Magisterarbeit, 2005
58 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Grundsätzliches zur Chat-Kommunikation
2.1. Das Neue an der Chat-Kommunikation
2.2. Technische und kommunikative Rahmenbedingungen
2.3. Besonderheiten der Chat-Kommunikation
2.4. Nicknames
3. Zwischen Schriftlichkeit und Mündlichkeit
3.1. Elemente konzeptioneller Mündlichkeit in der Chat-Kommunikation
3.2. Mediale und konzeptionelle Mündlichkeit bzw. Schriftlichkeit
3.3 Einordnung der Chat-Kommunikation
4. Unterschiede des Chats zur Face-to-face-Konversation
4.1. Gesprächsorganisation
4.1.1. Allgemeine Prinzipien der Gesprächsorganisation
4.1.2. Sprecherwechsel in Face-to-face-Gesprächen
4.1.3. Reparaturprozeduren in Face-to-face-Gesprächen
4.1.4. Zur interaktiven Konstruktion von Beiträgen
4.1.5. Wichtige Aspekte für die Gesprächsorganisation in der Chat-Kommunikation
4.1.6. Sprecherwechsel in der Chat-Kommunikation
4.1.6.1. Paarsequenzen in der Chat-Kommunikation
4.1.6.2. Turn-taking-Modell oder reines Adressierungsmodell
4.1.6.3. Reparaturprozeduren
4.1.6.4. Einzelgespräch/ Mehrpersonengespräch
4.1.7. Fazit
4.2. Darstellung von paralinguistischen und nonverbalen Elementen im Chat
4.2.1. Substitutionsmöglichkeiten
4.2.1.1. Emoticons
4.2.1.2. Zuschreibungs-Turns und infinite Verb-Letzt-Konstruktionen
4.2.1.3. Großschreibung
4.2.1.4. Buchstaben- und Satzzeichen-Reduplikation
4.2.1.5. Abkürzungen und Akronyme
4.2.2. Fazit
5. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Chat-Kommunikation mittels einer gesprächsanalytischen Untersuchung systematisch zu erfassen und diese mit der Face-to-face-Konversation zu vergleichen, um herauszuarbeiten, inwieweit etablierte Modelle der Gesprächsorganisation und nonverbalen Kommunikation auf den Chat übertragbar sind.
4.1.6. Sprecherwechsel in der Chat-Kommunikation
Die Frage, inwieweit das Turn-taking-Modell von Sacks et al. in der Chat Kommunikation zum Einsatz kommt, ist bei Sprachwissenschaftlern sehr umstritten. Allein die Tatsache, dass beim Chatten generell ein gleichzeitiges Rederecht besteht, genügt vielen als Beweis dafür, dass die Sequenzierung in der Chat-Kommunikation nicht im Sinne des Sprecherwechsels bei der Face-to-face-Kommunikation verläuft.
So behaupten z.B. Lenke/Schmitz (1995: 134), dass „im Rahmen von synchroner CMC das Turn-Taking-System von Sacks et al. praktisch nicht zur Anwendung (kommt)”. Das Hauptargument der Gegner beruht auf der angeblichen Nicht-Linearität von Beiträgen in der Chat-Kommunikation (vgl. Lenke/Schmitz 1995: 130ff). Murray (1989: 326) ist der Ansicht, dass in synchroner CMC die in direkten Gesprächen üblichen Sequenzierungsmuster außer acht gelassen werden: „The sender may make a second move before receiving a response to the first” (ebd.:326), “[...] a recipient may not respond to an utterance” (ebd.: 327) und „[...] a message may interrupt a turn or move” (ebd.: 328). Aufgrund der interdependent wirkenden Faktoren (siehe 4.1.4) ist es möglich, dass ein Chat-Teilnehmer A auf seinen letzten Beitrag die Antwort eines anderen Chatters B erst dann auf dem Display erhält, wenn A schon einen erneuten Beitrag an den Server abgeschickt hat, wodurch unklar sein kann, auf welchen Beitrag von A sich B’s Antwort bezieht (vgl. Lenke/ Schmitz 1995: 130).
1. Einleitung: Definiert das Ziel der Arbeit, eine gesprächsanalytische Untersuchung von Chat-Kommunikation im Vergleich zur Face-to-face-Konversation vorzunehmen.
2. Grundsätzliches zur Chat-Kommunikation: Führt in die technischen und kommunikativen Rahmenbedingungen sowie die Besonderheiten des Mediums und die Rolle von Nicknames ein.
3. Zwischen Schriftlichkeit und Mündlichkeit: Untersucht die theoretische Einordnung der Chat-Kommunikation als "Sprache der Nähe" im Spannungsfeld zwischen Schriftlichkeit und konzeptioneller Mündlichkeit.
4. Unterschiede des Chats zur Face-to-face-Konversation: Analysiert detailliert die Gesprächsorganisation, das Turn-taking-Modell, Reparaturprozeduren sowie die Simulation nonverbaler Elemente.
5. Zusammenfassung: Fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bestätigt die Anwendbarkeit von Modellen wie dem Turn-taking-System trotz der besonderen Medienbedingungen.
Chat-Kommunikation, Face-to-face-Konversation, Gesprächsanalyse, Turn-taking, Gesprächsorganisation, konzeptionelle Mündlichkeit, Nähe-Distanz-Kontinuum, Emoticons, Zuschreibungs-Turns, nonverbale Kommunikation, Reparaturprozeduren, Anonymität, Netz-Identität, Adressierung, synchroner Datenaustausch.
Die Arbeit führt eine gesprächsanalytische Untersuchung von Chat-Kommunikation durch und setzt diese in einen direkten Vergleich zur Face-to-face-Konversation.
Die Schwerpunkte liegen auf der Gesprächsorganisation, dem Turn-taking-System, der theoretischen Einordnung zwischen Schriftlichkeit und Mündlichkeit sowie der Simulation nonverbaler Kommunikation.
Das Ziel ist es zu prüfen, inwieweit linguistische Modelle der Gesprächsanalyse, die für mündliche Interaktion entwickelt wurden, auf die schriftbasierte und technisch vermittelte Chat-Kommunikation anwendbar sind.
Die Arbeit nutzt die Konversationsanalyse und wendet diese anhand von konkreten Chat-Protokollen und theoretischen Modellen, insbesondere von Koch/Oesterreicher und Sacks/Schegloff/Jefferson, an.
Der Hauptteil befasst sich umfassend mit dem Vergleich der Gesprächsorganisation (Sprecherwechsel, Paarsequenzen, Reparaturen) und der Kompensation fehlender nonverbaler Cues durch typografische Mittel.
Wichtige Begriffe sind Turn-taking, konzeptionelle Mündlichkeit, Sprache der Nähe, Paarsequenzen und die Medialität des geschriebenen Textes im Chat.
Sie nutzen Substitutionsmöglichkeiten wie Emoticons, Zuschreibungs-Turns, Verb-Letzt-Konstruktionen sowie eine spezifische Großschreibung und Zeichen-Reduplikation, um Gefühle und paralinguistische Merkmale auszudrücken.
Die Anonymität, die durch Nicknames ermöglicht wird, bietet einen Schutzraum, der es Nutzern erlaubt, ihre Identität flexibel zu gestalten und selbstbewusster aufzutreten, da persönliche Merkmale visuell nicht verifizierbar sind.
Ja, der Autor kommt zu dem Schluss, dass das Turn-taking-System von Sacks et al. trotz der technischen Verzögerungen und der "Mühlen-Prinzip"-Sequenzierung eine adäquate Basis zur Beschreibung der Interaktion im Chat bietet.
Sie dienen als mächtiges Mittel, um physische Handlungen oder Zustände, die in einem Face-to-face-Gespräch visuell wahrnehmbar wären, explizit zu machen und so die Kommunikation voranzutreiben.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

