Masterarbeit, 2015
95 Seiten, Note: 1
Prolog: Der Körper als Nullpunkt von Wissenschaft und Kunst
Theoretische und thematische Rahmung
Theoretischer Rahmen
Blick, Wissen und Macht bei Michel Foucault
Aufführung und Performativität bei Erika Fischer-Lichte
Der dienstbare Leichnam
Eine genealogische Einordnung
Fakten und Fiktionen in der seriellen Leichenschau
Eingriff – Einblick – Einsicht
Die neue (Un-)Sichtbarkeit des Körpers
Der tote Körper als corpus delicti in doppelter Funktion
Entdecker, Ermittler, Künstler: Der moderne Wissenschaftler als uomo universale
Der Zuschauer zwischen wissenschaftlicher Neugier und voyeuristischer Faszination
Epilog: (Tote) Körper zwischen diskursiver Wissensproduktion und Inszenierung
Die Arbeit untersucht die mediale Inszenierung des toten Körpers im Vergleich zwischen dem historischen Theatrum Anatomicum der Renaissance und der modernen Krimiserie CSI: Crime Scene Investigation. Ziel ist es, die Transformation des Körpers vom wissenschaftlichen Wissensdispositiv zum visuell-ästhetischen Spektakel im Spannungsfeld zwischen Erkenntnisinteresse und voyeuristischer Faszination aufzuzeigen und die These zu belegen, dass heutige Crime-Serien als anatomische Theater der Gegenwart fungieren.
Die neue (Un-)Sichtbarkeit des Körpers
Die anatomische Tradition ist seit jeher an eine visuell orientierte Konzeption der Wissensproduktion gebunden. Dies ist darauf zurückzuführen, dass das Sehen als ein spezifisch kognitiver Vorgang in der Wissensrezeption aufgefasst wird, da der Blick einen direkten Bezug zu einem Gegenstand herstellt und auf diese Weise einen Anspruch auf Sachlichkeit und Authentizität vermittelt. Die Auffassung dessen, was authentisch ist, ist eng mit dem Konzept der Wahrheit verbunden, denn Wahrheit entspringt jenen Gegenständen und Sachverhalten, deren Glaubwürdigkeit gewährleistet ist. Diese Gewährleistung ist an die Herstellung von Evidenz gekoppelt, denn Sichtbarkeit ist per se ein Ort, wo Evidenz angesiedelt werden kann.
Das Sichtbarkeits-Postulat ist ein Merkmal der sich neu konstituierenden Naturwissenschaften in der Renaissance und frühen Neuzeit und die entstehenden Wissenssysteme weisen eine Prävalenz für die Visualisierung von Erkenntnis und Wissensproduktion auf. Der Körper als Gegenstand der Erkenntnis wird zu Beginn der Renaissance als ein Mikrokosmos verstanden, welcher den göttlichen Makrokosmos abbildet. Das vorherrschende Wissen über den Körper in dieser Zeit ist dementsprechend geprägt von der Vorstellung des göttlich geschaffenen Körpers und, in Ergänzung dazu, von den physiologischen Beschreibungen der antiken Gelehrten wie Galenos, Aristoteles oder Hypokrates.
Prolog: Der Körper als Nullpunkt von Wissenschaft und Kunst: Einleitung in die Thematik der öffentlichen Leichenschau und die Verschiebung des Körperbildes im historischen Kontext.
Theoretische und thematische Rahmung: Definition des kulturanalytischen Ansatzes sowie Einführung der theoretischen Pfeiler Michel Foucault und Erika Fischer-Lichte.
Eingriff – Einblick – Einsicht: Hauptteil der Arbeit, welcher die Trias aus Körper, Wissenschaftler und Zuschauer im Theatrum Anatomicum und in CSI vergleicht und analysiert.
Epilog: (Tote) Körper zwischen diskursiver Wissensproduktion und Inszenierung: Zusammenfassung der Ergebnisse und Reflexion über die Kontinuität der Anatomie als "Theater der Wissenschaft" im 21. Jahrhundert.
Kulturanalyse, Theatrum Anatomicum, CSI, Leichnam, Wissensproduktion, Anatomie, Medialität, Performativität, Körperbild, Forensik, Sichtbarkeit, Inszenierung, Erkenntnis, Zuschauer, Machtbeziehungen.
Es geht um die kulturwissenschaftliche Untersuchung der Inszenierung des toten Körpers in der Anatomiegeschichte und in populären modernen Krimiserien.
Die Themen umfassen die Geschichte der Anatomie, die Wissenssoziologie von Michel Foucault, die Theaterwissenschaft der Performativität und die Medienanalyse von forensischen Krimiformaten.
Das Ziel ist aufzuzeigen, dass moderne CSI-Serien als anatomische Theater fungieren, die ein spezifisches Bedürfnis nach wissenschaftlicher Evidenz und gleichzeitigem visuellem Spektakel befriedigen.
Die Autorin wendet einen kulturanalytischen Ansatz an, der medienwissenschaftliche Analysen mit diskurstheoretischen und theaterwissenschaftlichen Konzepten verknüpft.
Der Hauptteil "Eingriff – Einblick – Einsicht" untersucht die Rolle des Blicks, die Transformation des Körpers zum Wissensdispositiv und die Inszenierung der Wissenschaftler in beiden historischen Kontexten.
Die wichtigsten Schlüsselbegriffe sind Kulturanalyse, Sichtbarkeits-Postulat, Performativität, Wissensdispositiv und anatomisches Theater.
Durch den sogenannten "CSI-Effect" werden unrealistische Erwartungen an die forensische Beweisführung und die Schnelligkeit der wissenschaftlichen Analyse geschürt, was in der Realität zu Problemen in der juristischen Praxis führen kann.
Die Kamera, besonders in Form der CGI-basierten "CSI-shots", wird als Instrument analysiert, das den Zuschauer zum "unsichtbaren Anwesenden" macht und eine neue, hypervisuelle Form der Augenzeugenschaft ermöglicht.
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