Diplomarbeit, 2004
69 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung
2. Grundlagen der Besteuerung von Kapitalforderungen im Privatvermögen
2.1 Die Trennung von Frucht und Stamm
2.2 Der Begriff der Finanzinnovation
2.3 Einkünfte aus Kapitalvermögen nach § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG
2.3.1 Kapitalforderungen mit zugesagtem Entgelt und zugesagter Kapitalrückzahlung
2.3.2 Kapitalforderungen mit ungewissem Entgelt und zugesagter Kapitalrückzahlung
2.3.3 Kapitalforderungen mit zugesagtem Entgelt und ungewisser Kapitalrückzahlung
2.3.4 Irrelevanz der Bezeichnung und zivilrechtlichen Gestaltung für die steuerliche Beurteilung
2.4 Einkünfte aus Kapitalvermögen bei Übertragungsgeschäften nach § 20 Abs. 2 Nr. 4 EStG
2.4.1 Das Kriterium der Emissionsrendite
2.4.1.1 Auf- und abgezinste Kapitalforderungen
2.4.1.2 Abgetrennte Kapital- und Zinsforderungen
2.4.1.3 Kapitalforderungen ohne Stückzinsberechnung
2.4.1.4 Kapitalforderungen mit Erträgen in unterschiedlicher Höhe oder für unterschiedlich lange Zeiträume
2.4.2 Steuerliche Behandlung von Kapitalforderungen ohne Emissionsrendite mit Kapitalerträgen in ungewisser Höhe
2.4.2.1 Floating Rate Notes
2.4.2.2 Hochzins- und Umtauschanleihen
2.4.3 Das Verhältnis zwischen § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG und § 20 Abs. 2 EStG
3. Die Besteuerung von Zertifikaten
3.1 Funktionsweise und Merkmale von Zertifikaten
3.2 Ausgewählte Zertifikate-Modelle
3.2.1 Garantie-Zertifikate
3.2.1.1 Beschreibung
3.2.1.2 Besteuerung
3.2.2 Nichtgarantie-Zertifikate
3.2.2.1 Beschreibung
3.2.2.2 Besteuerung
3.2.3 Lock-in-Zertifikat von Goldman Sachs
3.2.3.1 Beschreibung
3.2.3.2 Besteuerung
3.3 Ökonomischer sowie einkommensteuerrechtlicher Vergleich mit konventionellen Kapitalanlagen
4. Thesenförmige Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht, ob durch die Emission von Zertifikaten eine Finanzinnovation geschaffen wurde, die eine Verlagerung von Zinseinkünften auf die steuerlich irrelevante Vermögensebene ermöglicht. Das Ziel ist es, zu analysieren, ob Anleger hierdurch ihre Steuerbelastung reduzieren und Emittenten ihre Kapitalkosten senken können.
2.1 Die Trennung von Frucht und Stamm
Der Einkommensteuer unterliegen ausschließlich die in § 2 Abs. 1 EStG genannten Einkünfte. Das deutsche Einkommensteuerrecht ist dabei geprägt durch den sog. Einkünftedualismus. So ist neben dem für betriebliche Einkünfte geltenden Prinzip der Reinvermögenszugangstheorie für den Bereich der privaten Einkünfte die Quellentheorie maßgeblich. Bei der Quellentheorie handelt sich um eines der Grundprinzipien des deutschen Einkommensteuerrechts. Da sie die Basis für die vorliegende Arbeit darstellt, erfolgt hier eine kurze Erläuterung.
Einkommen resultiert entsprechend quellentheoretischer Überlegungen demnach nur aus eindeutig identifizierten und dauerhaft vorhandenen Einkommensquellen und wird als Zufluss von Geld- oder Gütereinheiten aus diesen stetig bzw. regelmäßig fließenden Quellen verstanden. Dieser Theorie entsprechend gehören lediglich die „laufenden Einkünfte“, im Rahmen der Quellentheorie auch als Früchte bezeichnet, nicht aber der ihrer Erzielung dienende Vermögensstamm (Quellvermögen) zur grundsätzlich steuerbaren Einkommenssphäre. Wertsteigerungen sowie Substanz- oder Wertverluste des Vermögensstamms sind somit von der Steuerbarkeit ausgeklammert. Als Gründe hierfür werden der fehlende Entgeltcharakter von Wertsteigerungen, die geringe Bedeutung von Vermögensstammänderungen und das unregelmäßige Auftreten angeführt.
An diesem Grundsatz der Trennung von Frucht und Stamm orientieren sich die Überschusseinkünfte. Diesen sind auch die nachfolgend zu untersuchenden Einkünfte aus Kapitalvermögen gem. § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 i.V.m. § 2 Abs. 2 Nr. 2 EStG zuzurechnen. Für die Kapitaleinkünfte ist dabei eine Unterscheidung zwischen der grundsätzlich steuerlich irrelevanten Ebene wie Kapitalanlage, Vermögen oder Stamm einerseits und dem steuerbaren Bereich des (Kapital-) Ertrags bzw. der Frucht andererseits erforderlich.
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die steuerliche Problemstellung bei Finanzinnovationen ein und erläutert den Aufbau der Untersuchung.
2. Grundlagen der Besteuerung von Kapitalforderungen im Privatvermögen: Hier werden die einkommensteuerrechtlichen Prinzipien wie die Trennung von Frucht und Stamm sowie die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Kapitalerträge (§ 20 EStG) dargelegt.
3. Die Besteuerung von Zertifikaten: Dieses Hauptkapitel analysiert die Struktur und steuerliche Behandlung verschiedener Zertifikate-Modelle und vergleicht diese mit konventionellen Anlagen.
4. Thesenförmige Zusammenfassung: Die zentralen Untersuchungsergebnisse werden hier in prägnanten Thesen zusammengefasst.
Zertifikate, Finanzinnovation, Einkommensteuergesetz, Kapitalforderungen, Emissionsrendite, Marktrendite, Kapitalertrag, Quellentheorie, Steuervermeidung, Schuldverschreibungen, Garantie-Zertifikate, Nichtgarantie-Zertifikate, Lock-in-Zertifikate, Besteuerung, Nachsteuerrendite.
Die Arbeit untersucht, wie Zertifikate eingesetzt werden, um steuerpflichtige Zinseinkünfte durch Verlagerung auf die Vermögensebene in steuerfreie oder steuerbegünstigte Erträge umzuwandeln.
Schwerpunkte sind die einkommensteuerliche Einordnung von Finanzinnovationen, die Auslegung von § 20 EStG sowie die steuerliche Strukturierung von derivativen Finanzprodukten.
Die Forschungsfrage ist, ob Zertifikate für Anleger und Emittenten steuerliche Optimierungsvorteile bieten, die über klassische Kapitalanlagen hinausgehen.
Die Arbeit nutzt eine steuerrechtliche Analyse der Gesetzeslage und der Verwaltungsauffassung sowie ökonomische Vergleichsrechnungen für die Strukturierung von Finanzinstrumenten.
Im Hauptteil werden die Besteuerungsgrundlagen von Kapitalforderungen sowie die spezifische steuerliche Behandlung ausgewählter Zertifikate-Modelle, wie Garantie- und Lock-in-Zertifikate, analysiert.
Zertifikate, Finanzinnovation, Kapitalforderungen, Emissionsrendite, Kapitalertrag und Steuervermeidung sind die zentralen Begriffe.
Garantie-Zertifikate werden aufgrund der zugesagten Kapitalrückzahlung als Kapitalforderungen nach § 20 EStG eingestuft und unterliegen der Besteuerung, während Nichtgarantie-Zertifikate oft außerhalb dieses Tatbestandes stehen.
Die Wahl der Methode entscheidet darüber, ob und in welcher Höhe Kapitalerträge aus Übertragungsgeschäften der Besteuerung unterliegen, wobei die Marktrendite eine Durchbrechung der reinen Quellentheorie darstellen kann.
Lock-in-Zertifikate dienen als Beispiel für Produkte, bei denen eine nachträgliche Zinssicherung erfolgt, was die steuerliche Einordnung als "Finanzinnovation" besonders komplex macht.
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