Bachelorarbeit, 2016
44 Seiten, Note: 1,0
Geschichte Deutschlands - Erster Weltkrieg, Weimarer Republik
1 Einleitung
2 Voraussetzungen
2.1 Demografische Rahmenbedingungen
2.2 Weimars Unterhaltungskultur und Massenmedien
2.2.1 Berlin als Zentrum der Moderne
2.2.2 Die „neue“ Freizeit
2.2.3 Massenmedien
2.3 Die Frauenbewegung
3 Das neue Frauenbild der zwanziger Jahre
3.1 Zum Begriff der „Neuen Frau“
3.2 Frauenbilder in der Weimarer Republik
4 Vermarktung in der Weimarer Republik
4.1 Neue Marketingstrategien und Massenkonsum
4.2 Frauen in der Werbung
4.3 Trends für die „Neue Frau“
5 Die Realität der deutschen Frauen zum Vergleich
5.1 Auf der Suche nach der äußeren Umsetzung des neuen Frauenbildes
5.1.1 Mode und Frisur
5.1.2 Körperwahn
5.2 Die Lebenswirklichkeit der Frauen in der Weimarer Republik
5.2.1 Frauen und Berufstätigkeit
5.2.2 Frauen im Unterhaltungsbereich
5.2.3 Eheleben
5.2.4 Gesellschaftliche Kontroverse
6 Schlussfolgerung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem medial konstruierten Ideal der „Neuen Frau“ in der Weimarer Republik und der tatsächlichen Lebenswirklichkeit der Frauen in den deutschen Großstädten der Zwischenkriegszeit. Es soll analysiert werden, inwiefern dieses propagierte Frauenbild eine mediale Inszenierung war, die für Frauen in der Realität oft unvereinbare Anforderungen und Konflikte erzeugte.
3.2 Frauenbilder in der Weimarer Republik
In Zeiten der Weimarer Republik liegt der Fokus der Medien und der Vermarkter wie nie zuvor auf eine Inszenierung des Typus Frau. Ins Zentrum der Begierde rückt auf einmal ein neues Frauenbild, dass Modernität, Urbanität und ein neues Selbstbewusstsein ausstrahlt. Wie schon erwähnt, hat die „Neue Frau“ allerdings mehrere Gesichter. Im Laufe der zwanziger Jahre entstehen immer vielseitigere Untertypen, die sich allerdings auch überschneiden und somit nicht direkt voneinander abzugrenzen sind. Neben gesellschaftlichen Kategorisierungen suchten aber auch die Frauen selbst nach Vorbildern und Identifikationsmustern, die ihnen halfen sich in der Gesellschaft einzuordnen. Orientierung gaben dabei die verschiedenen Frauenbilder, die mehr oder weniger aus den amerikanischen und französischen Medien übernommen wurden, und auch hier medial inszeniert und kategorisiert wurden. Die Journalistin Lynne Frame spricht von einem regelrechten „Systematisierungswahn“ in der Weimarer Republik.
„Ohne zu zögern konstruieren Journalisten, Naturwissenschaftler und Sozialwissenschaftler aller Schattierungen menschliche Typen und stellen Prognosen über deren spezifischen gesellschaftlichen Wert.“47 Um einen Überblick über die verschiedenen Frauenbilder in der Weimarer Republik zu verschaffen, sollen im Folgenden die bekanntesten Typen erläutert werden.
Zunächst wäre hier der Typus der „Dame“. Dieses Frauenbild findet man in der Weimarer Republik vor allem in Hochglanzzeitschriften und auf Werbeplakaten für Kosmetikartikel, Schmuck und Parfum. Mit ihrem stolzen, unnahbaren Blick verkörpert sie das ästhetisch reizvolle Luxusgeschöpf. Die Dame ist eine sehr elegant gekleidete Frau mit modernem Kurzhaarschnitt auf dem sie meist eine edle Kappe trägt. Sie ist betont geschminkt, hat einen blutroten Lippenstift aufgelegt und trägt auffallend viel Schmuck an Ohren, Hals, Armen und Händen, sowie den passenden Nagellack. Ihre Kleidung wirkt sehr damenhaft und hochwertig. Meist trägt sie ein edles Hängekleidchen, einen Pelzmantel und hohe Schuhe. Die Dame strahlt vor allem eine Extravaganz an Luxus aus, die sie von all den anderen Typen abheben soll. Sie ist finanziell unabhängig, weiß wer sie ist, und trägt dies stilsicher nach außen. Ihr Leben erscheint einzig der Vergnügung gewidmet zu sein, der reale Alltag wird hier komplett ausgeblendet.
1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage und des Fokus auf die Diskrepanz zwischen medialem Frauenbild und Lebenswirklichkeit in den deutschen Großstädten der Weimarer Republik.
2 Voraussetzungen: Analyse der demografischen Lage, der neuen Unterhaltungskultur, der Massenmedien und der Frauenbewegung als Kontext der Epoche.
3 Das neue Frauenbild der zwanziger Jahre: Erläuterung des Begriffs der „Neuen Frau“ und Vorstellung ikonografischer Frauentypen wie „Dame“, „Vamp“, „Garçonne“, „Girl“ und „Kameradin“.
4 Vermarktung in der Weimarer Republik: Untersuchung der neuen Werbestrategien und wie die „Neue Frau“ als Konsummagnet und Werbeikone eingesetzt wurde.
5 Die Realität der deutschen Frauen zum Vergleich: Detaillierter Vergleich zwischen dem medialen Bild und der Lebenswirklichkeit der Frauen hinsichtlich Mode, Körperwahn, Berufstätigkeit, Ehe und gesellschaftlicher Widerstände.
6 Schlussfolgerung: Fazit zur Rolle der Medien als Konstrukteure eines idealisierten, aber für die Mehrheit unerreichbaren Frauenbildes, das zur Doppelbelastung der Frauen beitrug.
Weimarer Republik, Neue Frau, Frauenbild, Medien, Massenkonsum, Werbung, Emanzipation, Geschlechterrollen, Garçonne, Vamp, Berufstätigkeit, Unterhaltungskultur, Großstadt, Lebenswirklichkeit, Konsum.
Die Arbeit untersucht das Bild der „Neuen Frau“ in der Weimarer Republik und stellt dieses medial propagierte Ideal der Lebenswirklichkeit der Frauen gegenüber.
Zentrale Themen sind die Rolle der Massenmedien und Werbung, die Konstruktion spezifischer Frauentypen sowie die wirtschaftliche und gesellschaftliche Realität berufstätiger und verheirateter Frauen.
Das Ziel ist es herauszufinden, inwiefern sich das in Filmen und Werbung bekannte Bild der „Neuen Frau“ mit dem tatsächlichen Lebensalltag der Frauen in den deutschen Großstädten zwischen 1918 und 1933 deckte.
Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche Analyse und Literaturrecherche, um mediale Diskurse und zeitgenössische Lebenswirklichkeiten vergleichend gegenüberzustellen.
Der Hauptteil analysiert die mediale Inszenierung verschiedener Frauentypen, die Vermarktungsstrategien der Industrie sowie die konkreten Bedingungen von Frauen in Arbeit, Ehe und Gesellschaft.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen: Weimarer Republik, Neue Frau, Konsum, Emanzipation, mediale Konstruktion, Geschlechterrollen und Lebenswirklichkeit.
Die Garçonne verkörperte durch ihre Männerkleidung und das Kurzhaar das Bild einer „jungenhaften“ Frau, die traditionelle Rollenmuster und geschlechtsspezifische Vorurteile provozierend herausforderte.
Die Industrie nutzte die „Neue Frau“ als attraktives Werbegesicht, um Produkte zu verkaufen und Konsumbedürfnisse zu wecken, wobei sie eine moderne Identität versprach, die für viele Frauen finanziell kaum erreichbar war.
Die Ehe bedeutete oft das Ende der beruflichen Unabhängigkeit. Trotz des propagierten Freiheitsgedankens zwangen wirtschaftliche Grenzen und traditionelle Erwartungen viele Frauen zurück in die Rolle der Hausfrau, was zu inneren Konflikten führte.
Die Autorin stellt die These auf, dass die mit der „Neuen Frau“ verbundene innere Unsicherheit und die ambivalente Rolle der Frau einen Nährboden für die nationalsozialistische Propaganda bilden konnten, die eine Rückkehr zur traditionellen Mutterrolle versprach.
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