Masterarbeit, 2017
71 Seiten, Note: 1,6
1. Einleitung
2. Korruption
2.1 Kritik am positiven Charakter der Korruption
2.2 Formelle und informelle Institutionen und Korruption
2.3 Wachstumstheorie: Sach- und Humankapitalakkumulation
3. Wirkung von Korruption auf die Sachkapitalakkumulation
3.1 Veränderung der Spar- und der Investitionsquote
3.2 Veränderung der Produktivität
3.3 Die (indirekte) Beziehung zwischen Korruption und Fertilität
4. Wirkung von Korruption auf die Humankapitalakkumulation
4.1 Veränderung der Bildungsqualität
4.2 Veränderung der Diskontrate
4.3 Die Analogien von Sach- und Humankapitalakkumulation
5. Fazit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Wirkungskanäle von Korruption auf die Akkumulation von Sach- und Humankapital aus einer ökonomischen Perspektive zu untersuchen und dabei potenzielle Risiken und Entwicklungsperspektiven aufzuzeigen.
2.1 Kritik am positiven Charakter der Korruption
Die bisherigen Ausführungen haben die negativen Wesenszüge der Korruption in gewissem Umfang durchblicken lassen. Damit sind sie deckungsgleich mit den in der Literatur vorherrschenden Ergebnissen der gegenwärtigen Korruptionsforschung. Dieser Abschnitt untersucht anhand verschiedener Arbeiten den positiven Charakter der Korruption auf die Volkswirtschaft. Daraufhin werden unter Verwendung von aktueller Literatur Belege vorgebracht, die den positiven Charakter kritisch hinterfragen und im Ergebnis widerlegen.
Mit Beginn der 1960er Jahre bemühte sich ein Teilsegment der Korruptionsforschung redlich aufzuzeigen, dass Korruption vor allem in lethargischen und über-regulierten Ländern zu einer Verbesserung der Effizienz führen könne (vgl. Aidt 2009: 3). Einer der bekanntesten Beiträge zu diesem Thema stammt von Nathan Leff (1964) und trug den etwas provokativ gewählten Titel “Economic Development Through Bureaucratic Corruption“. Als Ausgangspunkt einer detaillierten Betrachtung sollte ein Land gewählt werden, in dem die politische Elite vorgibt am wirtschaftlichen Wachstum des Landes interessiert zu sein, während sie in Wahrheit versucht diesen aufzuhalten. Ein solches Gebaren wird vornehmlich in ehemals kolonialisierten Ländern vermutet, in denen es der heimische Mittelstand nicht geschafft hat, die Fesseln der traditionellen Machthalter zu lösen. Der Grund für die Drosselung des Wirtschaftswachstums durch die politische Elite ist der Erhalt des Satus-quo. Dieser stellt sicher, dass der Mittelstand nicht erstarkt und hierdurch die Renten der Elite in Gefahr gebracht werden. In Fällen in denen das optimale Marktergebnis durch eine politische Elite verhindert wird, kann korrumpierendes Verhalten in Form von Bestechungszahlungen effizienzsteigernd wirken (vgl. Leff 1964: 10 f.; Rashid 1981: 458 f.; Huntington 1968: 68 f.). Selbst wenn keine Verzerrung vorliegt, kann Korruption in Verbindung mit einem Verhandlungsprozess zu einem effizienten Ergebnis führen. Der korrupte Beamte verkauft Eigentumsrechte von öffentlichen Ressourcen durch die Vergabe von Lizenzen gegen Zahlung eines Bestechungsgeldes an den privaten Agenten. Wird der öffentliche Auftrag an das private Unternehmen vergeben, welches das höchste Bestechungsgeld zahlt, herrscht weiterhin allokative Effizienz. Denn es ist zu erwarten, dass das Unternehmen mit den geringsten Kosten die höchste Bestechungszahlung erbringen wird. Für die allokative Effizienz spielt es dabei keine Rolle, ob der Produzentenüberschuss an den Beamten oder den Staat fließt (vgl. Bardhan 1997: 1322).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das globale Phänomen der Korruption ein, definiert den Begriff ökonomisch und erläutert die Relevanz der Untersuchung für die Akkumulation von Sach- und Humankapital.
2. Korruption: Dieses Kapitel liefert eine fundierte Begriffsbestimmung, klassifiziert verschiedene Formen der Korruption und hinterfragt kritisch die Hypothesen, die Korruption eine potenziell effizienzsteigernde Wirkung zuschreiben.
3. Wirkung von Korruption auf die Sachkapitalakkumulation: Das Kapitel analysiert, wie Korruption durch die Verringerung der Spar- und Investitionsquoten sowie durch negative Einflüsse auf die Produktivität direkt die Sachkapitalakkumulation behindert.
4. Wirkung von Korruption auf die Humankapitalakkumulation: Hier wird untersucht, wie Korruption die Bildungsqualität mindert, Diskontraten durch ein verzerrtes Entscheidungskalkül erhöht und somit langfristig das Humankapitalwachstum hemmt.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die konsistent negative Wirkung von Korruption auf die Kapitalakkumulation, weist jedoch zugleich auf die Herausforderungen bei der Bestimmung kausaler Zusammenhänge hin.
Korruption, Sachkapitalakkumulation, Humankapitalakkumulation, Wirtschaftswachstum, Institutionenökonomik, Rent-seeking, Investitionsquote, Produktivität, Fertilität, Bildung, Diskontrate, Prinzipal-Agent-Ansatz, Nepotismus, Sparquote, Wachstumsmodell.
Die Arbeit untersucht die ökonomischen Auswirkungen von Korruption auf die Akkumulation von Sach- und Humankapital in Volkswirtschaften.
Die zentralen Felder umfassen Institutionenökonomik, Wachstumstheorie, die Analyse von Investitions- und Sparverhalten sowie die bildungsökonomischen Auswirkungen von Korruption.
Ziel ist es, die Wirkungskanäle von Korruption auf das Wirtschaftswachstum durch die Beeinflussung der Kapitalakkumulation theoretisch und empirisch zu beleuchten.
Es werden modelltheoretische Ansätze (neoklassische Wachstumstheorie, Lucas-Uzawa-Modell) mit einer Literaturanalyse empirischer Studien kombiniert.
Der Hauptteil analysiert detailliert die negativen Effekte von Korruption auf Sach- und Humankapital, inklusive der Auswirkungen auf Investitionen, Produktivität, Fertilität und Bildung.
Schlüsselbegriffe sind Korruption, Kapitalakkumulation, Wirtschaftswachstum, Investitionsquote, Humankapital, Produktivität und Institutionenqualität.
Die Arbeit widerlegt diese Hypothese durch den Hinweis auf moderne Forschungsergebnisse, die Korruption überwiegend als "Sand im Getriebe" (Entwicklungshindernis) statt als Schmierstoff identifizieren.
Nepotismus verzerrt die Stellenvergabe, was dazu führt, dass Humankapital nicht effizient eingesetzt werden kann, und senkt somit den Anreiz für Investitionen in Bildung.
Eine hohe Diskontrate, verstärkt durch Korruption und Armut, führt zu einer stärkeren Präferenz für Gegenwartskonsum gegenüber langfristigen Bildungsinvestitionen.
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