Magisterarbeit, 2013
178 Seiten, Note: 1,30
1 Einleitung
2 Der skandalöse Historienstoff: der Borgia-Mythos
2.1 Der „Mythos“ – eine faszinierende Stoffgrundlage
2.2 Die Familie Borgia und ihr Mythos
2.2.1 Herkunft und Aufstieg einer unheiligen Familientrinität
2.2.2 Von simplen Fakten zu zahlreichen Legenden
2.3 Elemente des Historienstoffs – Fakten vs. Legenden
2.3.1 Sex
2.3.2 Crime
3 Transgressive Darstellungen in der zeitgenössischen US-Serie
3.1 Die zeitgenössische US-Serie
3.2 Transgressive Darstellungen: Sexualität, Gewalt und profane Sprache
4 Darstellung des Historienstoffs in der Fernsehserie Borgia
4.1 Darstellung der Elemente „Sex“
4.1.1 Verhältnis der männlichen Borgia zu den Frauen
4.1.2 Legitimation der Papstkinder
4.1.3 Bild Lucrezia Borgias als Femme fatale
4.1.4 Orgien
4.1.5 Impotenzvorwurf
4.1.6 Inzestvorwürfe
4.2 Darstellung der Elemente „Crime“
4.2.1 Korruption und simonistische Praktiken
4.2.2 Nepotismus
4.2.3 Herrschaftsbildung
4.2.4 Morde
4.2.5 Giftmorde
4.2.6 Antichrist
4.3 Darstellung weiterer Aspekte
4.4 Ergebnisse der Analyse
5 Zusammenfassung und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die zeitgenössische Fernsehserie Borgia tatsächlich eine historisch korrekte Darstellung der Familie Borgia liefert oder ob der skandalöse Historienstoff gezielt instrumentalisiert wird, um transgressive Darstellungen von Sexualität und Gewalt im Stile moderner US-Pay-TV-Produktionen zu inszenieren.
2.1 Der „Mythos“ – eine faszinierende Stoffgrundlage
„Ich verstehe [...] unter Mythos die Zusammensetzung der Geschehnisse“, vermerkt Aristoteles in seiner Dichtungstheorie – der Poetik. Der antike Philosoph versteht den Mythos als die Fabel beziehungsweise die Handlungsstruktur, die für ihn die „Seele der Tragödie“ bildet. Diese frühe Begriffsdefinition, welche sich auf die Mythen der antiken Tragödien bezieht und somit im engeren Sinne die Geschichten um Könige und Helden meint, schreibt dem Mythos einen besonderen Stellenwert innerhalb des Dramas zu. An dieser großen Bedeutung scheint sich bis heute kaum etwas verändert zu haben. Noch immer bilden Mythen, die sich bereits vor etlichen Jahrhunderten größter Beliebtheit erfreut haben, die zentrale Grundlage vieler Dichtungen. Im Folgenden soll nun erläutert werden, was ein „Mythos“ ist und worin seine anhaltende Faszinationskraft als Stoffgrundlage begründet liegt.
Das Wort „Mythos“ ist griechisch und bedeutet „Wort, Rede, [oder] Erzählung“. Im heutigen Sprachgebrauch wird der Begriff besonders von den Medien inflationär verwendet und ist einerseits negativ konnotiert – im Sinne einer „falschen] Überzeugung“, andererseits positiv – im Sinne einer „Person, Sache, [oder] Begebenheit, die [...] legendären Charakter hat“ – wie beispielsweise der Mythos „Marilyn Monroe“ oder der Mythos „Titanic“. Im ursprünglichsten Sinne meint der Begriff jedoch „traditionelle Geschichten von Göttern, übermenschlichen Wesen und Kräften“, die später auch von Heroengestalten handeln konnten.
Das Bedürfnis des Menschen nach solchen Erzählungen ist ein zutiefst elementares und entspringt dem Anliegen, sich die Welt zu erklären. Der Mensch fragte nach dem Ursprung des Universums, dem Sinn des Lebens und den übernatürlichen Erscheinungen, welche er sich nicht erklären konnte. Indem die Mythen Antworten auf diese Fragen gaben, wirkten sie handlungsleitend und vermittelten Wertvorstellungen. Zudem halfen sie dem Menschen einen Standpunkt zu den Geschehnissen einzunehmen, vermittelten ihm eine Weltsicht und hatten somit eine sinnstiftende und entlastende Funktion.
1 Einleitung: Die Einleitung formuliert das Forschungsinteresse an der TV-Serie Borgia und stellt die zentrale Frage nach der Authentizität versus der bewussten Inszenierung transgressiver Inhalte.
2 Der skandalöse Historienstoff: der Borgia-Mythos: Dieses Kapitel arbeitet den theoretischen Hintergrund auf und differenziert zwischen historisch belegten Fakten und der über Jahrhunderte gewachsenen Legendenbildung um die Borgia-Familie.
3 Transgressive Darstellungen in der zeitgenössischen US-Serie: Es wird das Format der zeitgenössischen US-Serie definiert, wobei der Fokus auf dem Begriff der „Transgression“ als Mittel zur Provokation und Differenzierung im „Qualitätsfernsehen“ liegt.
4 Darstellung des Historienstoffs in der Fernsehserie Borgia: Der Hauptteil analysiert konkret, wie die Serie die Borgia-Themen „Sex“ und „Crime“ filmisch umsetzt, und gleicht diese mit dem in Kapitel zwei erarbeiteten Wissensstand ab.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen und zeigt auf, dass die Serie zwar teilweise historische Fakten nutzt, diese jedoch primär der dramaturgischen Zuspitzung und der Etablierung eines modernen Serienformats unterordnet.
Borgia, Mythos, Transgression, Fernsehserie, Papst Alexander VI., Cesare Borgia, Lucrezia Borgia, Historiendarstellung, Serienforschung, Qualitätsserie, Sexualität, Gewalt, Geschichtsforschung, Legendenbildung, TV-Produktion
Die Arbeit untersucht die TV-Serie Borgia und analysiert, inwieweit die Serie das historische Leben der Familie Borgia authentisch darstellt oder ob sie den Stoff gezielt für transgressive Inszenierungen nutzt.
Die zentralen Themen sind der historische Borgia-Mythos, die Analyse von Geschichtsdarstellungen in modernen Serien sowie die ästhetischen Merkmale des zeitgenössischen „Qualitätsfernsehens“.
Das Ziel ist es, die Aussage des Serienschöpfers Tom Fontana („96 Prozent beruhen auf Tatsachen“) zu überprüfen und zu klären, ob er den Historienstoff zur Wahrheitsvermittlung oder zur Inszenierung von Provokation einsetzt.
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Aufarbeitung des Borgia-Mythos mit einer analytischen Untersuchung der TV-Serie, wobei die Serie auf inhaltlicher und formaler Ebene gegen den Forschungsstand der Geschichtswissenschaft geprüft wird.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Elemente „Sex“ und „Crime“. Dabei werden einzelne Aspekte wie das Verhältnis zu Frauen, Nepotismus, Morde und Giftmorde detailliert analysiert und bewertet.
Borgia, Mythos, Transgression, Historiendarstellung, Qualitätsserie, Sexualität, Gewalt, Geschichtsforschung und Serienästhetik.
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Serie den Historienstoff zwar als Rahmen nutzt, aber dramaturgische Freiheiten und bewusste Mythenbildungen vornimmt, um den Anforderungen eines modernen TV-Formats zu entsprechen.
Weil der skandalöse Stoff der Borgia ideal in die erzählerischen und ästhetischen Schemata der neuen US-Qualitätsserien passt, die gezielt mit Tabubrüchen arbeiten, um sich von konventionellen Produktionen abzuheben.
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