Fachbuch, 2018
74 Seiten
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
1 Vorwort, Fragestellung und Begrifflichkeiten
2 Verortung der Sonderbauten im nationalsozialistischen Weltbild
2.1 Das NS-Frauenbild und die nationalsozialistische Sexual- und Körperpolitik
2.2 Prostitutionspolitik im Nationalsozialismus
2.3 Sexualität im Gewaltkosmos Konzentrationslager
3 Der Sonderbau
3.1 Prämienverordnung und Motivation der SS
3.2 Bildung und Struktur der KL-Bordelle
4 Die „Bordellinsassinnen“
4.1 Herkunft und soziale Verortung der Frauen: Was ist „asozial“?
4.2 Hierarchie der Lagergesellschaft
4.3 Selektion und Rekrutierung der Frauen und der Mythos der „freiwilligen Meldung“
5 Leben im Sonderbau
5.1 Alltag im Bordell und Bordellbetrieb
5.2 Der Bordellbesuch
5.3 Bewältigungsstrategien und Lebensbedingungen im Sonderbau
5.4 Menschenversuche
6 Die Freier
6.1 Motivation der Häftlingsfreier
6.2 Sichtweisen der Häftlingsfreier auf die Zwangsprostituierten und das Lagerbordell
7 Der Umgang mit den Frauen und dem Thema nach 1945
8 Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht die Geschichte der staatlich errichteten Häftlingsbordelle in nationalsozialistischen Konzentrationslagern. Das Ziel ist es, die Motive für die Errichtung dieser Institutionen, die Rekrutierung und Lebensbedingungen der Zwangsprostituierten sowie die Motivation der Häftlingsfreier im Kontext nationalsozialistischer Ideologie und Gewaltstrukturen zu beleuchten und zudem die fortdauernde Stigmatisierung der betroffenen Frauen nach 1945 kritisch zu hinterfragen.
3.2 Bildung und Struktur der KL-Bordelle
Mit der Bildung von Bordellen für SS, Waffen-SS, Polizei in den besetzten Gebieten, für Wachmänner und Zwangsarbeiter machte „das totalitäre Regime in Deutschland den Anspruch auf eine totale Kontrolle des Menschen deutlich. Bordelle wurden damit zu einer biopolitischen Institution (…), denn sie waren zugleich Regulatoren der Rassenpolitik, Instrumente einer gesundheitstechnischen Kontrolle und Organe der Eliminierung der Privatsphäre. Durch die Förderung und Kontrolle der Prostitution weitete die totalitäre Biomacht ihre Autorität auf die Überwachung der menschlichen Sexualität aus.“36
Der Errichtung der Häftlingsbordelle in Mauthausen und Gusen, Flossenburg, Buchenwald, Auschwitz, Dachau, Neuengamme, Sachenhausen und Mittelbau-Dora lagen zudem noch ökonomische Bestrebungen zugrunde. Das erste KL-Bordell wurde im Juni 1942 im KL Mauthausen eröffnet, im Außenlager Gusen nur knapp zwei Monate später das nächste; es folgten Bordelle in Auschwitz und Buchenwald. Waren die Sonderbauten in Mauthausen, Gusen und Auschwitz noch in direkter Nähe zu Lagertor oder Appellplatz gebaut wurden, errichtete man das Bordell in Buchenwald in einem abgelegenen Winkel des KL. Grund dafür war ein Schreiben des SS-Obersturmbannführers Arthur Liebehenschel vom WVHA, in welchem er den Kommandanten vierer KL erklärt, ihm sei „bei der Besichtigung bereits fertiggestellter Sonderbauten aufgefallen, daß diese nicht besonders günstig liegen. Der Hauptamtschef hat angeordnet, daß bei der Errichtung weiterer Sonderbauten darauf zu achten ist, daß diese ihrer Zweckbestimmung gemäß etwas abseits liegen und nicht von allen möglichen Leuten begafft werden können.“37
1 Vorwort, Fragestellung und Begrifflichkeiten: Einführung in die Thematik der KL-Bordelle, Klärung der Forschungsfragen sowie definitorische Eingrenzung der verwendeten Begriffe im historischen Kontext.
2 Verortung der Sonderbauten im nationalsozialistischen Weltbild: Analyse der nationalsozialistischen Frauen-, Körper- und Prostitutionspolitik sowie der Rolle von Sexualität als Herrschaftsinstrument.
3 Der Sonderbau: Untersuchung der offiziellen Motivation der SS zur Errichtung der Bordelle als Leistungsanreiz sowie der baulichen Struktur und Zweckbestimmung.
4 Die „Bordellinsassinnen“: Darstellung der Stigmatisierung und Rekrutierung der als „asozial“ klassifizierten Frauen, inklusive der Lagerhierarchie.
5 Leben im Sonderbau: Detaillierte Schilderung des Bordellalltags, der Zwangssituation der Frauen, der Überlebensstrategien sowie der Ausbeutung durch medizinische Versuche.
6 Die Freier: Analyse der Motive der Häftlingsfreier für den Bordellbesuch sowie der unterschiedlichen Sichtweisen der Lagergesellschaft auf die Bordelle.
7 Der Umgang mit den Frauen und dem Thema nach 1945: Betrachtung der fortgesetzten Stigmatisierung und der jahrzehntelangen gesellschaftlichen Tabuisierung dieser Opfergruppe nach Kriegsende.
8 Resümee: Zusammenfassende Einordnung der Häftlingsbordelle als Instrument der totalitären Kontrolle und sexualisierten Gewalt im nationalsozialistischen Gewaltsystem.
Konzentrationslager, Nationalsozialismus, Zwangsprostitution, Sonderbau, Häftlingsbordell, Asoziale, Rassenpolitik, sexuelle Gewalt, Ausbeutung, SS, Leistungssteigerung, Lagergesellschaft, Stigmatisierung, Opferdiskurs, Menschenversuche.
Die Arbeit untersucht die Geschichte der staatlich organisierten Zwangsprostitution in nationalsozialistischen Konzentrationslagern, ein Thema, das lange Zeit tabuisiert wurde.
Schwerpunkte sind die nationalsozialistische Sexual- und Bevölkerungspolitik, die Lebensumstände der Zwangsprostituierten, die Motivation der SS und der Freier sowie der Umgang mit den Betroffenen nach 1945.
Ziel ist es, die Mechanismen der sexuellen Ausbeutung aufzuzeigen, die Instrumentalisierung der Frauen im Lagerkontext zu dekonstruieren und die späte Anerkennung ihres Leids zu analysieren.
Die Autorin stützt sich auf eine tiefgehende Analyse von Archivquellen, insbesondere aus der KZ-Gedenkstätte Dachau, sowie auf eine Auswertung aktueller wissenschaftlicher Forschungsliteratur.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des „Sonderbaus“ als Institution, die soziale Verortung der Zwangsprostituierten, ihren Alltag unter Zwang und die verschiedenen Motivationen der Freier innerhalb der Lagerhierarchie.
Wichtige Begriffe sind Konzentrationslager, Zwangsprostitution, „Sonderbau“, NS-Ideologie, sexuelle Gewalt und die Tabuisierung nach 1945.
Der Begriff bezeichnete Gebäude, deren Existenz tabuisiert werden sollte, wie Krematorien oder Bordelle; er diente der administrativen Tarnung und der bewussten Isolierung dieser Orte.
Die Frauen blieben lange Zeit von einer Anerkennung als Opfer ausgeschlossen, da sie oft als „Asoziale“ stigmatisiert wurden, was Wiedergutmachungsansprüche verhinderte und ihr Leid gesellschaftlich negierte.
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