Fachbuch, 2018
68 Seiten
Einleitung
Teil 1: Klassische Bindungsforschung
1 Historische Ursprünge der Bindungstheorie
1.1 Die Psychoanalyse Sigmund Freuds
1.2 Die Hospitalismusforschung von René Spitz
1.3 Harry Harlows Experimente mit Rhesusaffen
2 Die Bindungstheorie
2.1 Biographie John Bowlbys
2.2 Grundlagen der Bindungstheorie
2.3 Mary Ainsworth und die Messung der Bindungsqualität
Teil 2: Weiterentwicklung der Bindungsforschung
3 Neurobiologische Erkenntnisse
3.1 Frühe negative Lernerfahrungen und die Auswirkungen auf das sich entwickelnde Gehirn
3.2 Tierexperimentelle Forschung
4 Bindungen im Lebenslauf
4.1 Bindung im Kindesalter
4.2 Bindung im Jugendalter
4.3 Bindung im Erwachsenenalter
4.4 Weitergabe von Bindungsmustern über Generationen
4.5 Stabilität und Instabilität von Bindungsmustern
4.6 Die Bedeutung früher Bindungserfahrungen für die weitere Entwicklung
Teil 3: Folgen von Misshandlungserfahrungen - Präventive Interventionsmöglichkeiten
5 Kindesmisshandlung und die Bedeutung für die weitere soziale Entwicklung
5.1 Definitionen und Häufigkeit von Kindesmisshandlung
5.2 Folgen für die weitere Entwicklung misshandelter Kinder
5.3 Theoretische Erklärungsansätze zum Zusammenhang von Misshandlungserfahrungen und späteren Verhaltensproblemen
5.4 Zur These der Weitergabe von Misshandlung
6 Präventive Interventionsmöglichkeiten
6.1 Das STEEP-Programm
6.2 Erste Umsetzung und Evaluation des STEEP-Programms
Zusammenfassung und Ausblick
Die Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung früher Bindungserfahrungen für die psychische und soziale Entwicklung eines Menschen. Dabei wird analysiert, wie Bindungsmuster entstehen, sich über den Lebenslauf verändern und welche Rolle sie bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben spielen, wobei ein besonderer Fokus auf den Folgen von Kindesmisshandlung und präventiven Interventionsansätzen liegt.
2.3.1 Der Fremde-Situations-Test
Die Fremde Situation, welche als Labortest in einer für das Kind fremden Umgebung stattfindet, besteht aus mehreren bindungsrelevanten Situationen, die beobachtet, aufgezeichnet und anschließend ausgewertet werden (Hopf 2005).
Zunächst befinden sich die Mutter und das Kind allein in einem Raum, der mit einer versteckten Kamera ausgestattet ist, in dem zwei Stühle stehen und Spielzeug bereitgestellt ist. Das Kind hat jetzt die Möglichkeit sich mit dem Spielzeug zu beschäftigen, während die Mutter auf einem Stuhl sitzt (Dornes 2007). Hier wird zum einen das Explorationsverhalten des Kindes sichtbar und zum anderen zeigt sich auch, in wieweit das Kind die Mutter als sichere Basis nutzen kann (Ainsworth 1985). Nach wenigen Minuten betritt eine fremde Person den Raum, setzt sich, beginnt zuerst mit der Mutter ein Gespräch und wendet sich anschließend an das Kind. Nun verlässt die Mutter in einer ersten Trennungssituation den Raum, während die Fremde weiterhin versucht sich mit dem Kind zu beschäftigen bzw. es zu trösten. Nach etwa drei Minuten kehrt die Mutter zurück und die Fremde verlässt den Raum. Die Mutter bleibt zunächst in der Tür stehen und gibt ihrem Kind die Möglichkeit sich ihr zu nähern. Jetzt kann die Reaktion des Kindes auf das Wiedersehen mit der Mutter beobachtet werden. Nach wenigen Minuten verlässt die Mutter ihr Kind erneut und kurze Zeit später betritt die Fremde den Raum und versucht das Kind zu beruhigen oder mit ihm zu spielen. Nach einer kurzen Zeit kommt die Mutter zurück und die Fremde geht (Siegler/DeLoache/Eisenberg 2011, Dornes 2007). „Die Reaktion des Kindes auf die Wiederkehr der Mutter […] wird als maßgeblicher Indikator für Bindungsqualität betrachtet“ (Dornes 2007, S. 50). Die unterschiedlichen Qualitäten von Bindungen sollen nun vorgestellt werden.
1 Historische Ursprünge der Bindungstheorie: Dieses Kapitel erläutert die Wurzeln der Bindungstheorie durch die Psychoanalyse Freuds, die Hospitalismusforschung Spitz' und die Affenstudien Harlows.
2 Die Bindungstheorie: Hier werden das Lebenswerk von John Bowlby und die empirische Messung der Bindungsqualität durch Mary Ainsworth detailliert dargelegt.
3 Neurobiologische Erkenntnisse: Das Kapitel verknüpft Bindungserfahrungen mit der hirnorganischen Entwicklung und zeigt die verheerenden Folgen frühkindlicher Deprivation auf.
4 Bindungen im Lebenslauf: Die Entwicklung von Bindungsmustern über Kindheit, Jugend bis ins Erwachsenenalter wird analysiert, inklusive der transgenerationalen Weitergabe.
5 Kindesmisshandlung und die Bedeutung für die weitere soziale Entwicklung: Es werden die verschiedenen Formen von Misshandlung definiert und deren Auswirkungen auf die soziale und kognitive Entwicklung der betroffenen Kinder aufgezeigt.
6 Präventive Interventionsmöglichkeiten: Dieses Kapitel stellt das STEEP-Programm vor, das darauf abzielt, durch Förderung der elterlichen Feinfühligkeit bei Hoch-Risiko-Familien eine sichere Bindung zu etablieren.
Bindungstheorie, John Bowlby, Mary Ainsworth, Fremde Situation, Feinfühligkeit, Bindungsmuster, Neurobiologie, Kindesmisshandlung, Entwicklung, Resilienz, Prävention, STEEP-Programm, psychische Gesundheit, Trauma, Sozialverhalten.
Die Arbeit befasst sich mit den psychologischen Grundlagen der Bindungsforschung, deren Entwicklung von den klassischen Anfängen bis zu modernen neurobiologischen Erkenntnissen sowie den langfristigen Konsequenzen für die Persönlichkeitsentwicklung.
Die zentralen Felder sind die klassische Bindungstheorie, die Stabilität und Weitergabe von Bindungsmustern über Generationen, die Auswirkungen von Misshandlungserfahrungen und die präventiven Möglichkeiten durch bindungstheoretisch fundierte Interventionsprogramme.
Ziel ist es, den Einfluss früher Bindungserfahrungen auf die weitere Entwicklung eines Menschen zu beleuchten und Wege aufzuzeigen, wie Kinder aus Risikofamilien durch gezielte Förderung und Interventionsansätze unterstützt werden können.
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse klinischer Studien, Längsschnittuntersuchungen (wie die Minnesota-Studie) und bindungstheoretische Erhebungsinstrumente wie den Fremde-Situations-Test und das Adult Attachment Interview.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Fundamente, die neurobiologischen Zusammenhänge der Gehirnentwicklung, die Bindungsentwicklung im Lebenslauf sowie die spezifische Analyse von Kindesmisshandlung und entsprechenden Interventionsmöglichkeiten.
Die zentralen Begriffe sind Bindungstheorie, Bindungssicherheit, Feinfühligkeit, Bindungsmuster, Misshandlung, Prävention und emotionale Entwicklung.
Das innere Arbeitsmodell ist eine mentale Repräsentation früher Bindungserfahrungen, die ein Kind verinnerlicht. Es dient als Erwartungshorizont für zukünftige zwischenmenschliche Beziehungen und beeinflusst, wie eine Person auf soziale Interaktionen reagiert.
Das STEEP-Programm verdeutlicht den praktischen Nutzen bindungstheoretischen Wissens. Es zielt darauf ab, bei jungen Müttern in Hoch-Risiko-Familien die Feinfühligkeit zu stärken, um eine sichere Eltern-Kind-Bindung zu fördern und somit den Kreislauf intergenerationaler Misshandlung zu durchbrechen.
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