Magisterarbeit, 2006
82 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
1.1 Thematik
1.2 Materialgrundlage
1.3 Quellenlage
2 Die Walisische Mark (1067-1200)
2.1 Wales um 1060
2.2 Die Entstehung der Walisischen Mark (1067-1100)
2.2.1 Die normannische Eroberung Englands 1066
2.2.2 Das erste Ausgreifen der Normannen nach Wales
2.2.3 Das Scheitern der vollständigen Eroberung
2.3 Die Mark im 12. Jahrhundert
2.3.1 Ereignisgeschichtlicher Überblick
2.3.2 Die innere Entwicklung des normannischen Wales
2.3.3 Zwischen alltäglicher Gewalt und Koexistenz: Eroberer und Eroberte
3 Giraldus Cambrensis
3.1 Das Leben
3.2 Das schriftstellerische Werk
4 Die normannische Herrschaft in Wales im Spiegel des Itinerarium Kambriae
4.1 Die Quelle: Mehr als eine Reisebeschreibung
4.2 Marchia Wallie? Zur Behandlung der Mark im Itinerarium Kambriae
4.3 Giraldus Cambrensis und die normannische Herrschaft in Wales
4.3.1 Charakteristik der Normannen
4.3.2 Wales unter den Normannen
4.3.3 Habgierige Prioren und unfähige Bischöfe
4.3.4 Die Taten Geralds von Windsor und seiner Familie
5 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Walisische Mark im Hochmittelalter sowie das Leben und Werk des Giraldus Cambrensis als typischer Repräsentant dieser Grenzregion. Ziel ist es, die komplexe politische und gesellschaftliche Struktur der Mark darzustellen und zu analysieren, wie die Herkunft des Giraldus Cambrensis aus dieser Region sein schriftstellerisches Werk und seine Sicht auf die normannische Herrschaft in Wales geprägt hat.
Die Taten Geralds von Windsor und seiner Familie
„Arnulf Montgomery war der erste, welcher hier [in Pembroke, d. Verf.] eine Burg baute, und zwar aus Holzpfählen und Torf in den Tagen Heinrichs I., des Königs der Engländer. Sie war nicht sehr stark und bot nur wenig Widerstand. Als er nach England zurückkehrte, hinterließ Arnulf die Festung und eine kleine Garnison in der Verantwortung Geralds von Windsor, eines treuen und geschickten Mannes, welcher sein Konstabel und Leutnant war. Ohne viel Mühe begannen die Bewohner von Südwales diesen Ort zu belagern. (...) Die Belagerung dauerte eine lange Zeit. Diejenigen innerhalb [der Burg, d. Verf.] wurden in ihrer Zahl stark reduziert und waren dem Ende ihrer Kräfte nahe. Als kaum noch Proviant übrig war, erzeugte Gerald, der, wie ich sagte, ein listiger Mann war, den Eindruck, sie wären noch immer wohl versorgt und würden jeden Moment Verstärkung erwarten. (...) Am folgenden Tag erdachte er sich eine sogar noch geistreichere Kriegslist. Er signierte einen Brief mit seinem eigenen Siegel und ließ ihn gerade außerhalb der Unterkunft von Wilfried, des Bischofs von St. Davids, welcher zufällig in der Nähe war, auslegen. Dort würde er fast unmittelbar gefunden werden und der Finder würde vermuten, dass jener dort zufällig von einem von Geralds Botschaftern fallengelassen worden war. Der Inhalt des Briefes war jener, dass der Konstabel für gute vier Monate keiner Verstärkung von Arnulf bedürfe. Nachdem diese Depesche den Walisern verlesen worden war, brachen sie die Belagerung sofort ab und gingen nach Hause. Das Nächste was Gerald tat, war Nest, die Schwester von Gruffudd, des Prinzen von Südwales, zu heiraten, mit dem Ziel, sich selbst und seinen Truppen einen festeren Halt in diesem Land zu verschaffen. Mit der Zeit gebar sie ihm eine große Zahl von Kindern, Jungen als auch Mädchen. Mit Hilfe dieser Familie wurde die Südküste von Wales von den Engländern sicher gehalten und auch Irland gestürmt (...).“
1 Einleitung: Definiert das Thema der Walisischen Mark und Giraldus Cambrensis als Marcher sowie die methodische Herangehensweise der Studie.
2 Die Walisische Mark (1067-1200): Zeichnet die historische Entstehung und Entwicklung der Mark nach, unter besonderer Berücksichtigung der normannischen Penetration und der sozioökonomischen Bedingungen.
3 Giraldus Cambrensis: Beleuchtet das Leben und das literarische Schaffen des Giraldus im Kontext seiner Herkunft und kirchlichen Laufbahn.
4 Die normannische Herrschaft in Wales im Spiegel des Itinerarium Kambriae: Analysiert die Sicht des Autors auf die normannische Herrschaft, Kirchenpolitik und die Rolle seiner eigenen Familie in der Mark.
5 Fazit: Fasst die ambivalenten Ergebnisse zur Identität des Giraldus und zur komplexen Struktur der Walisischen Mark zusammen.
Walisische Mark, Marcher Lordships, Giraldus Cambrensis, Normannische Eroberung, Anglonormannen, Itinerarium Kambriae, Hochmittelalter, Grenzkriege, Kolonisation, Wales, Marcher Society, Deheubarth, St. David's, Kirchenreform, Pura Wallia.
Die Arbeit behandelt die Geschichte der Walisischen Mark im Hochmittelalter und untersucht das Leben und Werk des Schriftstellers Giraldus Cambrensis in diesem spezifischen historischen und geografischen Kontext.
Die zentralen Themen sind die historische Expansion der Normannen nach Wales, die politische Fragmentierung der walisischen Regionen, die Rolle des Giraldus Cambrensis als Vermittler zwischen den Kulturen sowie die kirchliche Unterwerfung der walisischen Bistümer.
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie die Herkunft des Giraldus Cambrensis als Mitglied der "Marcher Society" seinen Werdegang und sein Werk beeinflusste und welchen Blick er auf die normannische Herrschaft in seiner Heimat Wales wirft.
Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung und Interpretation der zeitgenössischen Quelle "Itinerarium Kambriae" von Giraldus Cambrensis in Verbindung mit aktueller wissenschaftlicher Fachliteratur.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Darstellung der Walisischen Mark (Entstehung, innere Entwicklung), ein biografisches Kapitel über Giraldus Cambrensis und eine Quellenanalyse seines Werkes im Hinblick auf seine Sicht auf die Normannen.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Walisische Mark, Marcher Lordships, Giraldus Cambrensis, Normannische Eroberung und Marcher Society charakterisiert.
Giraldus wird als ein vielseitiger Gelehrter und Kleriker dargestellt, der zwar stolz auf seine Herkunft war, aber aufgrund seiner ambivalenten Stellung zwischen den Walisern und den normannischen Herren in England in seinen Aufstiegsbestrebungen immer wieder scheiterte.
Der Begriff beschreibt eine spezifische, in der Mark verwurzelte Gesellschaftsschicht, der Giraldus angehörte, die trotz ihrer Nähe zu den walisischen Prinzen einen eigenen kulturellen und politischen Status innerhalb der normannischen Machtstrukturen entwickelte.
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