Magisterarbeit, 2010
97 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung: Warum eine Betrachtung des Indien-Bilds lohnt
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Das Indien-Bild in der deutschen Literatur
2.2 Das Konzept des Postkolonialismus
2.3 Der Umgang mit dem Fremden in der Literatur
2.4 Kampfabsage: Ilija Trojanows Kulturbegriff
3. Analyse Der Weltensammler
3.1 Fragestellungen und Vorgehensweise der Analyse
3.2 Indien aus der Sicht der Kolonialherren
3.3 Richard Burtons Perspektive auf Indien
3.3.1 Der erste Kontakt mit dem Fremden
3.3.2 Burtons Annäherung an das Fremde
3.3.3 Der Guru: Erlernen einer neuen Welt
3.3.4 Burton und die indischen Frauen
3.4 Die Stimme der Einheimischen
3.4.1 Burton aus der Sicht der Inder
3.4.2 Die Diversität der indischen Perspektive
3.5 Zusammenfassung und Ergebnisse der Analyse
4. Trojanows persönlicher Blick auf Indien
4.1 Reiseliteratur und Essays
4.2 Analyse Gebrauchsanweisung für Indien
5. Resümee: Trojanows Einladung zur Auseinandersetzung mit Indien
Die vorliegende Arbeit untersucht das Indien-Bild im Werk von Ilija Trojanow, insbesondere im Roman "Der Weltensammler", unter Einbeziehung seiner nicht-fiktionalen Reiseliteratur. Ziel ist es zu ergründen, ob und wie Trojanow den postkolonialen Anspruch einlöst, ein authentisches Indien-Bild zu entwerfen, das über eurozentrische Stereotype hinausgeht und eine multiperspektivische Sichtweise einnimmt.
3.3.1 Der erste Kontakt mit dem Fremden
Besonders wichtig und aufschlussreich in Werken, die sich mit dem Reisen, der Fremde und dem Exotischen beschäftigen, ist der Moment des ersten Kontakts mit der fremden Umgebung bzw. Kultur, in der Forschungsliteratur oft First-Contact-Szene genannt. Sie ist der „Faszinationspunkt aller Abenteuer- und Kolonialerzählungen in Literatur und Film“. Das Erschreckende dieser ersten Berührung ist das Zusammentreffen einer mitgebrachten Vorstellungswelt und einer körperlichen Erfahrung vor Ort, die die Imagination oft auf eine Illusion herabsetzt. Wichtig für die Wahrnehmungsstruktur ist auch die Omnipräsenz der eigenen Kategorien und Wertmaßstäbe.
Diese zu durchbrechen hieße, der Fremde eine eigene Realität zuzugestehen und sich dieser auch auszuliefern. Die dadurch entstehende Konfrontation mit den eigenen, kulturell bedingten Vorstellungen würde laut Scherpe in diesem Sinne nicht eine Begrenzung, sondern vielmehr eine Entgrenzung bedeuten. In dem Fall wäre die erste Entdeckung nicht die eines fremden Landes, sondern die eines kulturellen Bruchs. Ein Kulturschock wird ausgelöst, da der Zugriff auf das vertraute Ordnungssystem verwehrt ist. Im Hinblick auf die lange Geschichte der Indien-Rezeption stellt sich die Frage, welche Funktion die First-Contact-Szene heute hat, in einer Welt, die durch moderne Transportmittel klein geworden ist und dadurch auch das Fremde näher herangerückt ist. Es ist der Versuch, literarisch ein Erleben von Fremde nachzustellen.
1. Einleitung: Warum eine Betrachtung des Indien-Bilds lohnt: Einführung in die Relevanz des Indien-Bildes als zentrales Thema in der zeitgenössischen deutschen Literatur und Vorstellung der zentralen Fragestellungen der Arbeit.
2. Theoretische Grundlagen: Erläuterung der literaturwissenschaftlichen Konzepte, insbesondere Postkolonialismus, Fremdverstehen und das spezifische Kulturverständnis von Ilija Trojanow.
3. Analyse Der Weltensammler: Hauptteil, der die Multiperspektivität des Romans untersucht, indem die Sichtweisen der britischen Kolonialherren, der Einheimischen und des Protagonisten Burton gegenübergestellt werden.
4. Trojanows persönlicher Blick auf Indien: Untersuchung von Trojanows nicht-fiktionalen Texten, insbesondere "Gebrauchsanweisung für Indien", um diese mit dem Roman zu vergleichen.
5. Resümee: Trojanows Einladung zur Auseinandersetzung mit Indien: Fazit über Trojanows Gelingen, Indien als komplexen, widersprüchlichen Raum darzustellen und die postkoloniale Relevanz seines Werks.
Ilija Trojanow, Der Weltensammler, Indien, Indien-Bild, Postkolonialismus, Richard Francis Burton, Fremdheit, Literaturwissenschaft, Multiperspektivität, Interkulturalität, Identität, Kolonialismus, Reiseerfahrung, Kulturverständnis, Gebrauchsanweisung für Indien.
Die Arbeit analysiert, wie der Autor Ilija Trojanow in seinem Roman "Der Weltensammler" und seinen Reiseessays das Bild Indiens vermittelt und dabei traditionelle kolonialistische Sichtweisen durch eine multiperspektivische Darstellung zu überwinden versucht.
Zentrale Themen sind die literarische Darstellung von Kulturbegegnungen, die Mechanismen des Postkolonialismus, die Konstruktion von Fremdheit sowie die Rolle des Autors als Beobachter in einem komplexen interkulturellen Kontext.
Die Arbeit untersucht, ob und wie Trojanows Roman den Kriterien postkolonialer Literatur gerecht wird und ob es dem Autor gelingt, eine authentische Perspektive des „Anderen“ zu schaffen, ohne in exotistische Klischees zu verfallen.
Die Analyse basiert auf einer fundierten literaturwissenschaftlichen Textanalyse, die durch den Vergleich von fiktionalen (Roman) und nicht-fiktionalen (Reiseberichte) Texten sowie die Einbeziehung theoretischer Diskurse zum Postkolonialismus gestützt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der verschiedenen Erzählperspektiven im Roman (Kolonialherren, Burton, Einheimische) und einen anschließenden Vergleich mit Trojanows nicht-fiktionalen Schriften.
Wichtige Begriffe sind neben dem Autor Ilija Trojanow und seinem Roman "Der Weltensammler" vor allem Postkolonialismus, Multiperspektivität, interkulturelle Identität und die kritische Auseinandersetzung mit der Reise-Literatur.
Durch die konsequente Vermeidung eines auktorialen, überlegenen Erzählers und die Integration der Stimmen der Einheimischen (z.B. des Dieners Naukaram) sowie durch die bewusste Reflexion des eigenen Blicks.
Der Guru fungiert als Lehrmeister, der Burton den Zugang zur indischen Philosophie und Sprache ermöglicht und dabei aktiv gegen eurozentrische Vorurteile argumentiert, was die Komplexität der indischen Kultur verdeutlicht.
Obwohl der Roman postkoloniale Ansprüche erhebt, weist die Arbeit auch auf kritische Stimmen hin, die anführen, dass Burton trotz seiner Weltoffenheit weiterhin in Machtstrukturen verhaftet bleibt, da er ein britischer Offizier in einer Kolonie ist.
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