Begründung von deviantem Verhalten bei Heimkindern und zeigt Möglichkeiten für Sozialarbeiter auf, dieses Verhalten besser zu verstehen und präventiv zu begleiten.
Die Schwerpunkte liegen auf der Adoleszenz, der moralischen Entwicklung, Identitätsbildungsprozessen, der Entstehung abweichenden Verhaltens sowie pädagogischen Präventionsansätzen.
Ziel ist es, den Betrachter zu befähigen, deviantes Verhalten nicht nur als Delinquenz, sondern als moralisches (wenn auch fehlerhaftes) Handeln zu begreifen, um so bessere Interventionsmöglichkeiten zu erschließen.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse entwicklungspsychologischer und soziologischer Theorien, die durch Fallbeispiele (Daniela und Marian) sowie durch ein Interview mit einem Polizeivertreter praktisch ergänzt werden.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Persönlichkeitsentwicklung im Jugendalter, die moralische Entwicklung des Kindes, die Erklärungsmodelle für Devianz sowie pädagogische Handlungsansätze zur Prävention.
Heimkinder, Adoleszenz, moralische Entwicklung, Devianz, Identitätsbildung, Sozialarbeit, Prävention und Erziehung.
Daniela wurde aufgrund ihrer schwierigen Vergangenheit und ihres Verhaltens als "Schulschwänzerin" etikettiert. Die Internalisierung dieses Labels führte dazu, dass sie ihre Rolle als Abweichlerin annahm, was schließlich zum Schulausschluss führte.
Die Einordnung der Jugendlichen in Stufen der moralischen Entwicklung hilft Sozialarbeitern dabei, die Motive hinter dem Handeln zu verstehen und zielgerichtet (z.B. durch Diskursansätze) eine moralische Weiterentwicklung zu stimulieren.
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