Bachelorarbeit, 2017
64 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
2 Das Tier als Substitut des Menschen?
3 Beuys: Eine Einführung
3.1 Auf dem Weg seiner Meister
3.2 Jeder Mensch ist ein Künstler in dem Sinne, dass er etwas gestalten kann
3.3 Das politische und ökologische „Gesamtkunstwerk“
4 Der Schamane und seine Engel: Beuys und die Tiere
4.1 „The leapy Hare“
4.1.1 „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“
4.2 Der Schamane in Amerika: Ein Boykott ist nicht möglich
4.2.1 „I Like America and America Likes Me“
5 Das Vermächtnis eines Revolutionärs heute
5.1 Interspecies Art: Das Tier als Akteur
6 Ein Resümee
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die komplexe Beziehung zwischen Mensch und Tier im künstlerischen Schaffen von Joseph Beuys. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob das Tier in Beuys' Werken lediglich als Symbol bzw. Substitut fungiert oder ob der Künstler eine tiefere Verbindung der Spezies anstrebte, um ein gesellschaftliches Umdenken im Sinne seines „erweiterten Kunstbegriffs“ zu provozieren.
I Like America and America Likes Me
Diese Idee einer neuen Gesellschaftsorganisierung realisierte Beuys mit einer seiner bekanntesten und bedeutendsten Aktionen „I Like America and America Likes me“, die vom 21. bis 25. Mai 1974 in der Galerie René Block in New York stattfand. Es handelte sich nun nicht mehr um ein totes Tier, sondern um ein ästhetisches lebendiges Tier, die „Ästhetik des Lebendigen“, wie sie Riechelmann nennt. Waren es in der Regel domestizierte Haustiere, die Beuys oder auch andere Künstler der Aktionskunstbewegung auswählten, so handelte es sich bei dieser Aktion um ein "wildes, wenn auch gezähmtes Tier", das zum "Hauptakteur" wurde. "Little John" war der Name des Kojoten, was darauf zurückführen lässt, so Paust, dass es zu dessen Erfahrungen gehörte den Menschen als Sozialpartner anzusehen. Das Tier war also prädestiniert dafür in einen Dialog und engen Kontakt mit dem Menschen zu treten.
Deleuze, Guattari, Lorenz und Beuys wollten ursprünglich nie einen Blick in Richtung der Domestizierung werfen, da sie ihnen "viel zu sehr vom Menschen überschrieben" schien und kaum etwas anderes sein konnte als das Abbild der Lebensweise ihrer Besitzerinnen und Besitzer. Doch wie wollte Beuys die Beziehung des Menschen zum Tier insbesondere mit dieser Aktion in Frage stellen? Dies soll im weiteren Aufschlüsselungsprozess geklärt werden.
Die Aktion startete mit dem Transport von einem in Filz gewickelten Joseph Beuys, der keine Laute und Bewegungen von sich gab, sondern ohne den Boden Amerikas zu betreten, unverzüglich in den Aufzug der Galerie getragen wurde. Der Filz wurde abgelegt sobald er die Galerieräume betrat. Der Kojote befand sich zu diesem Zeitpunkt hinter einem Gitter, welches die Galerie in zwei Bereiche teilte.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die historische und soziologische Bedeutung des Mensch-Tier-Verhältnisses ein und stellt Beuys als Vorreiter einer neuen künstlerischen Auseinandersetzung mit diesem Thema vor.
2 Das Tier als Substitut des Menschen?: Dieses Kapitel beleuchtet die philosophische Entfremdung des Menschen von der Natur und die Rolle der Tiere als Projektionsflächen für menschliche Ängste und Sehnsüchte.
3 Beuys: Eine Einführung: Der Abschnitt bietet ein biographisches und ideologisches Porträt von Joseph Beuys, wobei sein Weg vom Kriegsteilnehmer zum Konzeptkünstler und seine Vision der sozialen Plastik im Zentrum stehen.
3.1 Auf dem Weg seiner Meister: Hier werden die prägenden Einflüsse durch Persönlichkeiten wie Wagner, Steiner, Lorenz und Mataré auf das Denken von Beuys analysiert.
3.2 Jeder Mensch ist ein Künstler in dem Sinne, dass er etwas gestalten kann: Die Ausarbeitung des „erweiterten Kunstbegriffs“ und die Demokratisierung der Kreativität als Mittel zur gesellschaftlichen Transformation bilden das Kernstück dieses Kapitels.
3.3 Das politische und ökologische „Gesamtkunstwerk“: Das Kapitel verknüpft Beuys’ künstlerisches Handeln mit seinen ökologischen Ambitionen und seinem Engagement in der Partei „Die Grünen“.
4 Der Schamane und seine Engel: Beuys und die Tiere: Beuys wird hier in seiner Rolle als Schamane untersucht, der durch die Einbindung von Tieren als Akteure versucht, ein neues Bewusstsein für die Natur zu schaffen.
4.1 „The leapy Hare“: Eine tiefergehende Analyse der Symbolik des Hasen als Bote zwischen den Welten und Träger revolutionären Potenzials.
4.1.1 „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“: Die Analyse dieser wegweisenden Performance verdeutlicht, wie Beuys das tote Tier zum Medium für die Vermittlung seiner Botschaft nutzt.
4.2 Der Schamane in Amerika: Ein Boykott ist nicht möglich: Das Kapitel thematisiert Beuys’ Amerika-Reisen und sein Bestreben, durch künstlerische Interventionen kritische Fragen an das kapitalistische System zu stellen.
4.2.1 „I Like America and America Likes Me“: Eine detaillierte Untersuchung der legendären Kojoten-Aktion als Dialogversuch zwischen Mensch und Natur.
5 Das Vermächtnis eines Revolutionärs heute: Hier wird der Einfluss von Beuys auf nachfolgende Künstlergenerationen und die Relevanz seines Werks für heutige ökologische Debatten diskutiert.
5.1 Interspecies Art: Das Tier als Akteur: Das abschließende Kapitel ordnet Beuys’ Wirken in die moderne Strömung der Interspecies Art ein, die das Tier als eigenständigen Akteur begreift.
6 Ein Resümee: Die Zusammenfassung bündelt die zentralen Thesen der Arbeit und betont die bleibende Aktualität von Beuys’ visionärem Denken.
Joseph Beuys, Tier-Mensch-Relation, erweiterter Kunstbegriff, Soziale Plastik, Schamanismus, Performancekunst, Ökologie, Kojote, Hase, Interspecies Art, Anthropozentrismus, politische Kunst, Transformation, Umweltschutz, Zeitgenössische Kunst.
Die Arbeit befasst sich mit dem künstlerischen Werk von Joseph Beuys unter besonderer Berücksichtigung seiner Interaktionen mit Tieren und deren Bedeutung für seine gesellschaftspolitischen und ökologischen Visionen.
Die zentralen Felder umfassen den erweiterten Kunstbegriff, die Rolle des Künstlers als Schamane, die Kritik am modernen Materialismus und das Bemühen um eine ethische Neudefinition des Mensch-Tier-Verhältnisses.
Es wird untersucht, ob das Tier bei Beuys lediglich als Symbol dient oder ob er tatsächlich einen spirituellen und ökologischen Dialog anstrebte, um die Gesellschaft zu transformieren.
Die Arbeit nutzt eine kunsthistorische Analyse, kombiniert mit soziologischen Ansätzen und der Auswertung von Primärquellen (Interviews, Aktionen) sowie Fachliteratur zu den Human-Animal-Studies.
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen (Einflüsse von Wagner, Steiner, Lorenz), Beuys' zentrale Aktionen wie die Hasen- und die Kojoten-Performance sowie seinen Einfluss auf die heutige Interspecies Art.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Soziale Plastik, radikale Ökologie, Transformation, Aktionskunst und das Bestreben nach einem harmonischen Miteinander von Mensch und Tier.
Der Kojote fungiert in der Aktion „I Like America and America Likes Me“ als Symbol für ein von den Weißen in Amerika unterdrücktes, aber spirituell mächtiges Wesen, durch das Beuys eine Verbindung zum ursprünglichen Trauma des Kontinents sucht.
Beuys nutzt Tiere, weil er ihnen ein instinktives Wissen zuschreibt, das dem rational geprägten Menschen verloren gegangen ist, und um sie als ebenbürtige Akteure in einem „Gesamtkunstwerk“ zu etablieren.
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