Magisterarbeit, 2005
124 Seiten, Note: 1,0
EINLEITUNG
I CARLOS SAURA: DER LANGE WEG BIS ZUM „TOTALEN KINO“
1. VON DER FOTOGRAFIE ZUM FILM
1.1 DAS JUNGE SPANISCHE KINO – DIE REALISTISCHE FILMÄSTHETIK
1.2 DIE ENTWICKLUNG EINER VERSCHLÜSSELTEN FILMSPRACHE
2. DER AUSBAU VON BILDSPRACHE UND THEMENKOMPLEXEN
2.1 DAS AUFBRECHEN DER ZEIT, - UND BEWUSSTSEINSEBENEN
2.2 DAS KAMMERSPIEL
2.3 DAS (THEATER-) SPIEL
2.4 DER TANZ UND DIE MUSIK
2.5 EXTREMSITUATIONEN – GEWALT UND DESTRUKTIVITÄT, LIEBE UND TOD
2.6 DIE DOMINANZ DER FRAUEN IN DER MÄNNERWELT
3. ZWISCHENFAZIT
4. DIE KONZEPTION EINES GESAMTKUNSTWERKS – DAS MUSIKALISCHE GENRE
4.1 DIE GESCHICHTE DES FLAMENCOS IM SPANISCHEN KINO
4.2 DIE TRILOGIE – ZUSAMMENKUNFT DER KÜNSTE MUSIK, TANZ, THEATER UND FILM
4.3 SPÄTE WERKE – DIE KAMERA ÜBERNIMMT DIE HAUPTROLLE
4.4 ZWISCHENFAZIT – DIE CHOREOGRAFIE DER KAMERA
II CARMEN: DER LANGE WEG BIS ZUM „UNIVERSELLEN MYTHOS“
1. MÉRIMÉES CARMEN – DIE SPANNUNG ZWISCHEN FORM UND INHALT
2. BIZETS CARMEN – DIE SPANNUNG ZWISCHEN ERFOLG UND MISSERFOLG
2.1 VERGLEICH MÉRIMÉE – BIZET
3. VON NOVELLE UND OPER ZUM FILM – DER STOFF GEHT UM DIE WELT
III CARLOS SAURAS CARMEN: DIE STARKE FRAU BIS ZUM „TÖDLICHEN FINALE“
1. AUF DER SUCHE NACH CARMEN
2. CARMEN WIRD CARMEN
2.1 DAS LIED DER LIEBE
2.2 DER TANZ DER LIEBE
3. ZWISCHENFAZIT – DIE MACHT DES BLICKS
4. ANTONIO WIRD DON JOSÉ
4.1 DAS SPIEL IM SPIEL
4.2 SIEG VS. UNTERGANG
5. DER RAUM DER PRÄSENTATION
5.1 DIE RÄUMLICHE ABGRENZUNG
5.2 DIE REDUZIERTE ANORDNUNG IM LICHT
5.3 DER REFLEXIVE BLICK DURCH DEN SPIEGEL
6. DER FLAMENCO IN CARMEN
7. CARMEN – DAS KLISCHEE
8. DER FILM IM VERHÄLTNIS ZU SEINEN VORLAGEN
8.1 DER EINGANG DER NOVELLE IN DEN FILM
8.2 DER EINGANG DER OPER IN DEN FILM
9. DIE BEDEUTUNG DES STIERKAMPFS
9.1 FLAMENCO UND DER STIER – DER TANZ DES TODES
9.2 CARMEN UND DER STIER – DAS SPIEL MIT DEM TOD
10. CARMEN IM RAHMEN DES GESAMTWERKS VON CARLOS SAURA UND DARÜBER HINAUS
11. ZEITGENÖSSISCHE REZEPTION UND LESARTEN
FAZIT
1. CARMEN – EINE VON VIELEN FRAUEN
2. SAURAS CARMEN – MEHR ALS NUR EINE WEITERE CARMEN-VERSION
2.1 TRADITIONELLES FRAUENBILD VS. MODERNES ROLLENVERSTÄNDNIS
2.2 KULTURGESCHICHTLICHER FUNDUS VS. FANTASIEPRODUKT
Die Arbeit verfolgt das Ziel, Carlos Sauras Carmen-Verfilmung von 1983 als zentralen Dreh- und Angelpunkt seines filmischen Gesamtwerks einzuordnen und zu analysieren, wobei die deduktiv-analytische Methode genutzt wird, um die Verknüpfung zwischen der persönlichen filmischen Entwicklung Sauras, der Entstehung des Carmen-Mythos und der künstlerischen Bearbeitung des Stoffes durch den Regisseur aufzudecken.
III Carlos Sauras Carmen: Die starke Frau bis zum „tödlichen Finale“
Carlos Sauras Carmen beginnt mit einem high-angle shot von hinten auf eine Gruppe von Tänzerinnen und den Protagonisten des Films, der in seinem Studio die Frauen auf die gleichnamige Titelrolle seines Stücks hin prüft. Wir befinden uns in Antonios Probenräumen, bei denen es sich um ein weiträumiges Tanzstudio handelt. Lange schwarze Vorhänge sowie ein großer Spiegel, der über den gesamten Teil der unteren Wandfläche reicht, bedecken die Wände. Der Regisseur ist auf der Suche nach einer Tänzerin, die seiner Vorstellung von „Carmen“ genau entspricht. Geprägt ist die Vision Antonios von der Bizetschen Musik und der Dichtung, dem Carmen-Portrait von Prosper Mérimée. Die Eingangszene Sauras weltweit erfolgreichstem Film hat die Funktion der Einführung und Präsentation bestimmter Elemente und Merkmale, die Carmen im Ganzen prägen. Die Szene fungiert, in ihrer Positionierung noch vor der Titeleinblende, als eine Art Vorspann und Prolog zum Film.250 Die Kamera ist in dieser ersten Szene zunächst rechts hinter den Tänzerinnen über deren Köpfen postiert. Wir überblicken die ganze Truppe von hinten aus der Vogelperspektive. Die Tänzerinnen bewegen sich von der Bildmitte zur Seite und teilweise über die Ränder des Bildes hinaus. Antonio steht mit dem Rücken zur Spiegelwand, die das Abbild der Gruppe der Tänzerinnen reflektiert. Die Kamera fährt nach vorne und nach unten, kommt allmählich auf die Höhe der Tänzerinnen, holt das Gesicht Antonios durch einen Zoom nah heran und verharrt einen Moment in dieser Nahaufnahme, durch die Antonios intensiver, ernster Blick in Szene gesetzt wird. Ein Blick, dem man im Laufe des Films immer wieder begegnen wird. Antonio ist hiermit als visuelle und narrative Identifikationsfigur eingeführt.
Es erfolgt ein Schnitt, und die Kamera erfasst im Gegenschuss genau in Höhe der Augen Antonios die Tänzerinnen. Während diese auf der Stelle treten, schwenkt die Kamera langsam erst nach links und dann nach rechts. War es zunächst die erhobene, leicht distanzierte Perspektive der Kamera als erzählendes Element, so ist es nun die Perspektive des Choreografen, der der Zuschauer folgt. Dieser mustert die Tänzerinnen eine nach der anderen, wobei er sich kritisch auf Gesicht und Oberkörper der Frauen konzentriert, nicht aber deren Bein- oder Armbewegungen verfolgt. Antonio lässt sich die Frauen vorführen. Er tastet mit angespannten Blick die Reihen ab, wendet sich aber in keinem Fall an eine der Frauen direkt und persönlich, sondern behandelt sie ausschließlich als anonyme Gruppe.
I CARLOS SAURA: DER LANGE WEG BIS ZUM „TOTALEN KINO“: Das erste Kapitel rekonstruiert Sauras Werdegang als Filmemacher, seine ästhetische Entwicklung und die Etablierung seiner thematischen Schwerpunkte unter Berücksichtigung der gesellschaftspolitischen Bedingungen in Spanien.
II CARMEN: DER LANGE WEG BIS ZUM „UNIVERSELLEN MYTHOS“: Dieses Kapitel untersucht die Ursprünge des Carmen-Stoffes in der Novelle Mérimées und der Oper von Bizet und beleuchtet die Spannung zwischen diesen Vorlagen sowie deren Wirkung als universeller Mythos.
III CARLOS SAURAS CARMEN: DIE STARKE FRAU BIS ZUM „TÖDLICHEN FINALE“: Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse von Sauras Carmen-Verfilmung, wobei die tänzerische und musikalische Inszenierung sowie die reflexive Auseinandersetzung mit dem Stoff als Gesamtkunstwerk im Zentrum stehen.
Carlos Saura, Carmen, Flamenco, Filmästhetik, Mythos, Geschlechterrollen, Körperlichkeit, Tanzfilm, Gesamtkunstwerk, Antonio Gades, Zensur, Patriarchat, Fiktion, Realität, Spiegelung.
Die Magister-Hausarbeit beschäftigt sich mit der Carmen-Verfilmung des spanischen Regisseurs Carlos Saura aus dem Jahr 1983 und setzt diese in den Kontext seines filmischen Gesamtwerks.
Im Zentrum stehen die Entwicklung von Sauras Filmsprache, die Verbindung von Realität und Fiktion, die Rolle des Flamenco, die Darstellung von Geschlechterbeziehungen und die kritische Auseinandersetzung mit kulturellen Mythen.
Die Arbeit analysiert, wie Saura den Carmen-Stoff als Teil seiner künstlerischen Evolution "ergreifen" musste und wie er diesen in eine zeitgenössische, spezifisch spanische Form überführt.
Die Arbeit folgt dem Prinzip der deduktiv-analytischen Methode, um sich der Komplexität des Stoffs durch filmische Analyse und kulturgeschichtliche Einordnung zu nähern.
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse von Sauras Version der Carmen-Geschichte, die Rolle der Spiegelung, die Bedeutung des Flamenco als Ausdrucksform sowie die Reflexion der Entstehungsprozesse im Film.
Neben dem Namen des Regisseurs und des Films sind die Begriffe Flamenco, Identitätssuche, Patriarchat, filmische Reflexivität und das Konzept des "totalen Kinos" von zentraler Bedeutung.
Saura nutzt sowohl die Novelle von Prosper Mérimée als auch die Oper von Georges Bizet, zitiert diese jedoch selektiv und bettet sie in eine Rahmenhandlung ein, die den Prozess der künstlerischen Arbeit selbst zum Thema macht.
Der Spiegel dient bei Saura nicht nur zur praktischen Raumvergrößerung, sondern fungiert als Reflexionsfläche für die Identität der Charaktere und als Instrument, das die Grenzen zwischen Realität, Traum und Inszenierung verwischt.
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