Doktorarbeit / Dissertation, 2017
117 Seiten, Note: sehr gut
Vorwort
Einleitung
I. Martin Buber, sein Werk, seine Beziehung zur Psychiatrie und Psychotherapie und die Rezeptionsgeschichte
I.1 Leben und Werk von Martin Buber
I.2 Martin Buber und die Psychiatrie und Psychotherapie
II. Die Rezeption von Bubers Denken in der deutschsprachigen Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an ausgewählten Beispielen
II.1 Viktor von Weizsäcker
II.2 Ludwig Binswanger
II.3 Beziehungsökologische Psychotherapie von Jürg Willi
III. Osteuropäischer Chassidismus als geistiger Hintergrund Bubers und seine Bedeutung für die Psychotherapie
III.1 Geschichte des Chassidismus und seine historisch bedingte „psychotherapeutisch-seelsorgerische Funktion“
III.2 Chassidismus heute und sein Bezug zur Psychotherapie
IV. „Der Weg des Menschen nach der chassidischen Lehre“ als Quintessenz der Buber’schen Ideenwelt und als Quelle therapeutischer Denkanstöße
IV.1 Selbstbesinnung
IV.2 Der besondere Weg
IV.3 Entschlossenheit
IV.4 Bei sich beginnen
IV.5 Sich mit sich nicht befassen
IV.6 Hier wo man steht
V. Moderne Vorstellungen von einer integrativen Psychotherapie und ihr Verhältnis zum chassidischen Gedankengut in der Darstellung Bubers
V.1 Allgemeine Merkmale integrativer Ansätze in der Psychotherapie
V.1.1 „Patientenzentrierung“
V.1.2 Anwendung von Methoden und Techniken aus unterschiedlichen Therapieverfahren
V.1.3 Einbeziehung von Mehrdimensionalität und Interdisziplinarität in die Therapie
V.1.4 Dialogfähigkeit zwischen verschiedenen therapeutischen Denkweisen, praktischen Ansätzen sowie verschiedenen Disziplinen
V.1.5 Offenheit für Neues
V.1.6 Berücksichtigung der aktuellen situativen Realität sowie der therapeutischen Rahmenbedingungen
V.1.7 Gleichzeitige Berücksichtigung unterschiedlicher Einflüsse auf das therapeutische Handeln
V.2 Annäherungen an ein mögliches Modell für eine integrative Psychotherapie
V.2.1 „Allgemeine Psychotherapie“ von Klaus Grawe
V.2.2 „Integrative Psychotherapie“ von Hilarion Petzold
VI. Diskussion und Ausblick
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Philosophie Martin Bubers und der chassidische Chassidismus als Impulsgeber für die zeitgenössische integrative Psychotherapie dienen können. Ziel ist es, eine systematische Verbindung zwischen Bubers Dialogphilosophie und moderner psychotherapeutischer Praxis herzustellen, um theoretische Fundamente und praxisnahe Ansätze für eine ganzheitliche Behandlung zu gewinnen.
I.2 Martin Buber und die Psychiatrie und Psychotherapie
Neben diesen Tätigkeitsbereichen und Wissenschaftsgebieten besaß Buber während seines ganzen Lebens sowohl ein ausgeprägtes Interesse am psychiatrisch-psychotherapeutischen Fachgebiet als auch persönliche Verbindungen mit dessen bekannten Vertretern. Diese Verbindungen waren einerseits wohl motiviert durch die Absicht, sich in eigenen Anschauungen von ihnen kritisch abzusetzen, andererseits dadurch, gemeinsam mit ihnen verwandte Vorstellungen neuer Wege der Psychotherapie zu entwickeln. Die kritische Distanzierung von vorherrschenden psychiatrischen und psychotherapeutischen Konzepten hing in erster Linie damit zusammen, dass Buber als Philosoph in einer perspektivisch anderen Weise über den Menschen nachdenken musste, als es Psychotherapeuten üblicherweise in ihrer Praxis tun.
Zu den Ursprüngen seines Interesses an Psychiatrie und Psychotherapie lassen wir am besten Buber selbst zum Wort kommen. In einem öffentlichen Dialog zwischen ihm und Carl Rogers an der University of Michigan in Ann Arbor am 18. April 1958 gibt Buber eine relativ ausführliche Antwort auf die Frage von Rogers, wie er sich „ein tiefes Verstehen über das menschliche Individuum“ angeeignet habe, ohne jemals selbst Psychotherapeut zu sein und „[…] welche die Kanäle des Wissens waren, durch die Sie die Fähigkeit gewonnen haben, wirklich so tiefgründig Menschen und Beziehungen zu studieren?“ (Mendes-Flohr und Schäfer 2008: 238) In seiner Antwort sagt Buber, dass er in der Psychiatrie nicht „ein völlig Fremder“ sei, „[…] denn als ich Student war […] studierte ich drei Semester Psychiatrie und was man in Deutschland 'Psychiatrische Klinik' nennt. Das interessierte mich am meisten. Sehen Sie, ich studierte nicht Psychiatrie, um ein Psychotherapeut zu werden. Ich studierte […] zuerst […] in Leipzig, wo ich ein Student Wundts war. Daraufhin in Berlin mit Mendel, und das dritte Semester mit Bleuler in Zürich, welches das interessanteste der drei war. […] ich hatte das Gefühl, über den Menschen wissen zu wollen, und über den Mensch im sogenannten pathologischen Zustand. […] Ich wollte solche Leute sehen, wenn möglich treffen, und […] die Beziehung aufbauen, die wirkliche Beziehung zwischen dem, was wir einen gesunden Menschen nennen und was wir einen pathologischen Menschen nennen“ (ebd.).
I. Martin Buber, sein Werk, seine Beziehung zur Psychiatrie und Psychotherapie und die Rezeptionsgeschichte: Ein Überblick über Bubers Leben, seine philosophische Ausrichtung und seine kritische Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Psychiatrie und Psychoanalyse.
II. Die Rezeption von Bubers Denken in der deutschsprachigen Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an ausgewählten Beispielen: Darstellung des Einflusses von Bubers Ideen auf namhafte Ärzte wie Viktor von Weizsäcker, Ludwig Binswanger und Jürg Willi.
III. Osteuropäischer Chassidismus als geistiger Hintergrund Bubers und seine Bedeutung für die Psychotherapie: Untersuchung der chassidischen Bewegung als historisch gewachsene Quelle für therapeutische Ansätze und deren Relevanz für das moderne Verständnis von Resilienz und Gemeinschaft.
IV. „Der Weg des Menschen nach der chassidischen Lehre“ als Quintessenz der Buber’schen Ideenwelt und als Quelle therapeutischer Denkanstöße: Analyse ausgewählter chassidischer Texte Bubers auf ihre psychotherapeutischen Gehalte und ihre Bedeutung für die praktische Lebenshilfe.
V. Moderne Vorstellungen von einer integrativen Psychotherapie und ihr Verhältnis zum chassidischen Gedankengut in der Darstellung Bubers: Integration der Erkenntnisse aus den vorangegangenen Kapiteln in aktuelle Modelle der integrativen Psychotherapie, wie sie von Klaus Grawe und Hilarion Petzold vertreten werden.
VI. Diskussion und Ausblick: Zusammenfassende kritische Betrachtung des Buber’schen Erbes für die moderne Wissenschaft sowie Reflexion über zukünftige Forschungsmöglichkeiten im Schnittfeld von Philosophie und Psychotherapie.
Martin Buber, Chassidismus, Integrative Psychotherapie, Dialogphilosophie, Ich-Du-Beziehung, Anthropologische Psychiatrie, Viktor von Weizsäcker, Ludwig Binswanger, Jürg Willi, Psychodynamik, Resilienz, Lebenspraxis, Ganzheitlichkeit, Psychotherapeutische Beziehung, Existenzanalyse.
Die Arbeit erforscht die Verbindung zwischen der Philosophie Martin Bubers und der chassidischen Lebenspraxis mit den theoretischen und praktischen Grundlagen einer integrativen Psychotherapie.
Die Arbeit befasst sich mit Dialogphilosophie, historischer Buber-Rezeption in der Medizin, den psychotherapeutischen Impulsen des Chassidismus sowie modernen integrativen Therapieansätzen.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Bubers „Begegnungsphilosophie“ und das chassidische Erbe als theoretische Quelle für eine ganzheitliche, integrative Psychotherapie dienen und wie sie moderne Ansätze befruchten können.
Die Arbeit nutzt eine hermeneutische Methode, um die religiös-philosophischen Texte Bubers auf psychotherapeutische Gehalte zu überprüfen und in den Kontext klinischer Theorien zu stellen.
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Rezeption durch Pioniere wie Binswanger und von Weizsäcker, die Analyse der chassidischen „therapeutischen Bewegung“ sowie die Synthese dieser Erkenntnisse in moderne integrative Modelle.
Zentrale Begriffe sind Dialogik, integrative Psychotherapie, Ich-Du-Beziehung, ganzheitliche Behandlung und das chassidische Erbe.
Die chassidische Lehre dient als historisches Beispiel für eine ressourcenorientierte und ganzheitliche Lebenspraxis, die therapeutische Elemente wie Erzählen, Singen und Gemeinschaftsbildung nutzt, welche in modernen Verfahren neu entdeckt werden.
Buber betrachtet den Menschen als leibseelisches Beziehungswesen und kritisiert eine rein naturwissenschaftlich-reduktive Sichtweise; er plädiert für eine „personhafte Begegnung“, die über das bloße Analysieren hinausgeht.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

