Examensarbeit, 1985
110 Seiten, Note: Gesamtnote 2,11
Vorbemerkungen
A. Interpretation
1. Die Philosophie des Absoluten
2. Die Philosophie der Geschichte
a) Die „Trefflichkeit des alten Athenervolks“
b) Die „Unheilbarkeit des Jahrhunderts“
c) Der politische Gegenentwurf
3. Bilder der Versöhnung
a) Die „göttliche Natur“ und das Programm einer Erlösung der Natur durch die Geschichte
b) Dichtung als „Mythologie der Vernunft“
c) Der Diotima-Mythos
4. Die Struktur des Romans
5. Hyperions Leben
B. Fachdidaktische Grundlegung
1. Ableitung und Begründung des fachdidaktischen Ansatzes
2. Verhältnis zur Fachdidaktik Rolf Geißlers
3. Folgerungen für den Literaturunterricht
4. Begründung der Wahl des Unterrichtsgegenstandes und der Zielsetzung der Unterrichtsreihe
5. Didaktische Reduktion
6. Strukturplan zur Unterrichtsreihe: „Hyperion“
7. Überblicksgraphik: Aspekte der Interpretation
8. Erläuterungen zur Überblicksgraphik
C. Materialien
1 Inhaltsübersicht zu den einzelnen Briefen des Romans
2. Hyperions wichtigste Lebensstationen
3. Die Zeitstruktur des Romans: Leben Hyperions und Romanzeit
Die vorliegende Arbeit interpretiert Hölderlins Roman „Hyperion“ als eine philosophische Auseinandersetzung mit den Kategorien „Protest“ und „Verheißung“ und leitet daraus ein fachdidaktisches Konzept für den Literaturunterricht ab, das Literatur als Mittel der gesellschaftlichen Reflexion und Mündigkeitsbildung begreift.
1. Die Philosophie des Absoluten
Das Gravitationszentrum, auf das der Roman in allen seinen Teilen und Aspekten sich bezieht, ist Hölderlins Philosophie des Absoluten.
Ihre Darstellung, soweit sie im Roman und den Vorreden zu seinen verschiedenen Fassungen selbst expliziert wird bzw. daraus rekonstruierbar ist, hat sonach die Grundlage jeder Deutung zu bilden.
Ihren Anfang nimmt daher die Interpretation bei dem Anfang jener Philosophie: „im Anfang war der Mensch und seine Götter Eins, da, sich selber unbekannt, die ewige Schönheit war.“ (89)¹
Den Anfang also bildet das Absolute in seiner einfachen, ursprünglichen Unmittelbarkeit.
1. Die Philosophie des Absoluten: Dieses Kapitel erläutert das Grundkonzept von Hölderlins Philosophie, welche die „ewige Schönheit“ als Ursprung und Ziel des Seins versteht.
2. Die Philosophie der Geschichte: Hier wird der dialektische Dreischritt von Einheit, Trennung und Versöhnung auf die historische Entwicklung, insbesondere die griechische Antike und die Moderne, angewendet.
3. Bilder der Versöhnung: Dieses Kapitel analysiert zentrale Motive wie die Natur, die Dichtung und den Diotima-Mythos als Vorboten eines erlösten Zustands.
4. Die Struktur des Romans: Die Untersuchung legt die komplexe Zeit- und Erzählstruktur des Briefromans offen, die eine Kreisstruktur aufweist.
5. Hyperions Leben: Hier wird der Lebensweg des Protagonisten als paradigmatische, „exzentrische Bahn“ menschlicher Entwicklung im Sinne der geschichtsphilosophischen Vorgaben gedeutet.
6. Fachdidaktische Grundlegung: Dieser Teil leitet einen fachdidaktischen Ansatz aus der Kritischen Theorie Adornos ab, der Literatur als Mittel gegen Verdinglichung und Entfremdung nutzt.
Hölderlin, Hyperion, Philosophie des Absoluten, Dialektik, Geschichtsphilosophie, Versöhnung, Natur, Dichtung, Diotima, Literaturdidaktik, Adorno, Protest, Verheißung, Subjekt-Objekt-Spaltung, Bildungsroman.
Die Arbeit verknüpft eine literaturwissenschaftliche Interpretation von Hölderlins „Hyperion“ mit fachdidaktischen Überlegungen, um den Roman für den Deutschunterricht in der Oberstufe aufzubereiten.
Im Zentrum stehen die geschichtsphilosophische Dialektik bei Hölderlin, das Verhältnis von Mensch und Natur sowie die politische Dimension des Romans im Kontrast zur zeitgenössischen deutschen Misere.
Das Ziel ist es, den Roman auf der Grundlage der Kategorien „Protest“ und „Verheißung“ als Medium für die Mündigkeitsbildung der Schüler zu erschließen.
Der Autor stützt sich auf eine werkimmanente Interpretation, die stark durch die Kritische Theorie (insbesondere Adorno) und geschichtsphilosophische Ansätze geprägt ist.
Neben der philosophischen Fundierung des Romans analysiert der Text die Struktur des Briefromans, die Rolle von Diotima und die spezifische „exzentrische Bahn“ des Protagonisten.
Hölderlin, Dialektik, Entfremdung, Versöhnung, Literaturdidaktik, Kritische Theorie und Geschichtsphilosophie.
Natur wird bei Hölderlin als „göttliche Natur“ und als Gegenbild zum verdinglichten Leben der Moderne verstanden; sie repräsentiert die verlorene Einheit, die durch Geschichte und Bewusstsein wiedererlangt werden muss.
Das „Schicksalslied“ wird kritisch als eine „undialektische“ Position entlarvt, die im weiteren Verlauf des Romans durch die Einsicht in die Notwendigkeit des Schmerzes und der Überwindung der Negativität relativiert wird.
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