Bachelorarbeit, 2015
35 Seiten, Note: 1,7
Einleitung
1. Die Definition von Herrschaft
1.1 Die Typen der Herrschaft
1.1.1 Die legale Herrschaft
1.1.2 Die traditionelle Herrschaft
1.1.3 Die charismatische Herrschaft
2. Charismatische Herrschaft anhand von Theorien
2.1 Dialektik zwischen Stigma und Charisma
2.2 Die latente charismatische Situation
2.3 Die manifeste charismatische Situation
2.4 Die sozio-kulturellen Rahmenbedingungen für die Charismazuschreibung
2.5 Die Etablierung einer charismatischen Herrschaft
3. Die Führung eines Volkes aus der Gefängniszelle heraus
3.1 Öcalans Rolle innerhalb des kurdischen Volkes
3.2 Die Differenz der Anhängerschaft Öcalans und die Folgen
3.3 Parallelen zwischen Öcalan und Nelson Mandela
4. Öcalan, ein charismatischer Herrscher?
Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Führung aus der Gefangenschaft am Beispiel von Abdullah Öcalan, wobei der Fokus auf dem soziologischen Konzept der charismatischen Herrschaft nach Max Weber liegt. Es soll analysiert werden, inwiefern Öcalan als charismatischer Herrscher betrachtet werden kann und wo die Grenzen dieses theoretischen Modells im Kontext seiner spezifischen Situation als Gefangener liegen.
3. Die Führung eines Volkes aus der Gefängniszelle heraus
„Als Jesus ans Kreuz genagelt wurde, weinten die Menschen seiner Umgebung lediglich. Beim Tode Mohammeds diskutierte man im Angesicht seines Leichnams drei Tage über die Nachfolge. Als Lenin starb, beging niemand Selbstmord. Aber als ich verhaftet und ausgeliefert wurde, übergaben sich die Kinder, Söhne und Töchter des kurdischen Volkes gleich zu Hunderten lichterloh brennend den Flammen. Was wollten sie damit zum Ausdruck bringen? Wogegen richtete sich die Wut derjenigen, die sich selbst zur Bombe machten und in die Luft sprengten? Welche Realitäten brachten sie dazu, das zu tun? Wenn ich es nicht persönlich verhindert hätte, Tausende wären bereit gewesen.“ (Abdullah Öcalan)
Am 15. Februar 1999 wird Öcalan in Kenia gefasst und in die Türkei verschleppt. Mit seiner Verschleppung entsteht gleichzeitig in Europa eine Kurdenbewegung, dessen Ausmaß man sich nicht bewusst war. Was Ankara als ein Sieg über die kurdische Arbeitspartei arrangierte, hatte in vielen Ländern Europas schwerwiegende Folgen mit sich gebracht. Ob in Kopenhagen oder Zürich, in London oder Den Haag, überall besetzten kurdische Stoßtrupps, griechische Konsulate und Botschaften, verwüsteten türkische Reisebüros, nahmen Geiseln fest und mahnten mit Selbstverbrennung.
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Problemstellung, wie Abdullah Öcalan trotz absoluter Isolationshaft weiterhin Anweisungen erteilen kann, und begründet die Wahl des soziologischen Konzepts der charismatischen Herrschaft.
1. Die Definition von Herrschaft: Dieses Kapitel führt die für die Arbeit notwendigen zentralen Begriffe ein, beginnend mit Webers Herrschaftsdefinition, und erläutert die Typologien legaler, traditionaler und charismatischer Herrschaft.
2. Charismatische Herrschaft anhand von Theorien: Es werden die Strukturmerkmale und Entstehungsbedingungen charismatischer Herrschaft vertieft, wobei insbesondere auf die Dialektik zwischen Charisma und Stigma sowie auf situative Aspekte eingegangen wird.
3. Die Führung eines Volkes aus der Gefängniszelle heraus: Der Fokus liegt auf der praktischen Anwendung der Theorie auf den Fall Öcalan, die Analyse seiner Rolle im kurdischen Volk, die Auswirkungen seiner Inhaftierung sowie einen Vergleich mit Nelson Mandela.
4. Öcalan, ein charismatischer Herrscher?: Im letzten inhaltlichen Kapitel wird kritisch hinterfragt, inwieweit das Modell der charismatischen Herrschaft auf Öcalan übertragbar ist, insbesondere unter Berücksichtigung der Einschränkungen durch seine Gefangenschaft.
Schluss: Die Arbeit resümiert, dass das Konzept der charismatischen Herrschaft zwar komplexe Aspekte beleuchtet, jedoch an die Grenzen stößt, da Öcalan als Gefangener keine legitim geltenden Herrschaftsformen institutionalisieren kann.
Charisma, Herrschaft, Abdullah Öcalan, Max Weber, kurdische Arbeitspartei, Isolationshaft, soziale Beziehung, Stigma, politische Kultur, Führung, Nelson Mandela, Soziologie, Macht, Legitimität, Krise.
Die Bachelorarbeit untersucht das soziologische Phänomen, wie eine in absoluter Isolation inhaftierte Person, Abdullah Öcalan, weiterhin eine führende Rolle für ein gesamtes Volk ausüben kann.
Die zentralen Themenfelder sind die Soziologie der Herrschaft nach Max Weber, die Entstehung charismatischer Bewegungen, die Wechselwirkung von Stigma und Charisma sowie die Rolle politischer Führung in Krisenzeiten.
Das primäre Ziel ist es herauszuarbeiten, inwiefern das webersche Konzept der charismatischen Herrschaft auf die spezifische Machtposition von Abdullah Öcalan anwendbar ist und wo dieses Modell an seine Grenzen stößt.
Die Autorin stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit der soziologischen Literatur zu Herrschaftsformen sowie auf eine Medien- und Quellenanalyse, um die Rolle und Wirkung von Öcalan zu untersuchen.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Charisma-Begriffs, die Analyse von Öcalans Rolle innerhalb des kurdischen Volkes, die psychologischen Aspekte von Angst und Politik sowie einen Vergleich mit der Biografie Nelson Mandelas.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Charismatische Herrschaft, Abdullah Öcalan, Soziologie, Politische Identität, Machtverhältnisse und soziale Gefolgschaft charakterisieren.
Der Vergleich dient dazu, das Phänomen eines aus dem Gefängnis agierenden Anführers in einen historischen Kontext zu rücken und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in der Symbolkraft und der Bedeutung für das jeweilige Volk herauszuarbeiten.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Öcalan zwar eine charismatische Persönlichkeit besitzt, er jedoch als Gefangener keine legitim geltenden Herrschaftsformen im weberschen Sinne schaffen kann, was die volle Anwendung des Modells unmöglich macht.
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