Bachelorarbeit, 2005
37 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
2. Die Abweichungsstilistik
2.1 Die Abweichung als Fehler
3. Der stiltheoretische Ansatz von Michael Riffaterre
3.1 Der literarische Stil
3.2 Verschlüsseler und Entschlüsseler
3.3 Die Stilanalyse und ihre Kriterien bei Riffaterre
3.3.1 Kriterium 1: Der Archileser
3.3.2 Kriterium 2: Der Kontext
3.3.3 Die stilistische Untersuchung konventioneller literarischer Formen
3.3.4 Vorteile des theoretischen Ansatzes von Michael Riffaterre
4. Durchführung einer Stilanalyse nach dem abweichungsstilistischen Ansatz von Michael Riffaterre
4.1 Stilistische Untersuchung der Ergebnisse der Informantenbefragung
4.2 Methodische Probleme von Stilanalysen nach dem Konzept von Michael Riffaterre
5. Allgemeine Kritik an der Abweichungsstilistik
6. Die mustergültige Stiltheorie?
7. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretische Fundierung und praktische Anwendbarkeit der Abweichungsstilistik nach Michael Riffaterre. Ziel ist es, zu klären, in welchem Maße dieser Ansatz geeignet ist, stilistische Merkmale eines Textes vollständig zu erfassen und zu analysieren, wobei die Hypothese Riffaterres im Zentrum der Untersuchung steht.
3.2 Verschlüsseler und Entschlüsseler
Die Stilistik nach Michael Riffaterre untersucht diejenigen Elemente, die benutzt werden, um dem Entschlüsseler, dem Leser, die Denkweise des Verschlüsselers, des Autors, aufzuzwingen. Der Kommunikationsvorgang wird als Träger für den Ausdruck der Persönlichkeit des Sprechers und als Aufforderung für die Aufmerksamkeit des Empfängers analysiert. Die Techniken der Ausdrucksfähigkeit sollen als Wortkunst angesehen werden. In dieser Form untersuche die Stilistik den literarischen Stil.
Ein Schlüsselbegriff der Riffaterreschen Theorie ist die Voraussehbarkeit, die in engem Zusammenhang mit der Aufmerksamkeit des Lesers steht. Um sich die Aufmerksamkeit des Lesers zu sichern, müsse der Schriftsteller die zu decodierenden Elemente unvorhersehbar machen. In einem schriftlichen Text leite der Leser die Wörter aus fragmentarischen Komponenten ihrer Schreibung ab und rekonstruiere den gesamten Satz aus wenigen wahrgenommenen Wörtern. Da die Voraussehbarkeit bewirke, dass dem Leser eine bruchstückhafte Entschlüsselung ausreiche, müssten die Elemente, die Aufmerksamkeit erregen sollen, unvorhersehbar sein.
Die einzige Möglichkeit, die dem Verschlüsseler bleibe, seine eigene Interpretation durchzusetzen, besteht nach Riffaterre darin, zu verhindern, dass der Leser irgendein wichtiges Merkmal durch Überlegung ableitet oder voraussieht. Die Vorhersehbarkeit könne eine oberflächliche Lektüre nach sich ziehen, wohingegen die Unvorhersehbarkeit den Leser zur Aufmerksamkeit zwinge.
1. Einleitung: Einführung in das Thema Stilistik, Erläuterung der Relevanz der Abweichungsstilistik und Zielsetzung der Arbeit sowie Vorstellung des methodischen Vorgehens.
2. Die Abweichungsstilistik: Darstellung der theoretischen Wurzeln und der Entwicklung der Abweichungsstilistik im Kontext der Sprachwissenschaft.
3. Der stiltheoretische Ansatz von Michael Riffaterre: Detaillierte Analyse von Riffaterres Theorie, insbesondere der Rollen von Verschlüsseler und Entschlüsseler sowie der Kriterien Archileser und Kontext.
4. Durchführung einer Stilanalyse nach dem abweichungsstilistischen Ansatz von Michael Riffaterre: Empirische Anwendung der Theorie auf Franz Kafkas Text sowie kritische Auswertung der gewonnenen Ergebnisse.
5. Allgemeine Kritik an der Abweichungsstilistik: Auseinandersetzung mit der prinzipiellen Kritik an der Norm-Abweichungs-Dichotomie und den methodischen Schwachstellen des Ansatzes.
6. Die mustergültige Stiltheorie?: Diskussion alternativer Ansätze, wie der Funktionalstilistik, zur Überwindung der Defizite der Abweichungsstilistik.
7. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Anwendbarkeit des Riffaterre-Modells und Ausblick auf eine mögliche Synthese verschiedener Stiltheorien.
Abweichungsstilistik, Michael Riffaterre, Stilanalyse, Stilistik, Archileser, Kontext, literarischer Stil, Verschlüsseler, Entschlüsseler, Norm, Sprachwissenschaft, Literaturwissenschaft, Textanalyse, Franz Kafka, Funktionalstilistik.
Die Arbeit analysiert den abweichungsstilistischen Ansatz von Michael Riffaterre, eine strukturalistische Stiltheorie, die Stil als Abweichung von einer durch den Kontext bestimmten Norm definiert.
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Norm und Abweichung, die Rolle des Autors als Verschlüsseler und des Lesers als Entschlüsseler sowie die Validität dieser Theorie bei der Textanalyse.
Das Ziel ist die kritische Überprüfung der Effizienz und Vollständigkeit des von Riffaterre aufgestellten Analyseverfahrens durch eigenständige Erprobung an einem literarischen Text.
Es wird eine zweiphasige Methode angewandt: Zunächst eine Informantenbefragung zur Ermittlung stilistischer Stimuli, gefolgt von einer linguistischen Analyse dieser markierten Elemente.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Riffaterres Konzept, die praktische Durchführung einer Stilanalyse an Kafkas "Eine alltägliche Verwirrung" und eine anschließende methodische sowie allgemeine Kritik.
Abweichungsstilistik, Archileser, Kontext, Stilanalyse, Verschlüsseler, Entschlüsseler und Funktionalstilistik sind die zentralen Begriffe.
Kafka wurde als Vertreter der absurden Literatur bewusst gewählt, da bei seinen Texten eine Vielzahl an Reaktionen der Informanten erwartet wurde, was die Wirksamkeit der Methode unter realen Bedingungen verdeutlicht.
Die Hauptprobleme waren die hohe Subjektivität der Informanten, die Schwierigkeit der eindeutigen Kontextdefinition und die Tatsache, dass nicht alle stilistisch relevanten Elemente durch das gewählte Verfahren erfasst wurden.
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