Bachelorarbeit, 2016
51 Seiten, Note: 1,0
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
I. Einleitung
II. Wie ‘funktioniert’ Symbolik? Assoziative Wirkung und ‘invention of tradition’
III. Die Ursprünge der völkischen Bewegung: Feuerkreuze und Lichtgebete
1. Steinbruch der Ideologien: Die Theosophie und ihre Bildsprache
2. Faszination der Runen. Die österreichische Ariosophie
3. Im Zeichen des Lebensbaums: Die deutsche Lebensreformbewegung
4. Völkische Kunst. Das Beispiel Fidus
IV. Das Ende der Esoterik. Vom Hexagramm zum Davidstern in Weimar
1. Logen des Antisemitismus: Der Germanenorden
2. Hakenkreuz und Co. in der völkischen Wissenschaft
3. Orden und Abzeichen. Die Militarisierung der Bevölkerung
4. “Heil und Sieg” - Das Vermächtnis der Thule-Gesellschaft an die NSDAP
V. Symbole im Dritten Reich - Trademarks eines Staates
1. Die Omnipräsente: Swastika-Effekt
2. Weisthors Visionen. Heinrich Himmler und sein Magus
VI. Schlusswort
Die vorliegende Arbeit untersucht die sozio-politische Funktion und Wirkungsweise von Symbolen innerhalb der völkischen Bewegung in Deutschland vom 19. Jahrhundert bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung. Das Ziel besteht darin, zu ergründen, warum diese Bewegung willkürlich gewählten Bildern wie der Swastika ein solch hohes identitätsstiftendes und propagandistisches Gewicht beimaß und wie Symbole genutzt wurden, um Gruppen zu konstituieren und soziale Realitäten durch die suggerierte Wiederbelebung einer mythischen Vergangenheit zu konstruieren.
II. Wie ‘funktioniert’ Symbolik? Assoziative Wirkung und ‘invention of tradition’
Der Brauch eines afrikanischen Stammes, den Dan Sperber in Über Symbolik wiederholt als Beispiel bemüht, ist das sich Auf-den-Kopf-Legen eines Stückes Butter. Die Handlung hat, wie jedem einleuchten wird, kein unmittelbares Ziel - im Gegenteil, die Butter, wertvolles Nahrungsmittel und sonst nur sparsam verwendet, wird ihrem alimentären Zweck entfremdet und in einem Akt krasser Verschwendung zerschmelzen lassen. Dass dieser Akt rein gar nichts bewirkt, ist demjenigen, der sich die Butter auf den Kopf legt, dabei genauso bewusst wie dem westlichen Beobachter: Er hat keinen praktischen Nutzen, dafür aber einen ganz kulturspezifischen symbolischen Sinn. Tatsächlich, so führt Sperber weiter aus, ist ein erkennbarer Zusammenhang mit einem praktischen Nutzen geradezu ein Ausschlusskriterium für symbolische Wirkung. Als symbolisch erklärt er nämlich jede Tätigkeit, bei welcher die ins Werk gesetzten Mittel in meinen Augen zu dem expliziten oder impliziten Zweck in deutlichem Missverhältnis zu stehen scheinen, unterliege dieser Zweck nun der Erkenntnis, der Kommunikation oder der Produktion; d.h. jede Tätigkeit, deren Grund mir entgeht.
Diesem Verständnis folgend muss man sich zwangsläufig die Frage nach der Daseinsberechtigung der Symbolik stellen. Wenn Symbole nicht ‘bewirken’, so könnte man annehmen, ‘bedeuten’ sie doch jedenfalls, in dem Sinne, dass der Weihnachtsmann Geschenke bedeutet, die Farbkombination gelb-schwarz Gefahr oder die Kammmuschel eine Tankstelle. Wenn diese Annahme zuträfe, so könnte man den Gedanken weiter spinnen und Symbolik eine ähnliche Funktionsweise unterstellen wie der Sprache. Durch Impulse die, anders als bei der Sprache, nicht verschriftlicht oder akustisch wahrnehmbar sein müssen, würde also Kommunikation nach vorbestimmten Regeln stattfinden.
I. Einleitung: Die Einleitung legt den Fokus auf die untersuchte Wirkweise von Symbolen und deren Rolle bei der Identitätsstiftung sowie der Ausgrenzung innerhalb der völkischen Bewegung.
II. Wie ‘funktioniert’ Symbolik? Assoziative Wirkung und ‘invention of tradition’: Dieses Kapitel beleuchtet theoretische Ansätze zur Symbolik, die nicht auf direkter Bedeutung, sondern auf kontextueller Assoziation und der bewussten Erfindung von Tradition beruhen.
III. Die Ursprünge der völkischen Bewegung: Feuerkreuze und Lichtgebete: Das Kapitel analysiert die Ursprünge der Bewegung durch theosophische und ariosophische Einflüsse, die Rolle der Lebensreform und künstlerische Ausdrucksformen.
IV. Das Ende der Esoterik. Vom Hexagramm zum Davidstern in Weimar: Hier wird die politische Radikalisierung und die Instrumentalisierung von Symbolen durch Bünde wie den Germanenorden sowie die völkische Wissenschaft untersucht.
V. Symbole im Dritten Reich - Trademarks eines Staates: Das Kapitel befasst sich mit der totalitären Übernahme und Standardisierung zentraler Symbole wie der Swastika sowie der Rolle von SS-Mystikern wie Weisthor.
VI. Schlusswort: Das Schlusswort resümiert, dass Symbole der völkischen Bewegung weniger eigene Bedeutung trugen, sondern als Projektionsfläche für Hoffnungen und Ängste dienten, um soziale Ordnung und Identität in Krisenzeiten zu stiften.
Völkische Bewegung, Symbolik, Identitätsstiftung, Ariosophie, Theosophie, Lebensreform, Nationalsozialismus, Swastika, Invention of Tradition, Antisemitismus, Mythos, Ideologie, Propaganda, Runensymbolik, Gruppenkonsens.
Die Arbeit untersucht, wie Symbole als Machtinstrumente der völkischen Bewegung und des Nationalsozialismus eingesetzt wurden, um Identität zu stiften und Massen zu mobilisieren.
Zentrale Felder sind die theoretische Symbolforschung, der Einfluss von Okkultismus und Theosophie, die Lebensreformbewegung, völkische Kunst sowie die politische Instrumentalisierung durch NS-Organisationen.
Das Ziel ist es zu ergründen, warum völkische Kreise willkürlichen Zeichen ein so hohes Gewicht beimaßen und wie diese dazu dienten, eine mythische, arische Gemeinschaft zu konstruieren.
Es handelt sich um eine historische und kulturwissenschaftliche Analyse, die Symboltheorien auf historische Kontexte anwendet, ergänzt durch die Untersuchung ideengeschichtlicher Kontinuitäten.
Der Hauptteil analysiert die Entstehung völkischer Symbolik aus spirituellen Quellen, deren Radikalisierung in der Weimarer Republik und ihre Etablierung als staatstragende Zeichen im Nationalsozialismus.
Begriffe wie „Völkische Bewegung“, „Swastika“, „Ariosophie“, „Invention of Tradition“ und „Identitätsstiftung“ sind für das Verständnis der Argumentation zentral.
Dieses Konzept ist entscheidend, um zu verstehen, wie völkische Gruppen fiktive historische Kontinuitäten erfanden, um ihren rassistischen Ideologien eine legitime, „uralte“ Basis zu geben.
Der Autor zeigt auf, wie Himmler den Mystiker Wiligut (Weisthor) nutzte, um der SS durch spezifische Rituale und Symbole einen exklusiven, pseudoreligiösen Kult-Charakter zu verleihen.
Im Gegensatz zur Sprache, die explizites Wissen erfordert, funktionieren Symbole wie die Swastika intuitiv und affektiv; ihre Deutung ist kontextabhängig und erlaubt eine ständige Neuaufladung.
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