Bachelorarbeit, 2016
44 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen – Advocacy Coalition Framework
2.1 Entstehung und Ziel des ACF
2.2 Zentrale Annahmen und Elemente
2.3 Externe Ereignisse und Politikwandel
3. Methodische Anmerkungen
4. Die Katastrophe von Tschernobyl (Untersuchungszeitraum I)
4.1 Stabile Beliefs und Ressourcen vor Tschernobyl
4.2 Begrenztes Policy-Lernen
4.3 Begrenzte Umverteilung von Ressourcen
5. Die Katastrophe von Fukushima (Untersuchungszeitraum II)
5.1 Laufzeitverlängerung und Energiekonzept vor Fukushima
5.2 Umfassendes Policy-Lernen
5.3 Umfassende Neuverteilung von Ressourcen
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, warum die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 in Deutschland nicht zu einem sofortigen Atomausstieg führte, während die Katastrophe von Fukushima im Jahr 2011 einen radikalen Politikwandel bewirkte. Dabei wird analysiert, inwieweit unterschiedliche Auswirkungen auf Koalitionsressourcen und Lernprozesse innerhalb der politischen Akteure diesen divergenten Outcome erklären können.
Die Rolle von Beliefs
Die Autoren gehen ferner davon aus, dass Akteure sich am politischen Prozess beteiligen, um Teile ihres sogenannten ›Belief-Systems‹ in praktische Politik umzusetzen. Dieses bezeichnet „ein Set von grundlegenden Wertvorstellungen, Kausalannahmen und Problemperzeptionen“ (SABATIER 1993a: 127). Ein Belief-System ist hierarchisch aufgebaut und besteht aus drei Stufen von Überzeugungen, welche sich zum einen durch ihre Reichweichte und zum anderen durch ihre Stabilität unterscheiden.
Die höchste Ebene des Belief-Systems stellen sogenannte ›Deep Core Beliefs‹ dar. Sie stellen allgemeine normative Grundüberzeugungen dar, welche in ihrer Reichweite alle Policy-Subsysteme umfassen; beispielsweise die relative Abwägung von individueller Freiheit gegenüber sozialer Gerechtigkeit (SABATIER 1998: 103). Deep Core Beliefs werden in frühen Lebensphasen erworben und sind dementsprechend sehr stabil und widerstandsfähig gegenüber Veränderungen (BANDELOW 2015: 308). ›Policy Core Beliefs‹ spiegeln zentrale Überzeugungen zu einem bestimmten Politikfeld wider wie etwa die grundlegende Befürwortung oder Ablehnung von Kernkraft zur Energieerzeugung. Sie sind im Vergleich zu Deep Core Beliefs begrenzt änderbar und stellen damit – wie ausführlich in Kapitel 2.3 beschrieben wird – den Schlüsselmechanismus für politischen Wandel im Rahmen des ACF dar. Die sogenannten ›Secondary Aspects‹ (oder sekundären Aspekte) sind dem Policy Core untergeordnet und decken Teile des Policy-Subsystems ab. Sie stellen Präferenzen für bestimmte Maßnahmen zur Zielerreichung des Policy Cores dar, zum Beispiel in Hinblick auf die Verteilung von Haushaltsmitteln oder der Gestaltung von politischen Instrumenten (SABATIER 1998: 104; WEIBLE/SABATIER 2006: 127-128). Gegenüber den anderen Ebenen des Beliefs-Systems sind sie relativ leicht zu ändern, beispielsweise durch neuaufkommende Informationen im Subsystem.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, warum zwei ähnliche nukleare Krisen in Deutschland zu fundamental unterschiedlichen politischen Entscheidungen führten.
2. Theoretischer Rahmen – Advocacy Coalition Framework: Das Kapitel erläutert das ACF als Analyseinstrument, insbesondere die Bedeutung von Policy-Subsystemen, Belief-Systemen und der Rolle externer Ereignisse für Politikwandel.
3. Methodische Anmerkungen: Hier wird das methodische Vorgehen für die empirische Untersuchung dargelegt, einschließlich der Zeitraumbestimmung, der Akteursauswahl und der Operationalisierung der Konfliktdimensionen.
4. Die Katastrophe von Tschernobyl (Untersuchungszeitraum I): Das Kapitel analysiert die politische Reaktion nach 1986, wobei der Fokus auf der Stabilität der politischen Akteure trotz des externen Schocks liegt.
5. Die Katastrophe von Fukushima (Untersuchungszeitraum II): Dieses Kapitel beleuchtet die politische Kehrtwende der schwarz-gelben Bundesregierung nach 2011 und untersucht die Mechanismen des Policy-Lernens und der Ressourcenverschiebung.
6. Fazit: Das Fazit fasst die empirischen Befunde zusammen und diskutiert die Erklärungskraft des ACF für den beobachteten Politikwandel sowie die Einschränkungen der gewählten Analyse.
Advocacy Coalition Framework, Politikwandel, Kernenergiepolitik, Tschernobyl, Fukushima, Policy-Lernen, Ressourcenverteilung, Advocacy Coalitions, Politische Krisen, Atomkonsens, Energiewende, Policy Core Beliefs, externe Ereignisse, Major Policy Change, Minor Policy Change.
Die Arbeit analysiert die unterschiedlichen politischen Reaktionen in Deutschland auf die Reaktorkatastrophen von Tschernobyl (1986) und Fukushima (2011) unter Verwendung des Advocacy Coalition Frameworks.
Die zentralen Themen sind der politische Umgang mit nuklearen Krisen, die Stabilität oder Veränderung von politischen Überzeugungen (Beliefs) und die Dynamik von Ressourcenmacht innerhalb des politischen Systems.
Die Forschungsfrage lautet, warum es nach Tschernobyl nicht zu einem umfassenden Politikwandel kam, während Fukushima eine schnelle und radikale Entscheidung zur Energiewende und zum Atomausstieg auslöste.
Die Autorin nutzt das Advocacy Coalition Framework (ACF), um empirische Dokumente wie Regierungserklärungen, Protokolle und Umfragedaten auf Veränderungen in den Belief-Systemen und Ressourcenverteilungen zu prüfen.
Der Hauptteil gliedert sich in zwei Fallstudien (Tschernobyl und Fukushima), in denen jeweils die Policy Core Beliefs, der Wissenserwerb (Policy-Lernen) und die Veränderung von Koalitionsressourcen gegenübergestellt werden.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Advocacy Coalition Framework, Politikwandel, Kernenergiepolitik, externe Ereignisse und Ressourcenmanagement charakterisiert.
Laut der Arbeit war dies eine Kombination aus umfassendem Policy-Lernen bei Schlüsselakteuren und einem massiven Druckverlust bei den Ressourcen, insbesondere durch ein verändertes öffentliches Stimmungsbild und drohende Wahlverluste.
Nach Tschernobyl blieb die Mehrheit der Bevölkerung ambivalent oder weiterhin befürwortend, während Fukushima zu einer klaren und breiten gesellschaftlichen Ablehnung der Kernenergie führte, was die politische Handlungsfähigkeit der Pro-AKW-Koalition einschränkte.
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