Diplomarbeit, 2005
83 Seiten, Note: 1
1 Einleitung
2 Das Phänomen Jugendkriminalität
2.1 Was ist Kriminalität?
2.2 Was ist Jugendkriminalität?
2.3 Definition des Begriffs „Jugend“
2.3.1 Welche Altersgruppe umschreibt der Begriff Jugend?
2.3.2 Adoleszenz
2.4 Deliktarten, Alter, Geschlecht und Ausländeranteil
2.4.1 Tatverdächtige der Altersgruppen bei Straftaten insgesamt:
2.4.2 Geschlecht
2.4.3 Ausländeranteil
2.5 Deliktarten
2.6 Sanktionen im Jugendstrafrecht
2.6.1 Erziehungsmaßregeln
2.6.2 Zuchtmittel
2.6.3 Jugendstrafe
2.7 Besonderheiten der Jugendkriminalität
2.8 Ursachen für die Entstehung von Jugendkriminalität
3 Kriminalitätstheorien
3.1 Einleitung
3.2 Klassifikation der theoretischen Ansätze zur Entstehung abweichenden Verhaltens
3.3 Auswahl unterschiedlicher Ansätze zur Entstehung von Kriminalität
3.3.1 Ätiologische Ansätze
3.3.2 Die klassische Schule
3.3.3 Sozialstrukturelle Ansätze
3.3.4 Interaktionistische Ansätze
3.4 Inhaltliche Darstellung ausgewählter Theorien zur Entstehung von Kriminalität
3.4.1 Psychoanalytische Kriminalitätstheorie
3.4.2 Sozialisationstheorie
3.4.3 Lerntheorie/Theorie des differentiellen Lernens
3.4.4 Anomie - Theorie
3.4.5 Labeling Approach / Etikettierungsansatz
3.4.6 Das „Teufelskreis-Modell“ von Quensel
4 Jugendstrafvollzug
4.1 Einleitung
4.2 Der Vollzug der Jugendstrafe
4.3 Allgemeines zur Jugendstrafe
4.4 Komponenten eines Jugendstrafvollzugsgesetzes
4.4.1 Gesetzesziel/Vollzugsziel
4.4.2 Inhaftierung
4.4.3 Vollzugsplan/Erziehungsplan/Förderplan
4.4.4 Zielgerichtete Betreuung
4.4.5 Dienste
4.4.6 Entlassungsvorbereitung/Wiedereingliederung
4.4.7 Personal
4.4.8 Mitarbeit des Jugendlichen
4.4.9 Freizeitangebot
4.4.10 Kleidung
4.4.11 Unterbringung
5 Strafen, Erziehen, Resozialisieren?
5.1 Was bedeutet„Erziehung“?
5.1.1 Zur Begrifflichkeit der Erziehung im Jugendstrafvollzug
5.1.2 Die Problematik der Erziehung im Jugendstrafvollzug
5.2 Resozialisierung in oder durch den Jugendstrafvollzug ?
5.2.1 Zur Begrifflichkeit
5.2.2 Berücksichtigung von Erkenntnissen aus Kriminalitätstheorien im Jugendstrafvollzug?
6 Resümee und Ausblick
Diese Arbeit untersucht die Ursachen und Besonderheiten der Jugendkriminalität sowie deren Auswirkungen auf den aktuellen Jugendstrafvollzug, mit dem Ziel, pädagogisch effiziente Konzepte für ein eigenständiges Jugendstrafvollzugsgesetz abzuleiten.
3.4.1 Psychoanalytische Kriminalitätstheorie
Um die Kriminalitätsentwicklung aus psychoanalytischer Sicht zu beschreiben, bedarf es eines Grundwissens der Psychoanalyse nach Freud und damit über die Bedeutung und die Entstehung von ES, ICH und ÜBER-ICH.
Ein wichtiger Bestandteil der psychoanalytischen Kriminalitätstheorie ist die Annahme, dass Kriminalität ein Symptom für tiefer liegende seelische und charakterliche Störungen ist, die in der frühen Kindheit durch instabile Beziehungen und emotionale Mangelzustände erworben wurden. Die Grundlegung der Charakterstruktur, die Ausbildung des Gewissens, des ÜBER-ICHs, und einer starken ICH-Instanz, die gegenüber dem ES die Triebe und Bedürfnisse realitätsangemessen kanalisiert, entwickeln sich in der Kindheit und behindern bei Vernachlässigung oder gar Ablehnung durch die Bezugsperson die Entwicklung eines Urvertrauens (SPITZ 1967) im Sinne einer angstfreien, entspannten Grundstimmung, die eine wesentliche Basis für eine spätere störungsfreie oder störungsarme Entwicklung ist. So können z.B. depressionsähnliche Erkrankungen, schon von Kleinstkindern, die Folgen solcher Störungen und instabiler Zuwendungen sein. Der emotionale Bezugsmangel und eine gestörte Mutterbeziehung in den ersten Lebensjahren können laut BOWLBY (1951) im Extremfall strukturelle Verwahrlosung und die psychopatische Entwicklung eines Menschen fördern. Die Entbehrung der ersten Bezugsperson, vorab der Mutter, in den ersten Lebensjahren kann ihm zufolge eine einzelgängerische, asoziale Entwicklung zur Folge haben, während z.B. Kontaktbrüche, also ein Wechsel der Bezugsperson, ambivalente und antisoziale Haltungen bedingen können.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die gesellschaftliche Wahrnehmung von Jugendkriminalität und umreißt den Fokus der Arbeit auf die Ursachenforschung sowie die pädagogische Ausgestaltung des Jugendstrafvollzugs.
2 Das Phänomen Jugendkriminalität: Dieses Kapitel definiert Jugendkriminalität, beleuchtet statistische Merkmale wie Deliktarten und Geschlechterverteilung und diskutiert das Rechtsfolgensystem des JGG.
3 Kriminalitätstheorien: Hier werden diverse theoretische Ansätze zur Entstehung abweichenden Verhaltens klassifiziert und detailliert dargestellt, von ätiologischen bis hin zu interaktionistischen Modellen.
4 Jugendstrafvollzug: Das Kapitel kritisiert den aktuellen gesetzlichen Zustand des Jugendstrafvollzugs und entwickelt Anforderungen an ein modernes, pädagogisch effizientes Vollzugsgesetz.
5 Strafen, Erziehen, Resozialisieren?: Dieser Teil setzt sich kritisch mit den Grundbegriffen der erzieherischen Arbeit im Vollzug auseinander und prüft die Anwendbarkeit theoretischer Erkenntnisse auf die Praxis.
6 Resümee und Ausblick: Das Fazit fordert eine stärkere Vernetzung aller beteiligten Instanzen und unterstreicht die Notwendigkeit einer ursachenorientierten pädagogischen Arbeit statt bloßer repressiver Maßnahmen.
Jugendkriminalität, Jugendstrafvollzug, Resozialisierung, Sozialisation, Kriminalitätstheorien, pädagogische Ausrichtung, Etikettierungsansatz, Anomietheorie, Strafe, Erziehung, Jugendgerichtsgesetz, Prävention, Devianz, psychische Entwicklung, Inhaftierung.
Die Arbeit analysiert die Ursachen von Jugendkriminalität und untersucht, wie diese Erkenntnisse in einem zeitgemäßen, erzieherisch orientierten Jugendstrafvollzug umgesetzt werden können.
Die Schwerpunkte liegen auf soziologischen und psychologischen Kriminalitätstheorien, dem aktuellen Rechtsrahmen für jugendliche Straftäter sowie der pädagogischen Gestaltung von Vollzugskonzepten.
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen theoretischem Wissen über Entstehungsfaktoren von Kriminalität und der tatsächlichen Vollzugspraxis aufzuzeigen und Ansätze für ein eigenständiges Jugendstrafvollzugsgesetz zu formulieren.
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die verschiedene Ansätze zur Kriminalitätsentstehung gegenüberstellt und auf ihre Anwendbarkeit in der sozialen Arbeit prüft.
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende Darstellung verschiedener Kriminalitätstheorien (z.B. Anomie, Labeling Approach) und eine kritische Auseinandersetzung mit der Erziehungsproblematik im Jugendstrafvollzug.
Kernbegriffe sind Resozialisierung, Sozialisationsbedingungen, Deviantes Verhalten, Erziehungsauftrag und der interaktive Prozess der Stigmatisierung.
Weil der aktuelle Vollzug oft noch auf allgemeinen Strafvollzugsgesetzen für Erwachsene basiert, die dem speziellen Erziehungsauftrag gegenüber Jugendlichen nicht gerecht werden.
Es beschreibt einen 8-Phasen-Verlauf, in dem sich Kriminalität durch fehlgeschlagene pädagogische Interventionen und stigmatisierende Reaktionen der Umwelt wechselseitig hochschaukelt.
Die Familie wird als zentraler Sozialisationsort betrachtet; Defizite in der frühkindlichen Beziehung, instabile Lebensbedingungen und mangelnde Vorbildfunktion werden als wesentliche Faktoren für abweichendes Verhalten identifiziert.
Sanktionen werden kritisch hinterfragt, wobei pädagogische Maßnahmen und eine individuelle Ursachenanalyse gegenüber rein repressiven Freiheitsentzügen bevorzugt werden.
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