Diplomarbeit, 1998
140 Seiten, Note: 1,0
Geschichte Europas - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Einleitung
1. Aufbau der Arbeit
2. Verwendete Literatur und aktueller Forschungsstand
3. Problematik des Rassenbegriffs
3.1. Herleitung des Rassenbegriffs
3.2. Biologischer und soziologischer Rassenbegriff
3.3. Herausbildung der Anthropologie bis Gobineau
3.4. Entwicklung der anthropologischen Methoden bis Gobineau
3.5. Lamarckismus und Darwinismus
3.6. Bildung von Rassenhierarchien bis Gobineau
4. Rassenkonflikte, Rassismus und Rassentheorien
4.1. Einige Ausführungen zum Rassismus
4.2. Euroamerikanischer Rassismus im Kontext des arischen Mythos
4.3. Rassenkonflikte – In Wahrheit nur Gesellschaftskonflikte?
4.4. Funktionen von Rassentheorien
5. Historische Betrachtung der Entwicklung bis Gobineau
5.1. Allgemeine Vorbemerkungen
5.2. Geschichte des Rassismus bis Gobineau
5.3. Entwicklung der Rassenkonzepte bis Gobineau
5.4. Entwicklung der Rassentheorien bis Gobineau
6. Zusammenfassung
7. Die Rassentheorie Gobineaus
7.1. Allgemeines und Aufbau des „Essais“
7.2. Ausführungen Gobineaus zu den „Hauptrassen“
7.3. Ausführungen Gobineaus zur Rassenvermischung
7.4. Ausführungen Gobineaus zur Degeneration
7.5. Zu den positiven Aspekten der Rassenvermischung
7.6. Ausführungen zu der Ungleichheit der „Menschenrassen“
7.7. Ausführungen Gobineaus zu den verschiedenen „Rassen“
7.8. Zur Rassenvermischung und zum Niedergang der Zivilisationen
8. Wissenschaftlichkeit, Fatalismus und Pessimismus des „Essais“
9. Wirkung des „Essais“ und seine Beurteilung in der Literatur
10. Schlußbetrachtung
Die Arbeit analysiert die Rassentheorie des Grafen Joseph Arthur de Gobineau unter besonderer Berücksichtigung seines Hauptwerks "Essai sur l’inégalité des races humaines", dessen geistesgeschichtliche Voraussetzungen und die ideologischen Folgen seiner Theorien.
3.2. Biologischer und soziologischer Rassenbegriff
In vielen antisemitischen Reden oder Druckwerken wird Bezug genommen auf die Begriffe „Rasse“ und Kultur, die so unbestimmt und allumfassend klingen. Ohne auf alle bisher vorgelegten Definitionen eingehen zu können, sieht die Soziologie die Kultur als ein komplexes Ganzes an, in dem alles enthalten ist, was Menschen denken, tun, fühlen oder besitzen. Nach Silbermann lassen sich deshalb heraufbeschworene Unterschiede im Niveau der Fertigkeiten verschiedener Gruppen nur kulturell und nicht biologisch in der Form von Rassenunterschieden erklären.
Die „Rasse“ ist im Vergleich dazu (in bezug auf die biologische Sichtweise zur Rassenfrage) eine Gruppe von Menschen, denen gewisse vererbte physische Charakteristika zu eigen sind, die dazu dienen können, sie von anderen Gruppen zu unterscheiden. Dabei dürfen Kultur und „Rasse“ nicht verwechselt werden. Wenn nämlich im Begriff Kultur ausschließlich Bestrebungen nach Veredelung, Verfeinerung und Formung der Persönlichkeit unter Bändigung und Sublimierung der menschlichen Triebnatur gesehen werden, dann ist es ein nächster Schritt, fälschlicherweise zu unterstellen, daß sich Rassenunterschiede im Typ der Kultur, in nationalen Anschauungsweisen und anderen Eigenschaften des sozialen Verhaltens widerspiegeln.
Es ist zwar richtig, daß Bevölkerungsgruppen in gewissen Graden Unterschiede bezüglich physischer Charakteristika aufweisen und auch ihre kulturellen Praktiken offensichtlich verschieden sind – aber der Beweis, daß eine Kultur von den angeborenen Qualitäten einer menschlichen „Rasse“ abhängig ist, konnte bisher nicht erbracht werden. Denn wenn es wirklich so wäre, würde es in der Welt nicht so viele unterschiedliche Gruppen geben, die sich im wesentlichen der gleichen Kultur erfreuen. Andererseits gäbe es dann auch nicht in verschiedenen geographischen Teilen der Welt Mitglieder der gleichen „Rasse“, die gänzlich unterschiedliche kulturelle Muster aufweisen.
Einleitung: Einführung in das rassistische Denken des 19. Jahrhunderts und Vorstellung der Person Joseph Arthur de Gobineau.
1. Aufbau der Arbeit: Erläuterung der methodischen Vorgehensweise und der thematischen Zielsetzung der Diplomarbeit.
2. Verwendete Literatur und aktueller Forschungsstand: Überblick über die relevante Literatur und den Diskurs zu den Themen Rasse, Rassismus und Rassentheorien.
3. Problematik des Rassenbegriffs: Untersuchung der historischen Herleitung und des Wandels des Rassenbegriffs sowie dessen biologischer und soziologischer Dimensionen.
4. Rassenkonflikte, Rassismus und Rassentheorien: Analyse der Funktionen von Rassentheorien und der Frage, ob Rassenkonflikte primär gesellschaftlicher Natur sind.
5. Historische Betrachtung der Entwicklung bis Gobineau: Darstellung der historischen Vorläufer und der Entwicklung rassischer Konzepte vor der Veröffentlichung von Gobineaus Hauptwerk.
6. Zusammenfassung: Rekapitulation der vorangegangenen wissenschaftlichen und historischen Diskussionen.
7. Die Rassentheorie Gobineaus: Detaillierte Analyse der Thesen im "Essai", von den Hauptrassen über Rassenvermischung bis hin zur Degeneration.
8. Wissenschaftlichkeit, Fatalismus und Pessimismus des „Essais“: Kritische Auseinandersetzung mit dem Wahrheitsgehalt und der fatalistischen Weltanschauung Gobineaus.
9. Wirkung des „Essais“ und seine Beurteilung in der Literatur: Beleuchtung der historischen Rezeption und der ideologischen Auswirkungen von Gobineaus Werk.
10. Schlußbetrachtung: Zusammenfassendes Resümee über die Bedeutung und den Stellenwert von Gobineaus Theorie für den Rassismus des 19. und 20. Jahrhunderts.
Joseph Arthur de Gobineau, Rassismus, Rassentheorie, Essai sur l’inégalité des races humaines, Rassenvermischung, Degeneration, Anthropologie, Sozialdarwinismus, Antisemitismus, Arier-Mythos, Kulturzerfall, Menschenrassen, Eugenik, Nationalsozialismus.
Die Arbeit befasst sich mit der Rassentheorie des Grafen Joseph Arthur de Gobineau und analysiert sein Hauptwerk „Essai sur l’inégalité des races humaines“ im Kontext seiner Zeit sowie dessen Auswirkungen auf nachfolgende Ideologien.
Die Arbeit behandelt die Genese des Rassenbegriffs, die historische Entwicklung von Rassentheorien vor Gobineau, die biologischen und soziologischen Dimensionen von Rassismus sowie die pessimistische Geschichtstheorie Gobineaus.
Das Ziel ist es, Gobineaus Rassentheorie zu dekonstruieren, ihre theoretischen Vorläufer aufzuzeigen, ihre pseudowissenschaftliche Argumentation offenzulegen und ihre historische Wirkungsgeschichte kritisch zu würdigen.
Es handelt sich um eine ideengeschichtliche und wissenschaftskritische Untersuchung, die auf einer umfassenden Literaturanalyse basiert und die Entwicklung rassischer Konzepte in den Kontext historischer und politischer Bedingungen stellt.
Im Hauptteil werden die zentralen Thesen Gobineaus zu "Hauptrassen", Rassenvermischung und Degeneration sowie deren Einbettung in die Anthropologie und Geschichtsphilosophie des 19. Jahrhunderts detailliert analysiert.
Zu den prägenden Begriffen zählen Rassenvermischung, Degeneration, Arier-Mythos, Sozialdarwinismus, Antisemitismus, anthropologische Geschichtsauffassung und die Kritik an der pseudowissenschaftlichen Basis von Rassentheorien.
Der Arier-Mythos diente Gobineau als ideologisches Fundament, um eine "höherwertige" Rasse als kreativen Motor der Zivilisation zu konstruieren, was ihm wiederum ermöglichte, politische Hierarchien als naturgegeben zu legitimieren.
Die Arbeit arbeitet heraus, dass Gobineau zwar keine neuen biologischen Entdeckungen machte, aber durch die Systematisierung bestehender Vorurteile und deren Verknüpfung mit einem pessimistischen Geschichtsbild eine einflussreiche Vorlage für spätere rassistische und antisemitische Bewegungen lieferte.
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