Bachelorarbeit, 2014
61 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Vivian Maier
2.1 Vom Finden und Sammeln, Pt.1
2.2 Ihre Fotografien
2.2.1 Bildthemen
2.2.2 Kamera
2.2.3 Komposition
2.2.4 Einordnung ihrer Arbeiten in die Straßenfotografie
2.3 Biografie und Charakter
2.4 Selbstporträts
3. Rosalind Krauss: Das Photographische
3.1 Schatten und Verdopplungen
3.2 Schatten und die Seh-Prothese
4. Technologien des Unbewussten
4.1 Der seelische und der fotografische Apparat
4.2 Sigmund Freud und der Wunderblock
4.3 Freud und Platon in der dunklen Höhle
5. Susan Sontag: Über Photographie
5.1 In Platos Höhle
5.2 Vom Finden und Sammeln, Pt. 2
6. Schluss
Diese Arbeit widmet sich der fotografischen Hinterlassenschaft von Vivian Maier, um ihr Werk durch eine medien- und fototheoretische Analyse zu entschlüsseln. Dabei steht insbesondere die Untersuchung ihrer Selbstporträts im Fokus, wobei anhand von Theorien von Sigmund Freud, Rosalind Krauss und Susan Sontag die Zusammenhänge von Fotografie, Wahrnehmung und Bewusstsein erforscht werden.
2.2.1 Bildthemen
Der Meister des entscheidenden Augenblicks, Henri Cartier-Bresson, der das scheinbar zufällig vorgefundene, alltägliche Straßengeschehen zu einer klaren Komposition verdichtete, war davon überzeugt, dass ein Fotograf ein wahrheitsgetreues Bild eines Menschen nur schaffen kann, wenn er diesen in einer alltäglichen Situation erlebt hat. Genau dies bestätigen die prägnantesten Motive von Vivian Maier: „eilige Passanten, plärrende Kinder, erschöpfte Straßenarbeiter oder traurig zusammengefaltete Menschenbündel an der Ecke“ im New York und Chicago der 1950er und 60er Jahre.
„Maier machte keinen Unterschied, ob vor der Linse ihrer Rolleiflex eine pelzumschlungene und mit Schmuck behängte Dame der High Society der Fotografin einen arroganten Blick von oben zuwarf, ein zahnloser Bahnarbeiter unter dem Schatten seiner Schiebermütze mit ihr flirtete […] Alles war motivwürdig, weil es von der Fotografin perfekt ins Bild gesetzt wurde.“
Sie schien einen unbestechlichen Blick für den perfekten Moment gehabt zu haben, in dem sie den Auslöser ihrer Rolleiflex betätigen musste, um ihre außergewöhnliche Fähigkeit zu zeigen, sich mühelos mit Menschen zu identifizieren und eine Verbindung zu ihnen aufzubauen. Dabei starrt sie nicht, verurteilt nicht, kreiert keine Karikaturen. Sie entwickelte ihren eigenen, individuellen Stil, komponierte aufrichtige Bilder, die den Betrachter in ein Gefühl von Staunen und Kuriosität versetzen. Es scheint, als ob ihre Aufnahmen die Menschen demaskieren würden, als könnte sie mit ihrer Kamera unter die Oberfläche ihrer Haut sehen und dieses unverwechselbare Gefühl vermitteln, wir würden die Person so sehen, wie sie wirklich ist. „Somehow she found the decisive moment, the instant her camera revealed something true and telling about life.“ Die entscheidenden Momente, die Vivian Maier anscheinend instinktiv im alltäglichen Leben fand, waren Augenblicke des Lebens, die die Menschen in ihrer Umgebung nicht bemerkten. Oder auch Dinge und Momente, die jeder sieht, aber als zu gewöhnlich beiseite schiebt. Vivian Maier fand tausendfach den richtigen Augenblick zur Betätigung des Auslösers, um das, was andere Augen schon gesehen haben, auf eine neue Weise zu entdecken.
1. Einleitung: Vorstellung des Fundes von Vivian Maiers Werk und Definition der Forschungsfrage unter Einbeziehung medientheoretischer Aspekte.
2. Vivian Maier: Detaillierte Betrachtung der Biografie, der Kamera-Nutzung, der Straßenszenen und der Besonderheiten ihrer Selbstporträts.
3. Rosalind Krauss: Das Photographische: Theoretische Auseinandersetzung mit der Rolle der Fotografie als Dokumentation und Bedeutung von Schatten sowie Verdopplungen.
4. Technologien des Unbewussten: Analyse der engen Korrespondenz zwischen technischen Medien und psychischen Funktionen, insbesondere durch die Analogie zum Wunderblock.
5. Susan Sontag: Über Photographie: Auseinandersetzung mit Sontags Höhlengleichnis-Metapher und dem surrealistischen Charakter der Fotografie als Archivierung des Alltags.
6. Schluss: Zusammenführung der theoretischen Perspektiven und Fazit zur Bedeutung von Maiers Werk für das Verständnis von Fotografie und Zeitlichkeit.
Vivian Maier, Fotografie, Straßenfotografie, Selbstporträt, Sigmund Freud, Rosalind Krauss, Susan Sontag, Surrealismus, Wunderblock, Wahrnehmung, Bewusstsein, Rolleiflex, Unbewusstes, Zeitlichkeit, Analoge Fotografie.
Die Arbeit untersucht das Werk der Fotografin Vivian Maier und analysiert es unter Berücksichtigung verschiedener fototheoretischer Schriften, um die Bedeutung ihrer Bilder im Kontext von Wahrnehmung und Technik zu verstehen.
Zentrale Themen sind die Straßenfotografie, die Biografie und Persönlichkeit Vivian Maiers, die Rolle der Kamera als Instrument und die philosophische bzw. psychologische Betrachtung der Fotografie.
Das Ziel ist es, das Mysterium Vivian Maier durch fototheoretische Literatur zu ergründen und aufzuzeigen, wie sie mittels ihrer Technik und ihrer speziellen Bildsprache Realität und Unbewusstes visualisierte.
Es wird eine medien- und fototheoretische Literaturanalyse durchgeführt, die die Arbeiten von Autoren wie Freud, Krauss, Sontag und Benjamin auf das fotografische Werk Vivian Maiers anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine biografische Einordnung, eine Analyse der Komposition und Technik ihrer Aufnahmen sowie die theoretische Fundierung durch verschiedene Medienphilosophen.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Surrealismus, Selbstporträt, technische Medien und psychoanalytische Ansätze zur Fotografie charakterisiert.
Der Wunderblock dient als Analogie für das menschliche Gedächtnis und den Wahrnehmungsapparat, was in der Arbeit genutzt wird, um die "Sammelleidenschaft" und das unendliche Festhalten von Augenblicken durch Maier zu erklären.
Dieses Thema beleuchtet, wie die Kamera nicht nur ein Werkzeug ist, sondern als Erweiterung der Sinnesorgane fungiert und somit die Beziehung zwischen Mensch, Welt und Bewusstsein massiv beeinflusst.
Die Selbstporträts sind zentral, da sie Maier nicht nur als Fotografin zeigen, sondern durch ihre Spiegelungen und Reflexionen eine surrealistische Ebene eröffnen, die tiefere Rückschlüsse auf ihr Wesen zulässt.
Die Arbeit betont, dass die Unterscheidung zwischen amateurhaft und professionell im Bereich der Fotografie kaum sinnvoll ist, da Maiers Werk eine handwerkliche Qualität besitzt, die sie mit großen Meistern gleichstellt.
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