Examensarbeit, 2005
45 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Grundlagen und Voraussetzungen der Problemstellung
2.1 Der Achtungsanspruch des einzelnen Menschen
2.1.1 Zum Grundverständnis von Freiheit und Recht
2.1.2 Grundgesetz und Menschenwürde
2.1.3 Einschränkung der Grundrechte von Rechtsbrechern
2.2 Die Sicherungsverwahrung im staatlichen Sanktionensystem
2.2.1 Straftheorien
2.2.2 Die Maßregel in Abgrenzung zur Strafe
2.2.3 Die aktuellen Entwicklungen in der Gesetzgebung
2.2.4 Voraussetzungen für die Anordnung der Sicherungsverwahrung
2.2.5 Anordnungsverfahren
3. Zur Verletzung der Menschenwürde durch die Sicherungsverwahrung
3.1 Die Rechtfertigung der Verwahrung zwischen Theorie und Praxis
3.1.1 Ansätze zur Legitimation der Sicherungsverwahrung
3.1.2 Die Grenzen der aktuellen Legitimation
3.1.3 Die Prognosepraxis
3.1.4 Der „Hang zu erheblichen Straftaten“ in der juristischen Anwendung
3.1.5 Kein strafender Charakter oder Doppelbestrafung
3.1.6 Zusammenfassung
3.2 Zur Kritik an den aktuellen Entwicklungen
3.2.1 Übereiltes Gesetzgebungsverfahren
3.2.2 Rückwirkungsverbot
4. Ist eine menschenwürdige Sicherungsverwahrung möglich?
5. Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Sicherungsverwahrung als schuldunabhängige Maßregel mit den grundgesetzlich garantierten Menschenwürdeansprüchen vereinbar ist, insbesondere unter Berücksichtigung der jüngsten gesetzgeberischen Ausweitungen und der damit verbundenen verfassungsrechtlichen Problematik.
3.1.3 Die Prognosepraxis
Die Prognose des zukünftigen Verhaltens eines Delinquenten ist für die Sicherungsverwahrung von der Anordnung bis hin zur Aussetzung von erheblicher Bedeutung. Das Wort „Prognose“ lässt im allgemeinen, nicht forensischen oder kriminaltechnischen Sprachgebrauch schon erkennen, dass eine hundertprozentige Aussage über das Künftige nicht möglich ist. In mathematisch-statistischer Sicht können Aussagen über die Zukunft getroffen werden, indem Vergangenheitswerte als Schätzgrößen des Kommenden dienen. Die Qualität solcher Prognosen nimmt mit dem Umfang der zur Verfügung stehenden Daten zu.
Die Prognose menschlichen Verhaltens ist für Alltagssituationen im Großen und Ganzen ohne größere Schwierigkeiten möglich. Die Alltagssituation bringt es mit sich, dass die Ereignisse häufig auftreten. Die Umgebungsbedingungen und das Verhalten der Personen ist aufgrund menschlicher Gewohnheit relativ konstant und somit berechenbar. Auftretende Prognosefehler sind leicht hinnehmbar oder können korrigiert werden.
1. Einleitung: Erläutert die verfassungsrechtliche Problematik der Sicherungsverwahrung nach Urteilen des Bundesverfassungsgerichts und führt in die Kritik an der Ausweitung dieser Maßregel ein.
2. Grundlagen und Voraussetzungen der Problemstellung: Legt das verfassungsrechtliche Fundament dar, definiert den Achtungsanspruch des Menschen und analysiert die Rolle der Sicherungsverwahrung im staatlichen Sanktionensystem.
3. Zur Verletzung der Menschenwürde durch die Sicherungsverwahrung: Analysiert kritisch die Rechtfertigungsansätze, die Defizite in der Prognosepraxis, die Problematik der Hangtäter-Definition sowie das Verhältnis zu Strafe und Rückwirkungsverbot.
4. Ist eine menschenwürdige Sicherungsverwahrung möglich?: Formuliert Anforderungen an eine menschenwürdige Ausgestaltung, insbesondere durch wissenschaftliche Prognosestandards und eine restriktivere Auslegung der Rechtsbegriffe.
5. Zusammenfassung: Resümiert, dass die gegenwärtige Praxis der Sicherungsverwahrung die Menschenwürde nicht hinreichend achtet und fordert grundlegende Veränderungen in Legislative, Judikative und Exekutive.
Sicherungsverwahrung, Menschenwürde, Grundgesetz, Straftheorien, Hangtäterschaft, Gefährlichkeitsprognose, Verhältnismäßigkeit, Strafvollzug, Rechtssicherheit, Rückwirkungsverbot, Gesetzgebung, Resozialisierung, Rechtsstaatlichkeit, Grundrechte, Sanktionensystem.
Die Arbeit befasst sich mit der ethischen und verfassungsrechtlichen Vereinbarkeit der Sicherungsverwahrung mit der Menschenwürde vor dem Hintergrund aktueller Gesetzesänderungen.
Zentrale Felder sind das Verhältnis von Freiheit und Recht im Grundgesetz, die Legitimationsansätze der Sicherungsverwahrung sowie die Problematik von Prognoseentscheidungen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, ob und unter welchen restriktiven Bedingungen eine menschenwürdige Sicherungsverwahrung möglich ist.
Die Arbeit basiert auf einer rechtsdogmatischen und verfassungsrechtlichen Analyse unter Einbeziehung kriminologischer und psychologischer Literatur zur Prognosepraxis.
Im Hauptteil werden die Legitimation, die Grenzen der richterlichen Praxis bei Prognosen sowie die Kritik am aktuellen Gesetzgebungsverfahren und am Rückwirkungsverbot behandelt.
Besonders prägend sind Begriffe wie Sicherungsverwahrung, Menschenwürde, Verhältnismäßigkeit und Gefährlichkeitsprognose.
Der Autor bemängelt, dass Gutachten oft unkritisch übernommen werden und die richterliche Würdigung der Gutachterergebnisse in der Praxis häufig hinter den Anforderungen zurückbleibt.
Er warnt davor, das Vollzugsverhalten überzubewerten, da es mit den Bedingungen in Freiheit wenig gemein hat und somit eine gefährliche, rechtlich zweifelhafte Grundlage für eine nachträgliche Sicherungsverwahrung bietet.
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