Bachelorarbeit, 2017
49 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
1.1. Einführung in die Thematik
1.2. György Ligeti – Biografie
2. Die Klavieretüden
2.1. Einführung
2.2. Etüde 4: Fanfares
2.2.1. Einführung
2.2.2. Rhythmik/Metrik
2.2.3. Harmonik/Melodik
2.2.4. Dynamik und Register
2.2.5. Ganzheitliche Betrachtungen
2.2.6. Komposition der Stilkopie
2.2.7. Zusammenfassung
2.3. Etüde 8: Fém
2.3.1. Einführung
2.3.2. Rhythmik/Form/Dynamik
2.3.3. Harmonik
2.4. Etüde 14: Columna Infinita
2.4.1. Einführung
2.4.2. Rhythmik/Metrik
2.4.3. Tonmaterial/Tonraum
3. Schlussbemerkungen
Die Arbeit analysiert regelbasierte Kompositionstechniken in ausgewählten Klavieretüden von György Ligeti, um durch die Erstellung von Stilkopien ein tieferes Verständnis für die methodische Umsetzung musikalischer Regeln und Prinzipien zu gewinnen.
1.1. Einführung in die Thematik
In dieser Bachelorarbeit gehe ich auf regelbasierte Kompositionstechniken in ausgewählten Klavieretüden von György Ligeti ein. Hierbei gilt es, selbstauferlegte Einschränkungen, Regeln und Gesetzmäßigkeiten zu erkennen und zu benennen, auch wenn diese im Laufe des Stücks aufgeweicht bzw. fortgeführt oder modifiziert werden. Ligeti führt zu Parallelen und Unterschieden zwischen geometrischer Konstruktion und musikalischer Komposition näher aus:
„Für geometrische Konstruktionen wie für musikalische Komposition gibt es bestimmte Regeln, die weder willkürlich noch absolut verbindlich sind, vielmehr handelt es sich um 'Verhaltensregeln', die sich in jahrhundertelanger Tradition herausgebildet haben. Gleichwohl ist ein entscheidender Unterschied festzuhalten: Während die Regeln geometrischer Konstruktionen 'fixiert' und 'objektiv' sind, kann man Regeln in der Musik freier abwandeln, da die Kriterien 'objektiver Realität' fehlen. [...] Als ich Jahrzehnte später, Mitte der achtziger Jahre, meine Klavieretüden zu komponieren begann, wurde mir diese Ähnlichkeit deutlich bewusst. In jedem der Stücke konstruiere ich eine musikalische Textur aus selbstgewählten Tonhöhen und rhythmischen Konstellationen und halte mich dabei an selbstgestellte Regeln und Beschränkungen, halb frei und halb Sklave der Regeln. Ohne Regeln, ohne Konsistenz würde ein Zufallsprodukt entstehen, allzu strenge Regeln würden den 'Geist' der Musik töten. Regeln, die nicht auf mathematische oder logische Konsistenz abzielen, vielmehr einen gewissen Spielraum lassen, sind für musikalische Konstruktionen notwendig.“
Eine ähnliche Denkweise zeigt Strawinsky 1947, der, unsicher angesichts der Unzahl an Möglichkeiten, die das 20. Jahrhundert den Komponisten eröffnete, von der Wichtigkeit eines selbst auferlegten einschränkenden Regelwerks von Werk zu Werk spricht:
„Well, in art as in everything else, one can build only upon a resisting foundation: whatever constantly gives way to pressure, constantly renders movement impossible. My freedom thus consists in moving about within the narrow frame that I have assigned myself in each of my undertakings. I shall go even further: my freedom will be so much the greater and more meaningful the more I limit my field of action and the more i surround myself with obstacles. Whatever diminishes constraint, diminishes strength. The more constraints one imposes, the more one frees one's self of the chains that shackle the spirit. [...] and the arbitrariness of the constraint serves only to obtain precision of execution.“
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die regelbasierten Kompositionstechniken von György Ligeti ein und diskutiert die Bedeutung selbstauferlegter Beschränkungen im kreativen Prozess.
2. Die Klavieretüden: Dieses Hauptkapitel widmet sich einer detaillierten Analyse ausgewählter Etüden, wobei spezifische rhythmische, harmonische und strukturelle Aspekte sowie deren kompositorische Umsetzung untersucht werden.
3. Schlussbemerkungen: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass die Erstellung von Stilkopien ein wertvolles Instrument für Kompositionsstudierende ist, um ein handwerkliches Verständnis moderner Kompositionsmethoden zu erlangen.
György Ligeti, Klavieretüden, Kompositionstechnik, Stilkopie, Rhythmik, Metrik, Harmonik, Set Theory, Interlocking, Polyphonie, Fanfares, Fém, Columna Infinita, Musikalische Analyse
Die Arbeit untersucht regelbasierte Kompositionstechniken in den Klavieretüden von György Ligeti durch eine musiktheoretische Analyse und die Erstellung eigener Stilkopien.
Im Fokus stehen die rhythmisch-metrische Organisation, die harmonische Strukturierung unter Nutzung der Set Theory sowie die kompositorische Gestaltung von Interlocking-Strukturen.
Das Ziel ist es, durch die Analyse und den kreativen Akt der Stilkopie nachzuvollziehen, wie Ligeti mit selbstauferlegten Regeln umgeht und diese in musikalische Texturen übersetzt.
Es wird eine deskriptiv-analytische Methode angewandt, ergänzt durch die musiktheoretische Analyse mittels Set Theory und die praktische Ausarbeitung von Stilkopien.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Etüden „Fanfares“, „Fém“ und „Columna Infinita“, wobei jeweils Rhythmik, Metrik, Harmonik und dynamische Register betrachtet werden.
Die wichtigsten Schlagworte sind Ligeti, Klavieretüden, Kompositionstechnik, Stilkopie, rhythmische Komplexität, Set Theory und musikalische Analyse.
Die Stilkopie dient dazu, die Prinzipien eines Werks ganzheitlich zu verinnerlichen und die theoretischen Erkenntnisse praktisch-handwerklich umzusetzen.
Die Komposition ist an Constantin Brancusis Skulptur „Endlose Säule“ angelehnt, wobei Ligeti die visuelle Idee der endlosen Aufwärtsbewegung in eine musikalische Shepard-Skala übersetzt.
Interlocking beschreibt eine polyphone Struktur aus ungleichen Bewegungsmustern, die Ligeti unter anderem durch Einflüsse zentralafrikanischer Musik inspiriert hat.
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