Diplomarbeit, 2003
61 Seiten, Note: 1,3
1. Einführung
2. Das Vertrauensdilemma in virtuellen Unternehmen
2.1 Wesentliche Merkmale virtueller Unternehmen
2.2 Vertrauen als Kooperationsbasis in VU?
2.3 Informationsdefizit, Kommunikation und Vertrauen
3. Spieltheoretische Betrachtung von Vertrauen
3.1 Die Rolle von Vertrauen in Kooperationssituationen
3.2 Die Gefangenendilemma-Situation im VU
3.2.1 Untersuchung der Merkmale und Handlungsalternativen
3.2.2 "Schatten der Zukunft" - wie die Zukunft das gegenwärtige Handeln beeinflusst
3.2.3 Bedeutung von Sanktionsmöglichkeiten und drohender Vergeltung im VU
4. Systemtheoretische Betrachtung von Vertrauen
4.1 Ausgewählte Aspekte der Vertrauensbildung
4.1.1 Zeitperspektive, Erfahrungen und Vertrauensbildung
4.1.2 Reduktion von Komplexität durch Vertrauen
4.1.3 Kontrolle des Vertrauens
4.2 Systemvertrauen
4.2.1 Kontrolle im System
4.2.2 Die Grenzen des virtuellen Systems
5. Vertrauensbildung im Netzwerk Virtuelles Unternehmen
5.1 Das Virtuelle Unternehmen als Unternehmensnetzwerk
5.2 Reputation in Virtuellen Unternehmen
5.3 Unternehmenskultur in Virtuellen Unternehmen
6. Kritisches Resümee
Die Arbeit untersucht kritisch, ob und wie Vertrauen in virtuellen Unternehmen (VU) als Kooperationsbasis entstehen kann, insbesondere unter Berücksichtigung der konstitutiven Merkmale wie der fehlenden zentralen Koordinationsinstanz und der zeitlichen Befristetheit. Die Forschungsfrage fokussiert darauf, ob eine Ausbildung von Vertrauen unter den strengen Anforderungen des VU-Konzepts theoretisch möglich ist.
3.2.1 Untersuchung der Merkmale und Handlungsalternativen
Vergleicht man die Bedingungen des Experiments mit dem Konzept der VU, lassen sich Überschneidungen zu den in Abschnitt 2 dargestellten konstruktiven Merkmalen eines VU feststellen: Der Untersuchung hier sollen zwei Unternehmen zugrunde gelegt werden, die rechtlich unabhängig sowie räumlich getrennt sind, und die eine Entscheidung für oder gegen eine kooperative Zusammenarbeit frei treffen können. Wie auch schon bei Axelrod vorausgesetzt, gibt es im Fall des VU keine zentrale Instanz, die die Zusammenarbeit koordiniert. Die Theorie Axelrods könnte somit fruchtbare Ergebnisse für die Untersuchung der Vertrauensbildung in VU liefern.
Die Merkmale des Gefangenendilemma-Spiels bei Axelrod lassen sich wie folgt beschreiben:
1) Es handelt sich um ein Nicht-Nullsummen-Spiel,
2) in dem die Interessen der Teilnehmer nicht strikt entgegengesetzt sind und
3) dessen strategische Möglichkeiten und Regeln den Spielern genau bekannt sind.
(vgl. Axelrod 1995, S. 27)
Angewandt auf das Konzept "virtuelles Unternehmen" bedeutet dies im Einzelnen zu 1): In einem Nicht-Nullsummenspiel besteht die Möglichkeit, dass aus den gemeinsamen Aktionen ein Nutzen für beide Unternehmen resultiert. So können die Unternehmen des VU bei der Erfüllung eines konkreten Kundenauftrages durch den erzielten Umsatz den jeweiligen monetären Nutzen oder beispielsweise auch den Nutzen aus gewonnener Erfahrung steigern. Nur unter dieser Annahme ist eine Kooperation wie das VU sinnvoll (vgl. Becker 1999, S. 69; Mertens/Faisst 1996, S. 283), so dass diese Annahme, wie bei Axelrod, so auch der Untersuchung in dieser Arbeit zugrunde gelegt werden soll.
1. Einführung: Hinführung zum Problem der Vertrauensbildung in virtuellen Unternehmen und Erläuterung des methodischen Vorgehens mittels Spiel- und Systemtheorie.
2. Das Vertrauensdilemma in virtuellen Unternehmen: Analyse der konstitutiven Merkmale des VU und der sich daraus ergebenden Herausforderungen für die Entstehung von Vertrauen.
3. Spieltheoretische Betrachtung von Vertrauen: Anwendung des Gefangenendilemma-Modells zur Untersuchung von Kooperationsanreizen und der Bedeutung des "Schattens der Zukunft" im VU.
4. Systemtheoretische Betrachtung von Vertrauen: Analyse der Funktion von Vertrauen als Mittel zur Komplexitätsreduktion und die Eignung von Systemvertrauen für die Struktur des VU.
5. Vertrauensbildung im Netzwerk Virtuelles Unternehmen: Prüfung der Möglichkeiten von Reputation und Unternehmenskultur als vertrauensfördernde Elemente in einem instabilen Netzwerk.
6. Kritisches Resümee: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage mit dem Ergebnis, dass eine Ausbildung von Vertrauen im VU unter den gegebenen Merkmalen nicht möglich ist.
Virtuelle Unternehmen, Vertrauen, Kooperation, Spieltheorie, Gefangenendilemma, Systemtheorie, Komplexitätsreduktion, Systemvertrauen, Reputation, Netzwerk, Unternehmenskultur, Informationsasymmetrie, Opportunismus, Interaktion, Vertrauensbildung.
Die Diplomarbeit untersucht, ob in virtuellen Unternehmen, die durch eine dezentrale Organisation und zeitliche Befristung gekennzeichnet sind, Vertrauen als Kooperationsbasis überhaupt entstehen kann.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Schnittstellen von Spieltheorie, Systemtheorie, Organisationsforschung und Netzwerktheorie im Kontext virtueller Unternehmensstrukturen.
Die Arbeit fragt, ob Vertrauen bei einer stringenten Anwendung des Grundkonzepts der Virtuellen Unternehmung mit all seinen konstitutiven Merkmalen theoretisch entstehen kann oder ob das Konzept dies verhindert.
Die Autorin nutzt eine theoretische Analyse unter Einbeziehung spieltheoretischer Erkenntnisse (nach Robert Axelrod) und systemtheoretischer Ansätze (nach Niklas Luhmann), um das VU als System zu evaluieren.
Der Hauptteil analysiert das Gefangenendilemma im VU, das Systemvertrauen, die Rolle von Reputation als generalisiertes Kommunikationsmedium sowie die Möglichkeit der Etablierung einer gemeinsamen Unternehmenskultur.
Zentrale Begriffe sind Vertrauen, Virtuelle Unternehmen, Kooperation, Gefangenendilemma, Reputation, Netzwerkdichte und Komplexitätsreduktion.
Die zeitliche Befristung und die damit verbundene Unwahrscheinlichkeit wiederholter Interaktionen verhindern, dass Akteure Anreize für kooperatives Verhalten haben, da sie keine langfristigen Konsequenzen fürchten müssen ("Schatten der Zukunft").
Das Ergebnis der Analyse zeigt, dass aufgrund der geringen Netzwerkdichte und der Diffusität persönlicher Kontakte keine verlässliche Reputation aufgebaut werden kann, die als Mechanismus für Vertrauensbildung fungieren könnte.
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