Examensarbeit, 2013
53 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
1.1 Entwicklung der eigenen Fragestellung
1.2 Inhaltlicher Aufbau und Ziel der Arbeit
2 Religion – eine Begriffsbestimmung
2.1 Substanzielle Religions-Definitionen
2.2 Funktionale Religions-Definitionen
2.2.1 Die elementaren Formen des religiösen Lebens nach Durkheim
2.2.2 Weitere Funktionen von Religion
3 Charakteristika des Fußballsports
3.1 Geschichte des Fußballsports
3.1.1 Ursprünge
3.1.2 Entwicklung in Europa
3.1.3 Entwicklung in Deutschland
3.2 Zum Fantum im (Fußball-)Sport
3.2.1 Was ist ein Fan?
3.2.2 Fans in der Forschung
3.2.3 Fußballfans
4 Berührungspunkte von Fußball und Religion
4.1 Ursprünge und Entwicklung
4.2 Metaphorischer Sprachgebrauch
4.3 Religiöse Symbolik im Fußball
4.4 Funktionen von Religion im Einzugsbereich des Fußballs
4.4.1 Gemeinschaftsbildung
4.4.2 Einteilung der Dinge in heilig und profan
4.4.3 Vorstellung mythischer Persönlichkeiten
4.4.4 Verbote und Wertevorstellungen
4.4.5 Rituale
4.4.6 Systematisierung der Lebensführung
4.4.7 Kontingenzbewältigung
5 Empirische Befunde
5.1 Entwicklung der Zuschauerzahlen der Bundesliga
5.2 Entwicklungen der DFB-Mitgliederzahlen
5.3 Entwicklungen der Kirchenmitglieder in Deutschland
5.4 Fußball-Fans und Religion
6 Fazit und Ausblick
Diese Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Fußball und Religion, um zu klären, ob Fußball und die dazugehörige Fankultur funktionale Aspekte von Religion für den modernen Menschen ersetzen können. Dabei wird insbesondere auf eine funktionale Religionsdefinition zurückgegriffen, um Parallelen in Struktur, Ritus und Gemeinschaftsbildung zu analysieren.
1 Einleitung
Was hat Sport mit Religion zu tun? Überhaupt nichts? Vielleicht etwas? Oder doch ziemlich viel? Sich bekreuzigende Spieler1, zum Gebet gefaltete Hände, Grüße und Küsse gen Himmel sind keine seltenen Bilder bei Fußballübertragungen. Aber neben diesen offensichtlichen religiösen Symbolen und Ritualen einiger vereinzelter, ihren Glauben extrovertiert auslebenden, Spieler, lassen sich beim Fußball auch noch andere, tiefer greifende Parallelen zu Religion und gerade auch zur kirchlichen Liturgie beobachten. So ähnelt z. B. das Einmarschieren der Mannschaften dem Einlaufen des Priesters und der Messdiener in die Kirche, die Gesänge der Fans erinnern an Kirchenchoräle und die (noch) überwiegend patriarchalischen Strukturen sind in Fußball und Kirche sehr ähnlich konzipiert.
Die römisch-katholische Kirche z. B. hat ihr weltweites Oberhaupt, den Papst. Ihm folgen Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe und Priester. Der Fußball organisiert sich ähnlich strukturiert in Verbänden. Weltweit ist die FIFA das „Oberhaupt“, auf europäischer Ebene folgt die UEFA, dann die Bundes und schließlich Landesverbände. Wie eine Gemeinde von ihrem Priester geleitet wird, leitet der Vorsitzende einen Verein, der Trainer eine Mannschaft und ein „Erwählter“ die Fangesänge und Schlachtrufe im Stadion. Die äußeren, wahrnehmbaren Strukturen von Fußball und Religion sind also schon einmal ziemlich ähnlich.
Wenn von und über Fußball gesprochen wird, ist außerdem religiöse Sprache allgegenwärtig, besonders in den Medien. Begriffe wie z. B. „Fußballgott“, „Hand Gottes“, „Das Wunder von Bern“ oder „Teamgeist“ sind allesamt religiös konnotiert und zugleich jedem echten Fußballfan ein Begriff. Aber warum erhalten diese Termini aus dem religiösen Sprachgebrauch Einzug in die Welt des Sports, besonders in die des Fußballs? Gerade, wo doch sicher nicht jeder Fußballfan von sich behaupten würde ein religiöser Mensch zu sein. Und genau hier liegt neben den beschriebenen Parallelen schließlich auch einer der größten Unterschiede von Fußball und Religion.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die strukturellen und sprachlichen Parallelen zwischen Fußball und Religion und führt in die zentrale Fragestellung ein, ob Fußball Funktionen von Religion ersetzen kann.
2 Religion – eine Begriffsbestimmung: Es werden substanzielle und funktionale Religionsdefinitionen diskutiert, wobei der Fokus auf Émile Durkheims funktionalem Ansatz als theoretische Basis liegt.
3 Charakteristika des Fußballsports: Dieses Kapitel untersucht die historische Entwicklung des Fußballsports sowie das Phänomen des Fantums in der soziologischen Forschung.
4 Berührungspunkte von Fußball und Religion: Hier werden die sieben Funktionen von Religion (wie Gemeinschaftsbildung, Rituale, Kontingenzbewältigung) detailliert auf den Fußball und seine Fans angewendet.
5 Empirische Befunde: Anhand von Zuschauerzahlen, DFB-Mitgliedsdaten und Kirchenstatistiken wird die praktische Relevanz und Reichweite der untersuchten Phänomene analysiert.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit beantwortet die Leitfrage vorsichtig: Während Fußball funktionale Aspekte der Religion erfüllen kann, ersetzt er sie als Institution nicht vollständig.
Fußball, Religion, Fankultur, Funktionalismus, Émile Durkheim, Gemeinschaftsbildung, Rituale, Kontingenzbewältigung, Säkularisierung, Sportsoziologie, Symbolik, Ersatzreligion, Fan-Sein, Kirchenkrise, Wertevorstellungen.
Die Arbeit untersucht das soziologische Verhältnis zwischen Fußball und Religion und analysiert, ob und inwiefern der Fußball funktionale Aspekte von Religion für seine Anhänger übernehmen kann.
Die zentralen Themen sind Religionssoziologie, die Geschichte und Struktur des Fußballsports, das Phänomen des Fantums sowie die Anwendung funktionaler Religionskategorien auf den Sport.
Das Hauptziel ist es, die Frage zu beantworten, ob Fußball und die damit verbundene Fankultur tatsächlich Funktionen von Religion ersetzen können, wenn kirchliche Institutionen an Beliebtheit verlieren.
Der Autor nutzt einen funktional-systematischen Ansatz zur Analyse, kombiniert mit einer theoretischen Aufarbeitung soziologischer Begriffe und einer empirischen Auswertung vorhandener Statistiken (Zuschauerzahlen, Kirchenmitglieder).
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung von Religion, die soziologische Charakterisierung des Fußballs, die detaillierte Prüfung von sieben religiösen Funktionen am Beispiel des Fußballs sowie eine empirische Analyse zur Untermauerung der Thesen.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Gemeinschaftsbildung, implizite Religion, Rituale, Kontingenzbewältigung und der Vergleich zwischen christlicher Liturgie und Stadionerlebnis.
Ein wesentlicher Unterschied liegt laut Autor im substanziellen Bereich: Der Fußball bietet keinen Bezug zum Transzendenten oder zum Jenseits, was für eine Religion im klassischen Sinne ein Alleinstellungsmerkmal bleibt.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Fußball zwar funktionale Ähnlichkeiten aufweist und Rituale bietet, er die Kirche als Institution jedoch nicht endgültig ersetzen kann, da er kein übersinnliches Heilsversprechen bietet.
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