Magisterarbeit, 2005
97 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Wahrheitskommissionen zwischen Anspruch und Realität
2.1 Entwicklung von Wahrheitskommissionen als vergangenheitspolitisches Instrument
2.2 Erwartungen an die Kommission
2.3 Zentrale Kategorien der Vergangenheitsaufarbeitung
2.3.1 Konfrontation mit vergangenen Verbrechen
2.3.2 Wahrheit und Versöhnung
2.3.3 Wahrheitskommissionen vs. juristische Strafverfolgung
2.4 Im Innern der Kommission: Probleme und praktische Umsetzung
2.4.1 Entstehungsbedingungen
2.4.2 Zusammensetzung
2.4.3 Methoden und Arbeitsablauf
3. Guatemala: Vom Bürgerkrieg zum Friedensprozess
3.1 Gesellschaftspolitische Situation
3.2 Konfliktursachen
3.2.1 Konquista und Kolonialzeit
3.2.2 Liberale Reformzeit – Beginn der „Bananenrepublik“
3.2.3 Demokratischer Frühling
3.3 Der bewaffnete Konflikt
3.3.1 Entstehung der Guerilla
3.3.2 Die „Politik der verbrannten Erde“
3.3.3 Demokratische Öffnung
4. Einsetzung einer Wahrheitskommission in Guatemala
4.1 Der Kampf um das lebendige Wiedererscheinen der „Verschwundenen“
4.2 Die Wahrheitskommission in den Friedensverhandlungen
4.2.1 Die Ausgangslage
4.2.2 Die erste Phase der Friedensverhandlungen
4.2.3 Die UN als Vermittler im Friedensprozess
4.2.4 Kritik an der Vertragsunterzeichnung
4.2.5 Der Friedensschluss
5. Offizielle Wahrheitsfindung: „Comisión para el Esclarecimiento Histórico“ (CEH)
5.1 Struktur und Arbeitsweise
5.1.1 Aufgabenstellung
5.1.2 Zusammensetzung
5.1.3 Rechtliche Verankerung
5.1.4 Zeitlicher Rahmen
5.1.5 Methodik und Beweisfindung
5.2 Das Verbot, Namen zu nennen
5.3 Reaktionen von Regierung, Militär und Guerilla
5.4 Der Abschlussbericht „Memoria del Silencio“
5.4.1 Inhalte und Schlussfolgerungen
5.4.2 Der öffentliche Akt und seine Folgen
5.5 Bleibende Effekte
6. Inoffizielle Wahrheitsfindung: „Recuperación de la Memoria Histórica“ (REMHI)
6.1 Der Akteur katholische Kirche
6.2 Entwicklung der Projektidee
6.3 Struktur und Arbeitsweise
6.3.1 Zusammensetzung
6.3.2 Die animadores
6.3.3 Methodik und Beweisfindung
6.3.4 Reaktionen von Militär, Regierung und Guerilla
6.4 Der Abschlussbericht „Nunca más“
6.4.1 Inhalte und Schlussfolgerungen
6.4.2 Der öffentliche Akt und seine Folgen
6.4.3 Bleibende Effekte
7. Hoffnung auf Versöhnung: Was können Wahrheitskommissionen erreichen?
Die Arbeit untersucht die Wirksamkeit von Wahrheitskommissionen bei der Aufarbeitung schwerer Menschenrechtsverletzungen am Beispiel Guatemalas. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwieweit offizielle und inoffizielle Wahrheitskommissionen die an sie gestellten Ansprüche erfüllen können und von welchen strukturellen Bedingungen ihre Handlungschancen abhängen.
2.3.1 Konfrontation mit vergangenen Verbrechen
Was tut ein Land mit einer gewalttätigen Vergangenheit und aus welchem Grund soll eine Gesellschaft sich mit vergangenem Unrecht auseinandersetzen? Schließlich lässt sich Vergangenes nicht rückgängig machen, wie Bernhard Schlink betont.
„Was vergangen ist, kann nicht bewältigt werden. Es kann erinnert, vergessen oder verdrängt werden. Es kann gerächt, bestraft, gesühnt und bereut werden. Es kann wiederholt werden, bewußt oder unbewußt. Es kann in seinen Folgen betroffen werden, so daß es sich auf Gegenwart oder Zukunft nicht oder nicht in bestimmter Weise oder gerade in bestimmter Weise auswirkt. Aber was geschehen ist, ist geschehen. Das Vergangene ist unerreichbar und unveränderbar. Bewältigung im eigentlichen Sinn, wie man eine Aufgabe bewältigt, die zunächst vor einem steht, dann bearbeitet wird, durch die Bearbeitung ihre Gestalt verändert und schließlich erledigt ist und als Aufgabe verschwindet, gibt es bei Vergangenem nicht.“ (Schlink 1998, S. 433)
Wenn die Vergangenheit nicht bewältigt werden kann, ist es dann nicht besser, sich auf die Zukunft zu konzentrieren und einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen? Die Antwort ist nein, denn die Idee, einen Schlussstrich zu ziehen und von vorne anzufangen verkennt, dass die Vergangenheit sich auf die Gegenwart auswirkt. Da ist zum einen die Realität der Opfer, die mit ihren Erinnerungen an Gewalterfahrungen leben müssen und die als ein Teil der Gesellschaft weiterexistieren. Was heißt es für die Opfer, wenn ihnen gesagt wird, vergesst, was euch widerfahren ist, denn schließlich ist es vorbei und wir müssen in die Zukunft schauen? Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie durch diese Aufforderung ihr psychisches Trauma überwinden, den Mord an Familienmitgliedern hinnehmen und aufhören, nach verschwundenen Angehörigen zu suchen. Sie bringen ihre Erfahrungen auch in die zukünftige Gesellschaft ein und diese drücken sich beispielsweise aus in Misstrauen gegenüber den Gruppen, welche für die Gewalt verantwortlich waren, in einem Rückzug aus dem politischen Leben, oder in einem Anstieg der Gewalt, die oft nach einem Bürgerkrieg nicht abnimmt, sondern lediglich ihre Form ändert.
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Konzept der Wahrheitskommissionen als Instrument der Vergangenheitsbewältigung und stellt die Forschungsfrage nach deren Handlungschancen im Kontext politischer Transitionen.
2. Wahrheitskommissionen zwischen Anspruch und Realität: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen und die typischen Merkmale von Wahrheitskommissionen sowie die damit verbundenen gesellschaftlichen Erwartungen.
3. Guatemala: Vom Bürgerkrieg zum Friedensprozess: Das Kapitel analysiert die komplexen Ursachen des bewaffneten Konflikts in Guatemala, unter besonderer Berücksichtigung der gesellschaftspolitischen Marginalisierung der indigenen Bevölkerung.
4. Einsetzung einer Wahrheitskommission in Guatemala: Hier wird der politische Aushandlungsprozess zur Etablierung einer Wahrheitskommission innerhalb der Friedensverhandlungen unter dem Einfluss nationaler und internationaler Akteure dargestellt.
5. Offizielle Wahrheitsfindung: „Comisión para el Esclarecimiento Histórico“ (CEH): Dieses Kapitel widmet sich der Struktur, Arbeitsweise und den Ergebnissen der offiziellen staatlichen Wahrheitskommission CEH.
6. Inoffizielle Wahrheitsfindung: „Recuperación de la Memoria Histórica“ (REMHI): Hier wird das durch die katholische Kirche initiierte inoffizielle Projekt analysiert, das einen komplementären Ansatz zur offiziellen Aufarbeitung verfolgte.
7. Hoffnung auf Versöhnung: Was können Wahrheitskommissionen erreichen?: Das Fazit fasst die Handlungschancen der beiden Kommissionen zusammen und reflektiert über die Möglichkeiten und Grenzen einer Wahrheitsfindung nach schwerer staatlicher Gewalt.
Wahrheitskommissionen, Guatemala, Vergangenheitsbewältigung, Menschenrechtsverletzungen, Friedensprozess, Zivilgesellschaft, CEH, REMHI, Militärdiktatur, Transitional Justice, Versöhnung, indigene Bevölkerung, Straflosigkeit, Erinnerungskultur, Aufklärung.
Die Arbeit analysiert die Rolle und Wirksamkeit von Wahrheitskommissionen als Instrumente zur Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen in post-konfliktären Gesellschaften, speziell in Guatemala.
Die Themen umfassen die rechtlichen und politischen Voraussetzungen für Wahrheitskommissionen, die spezifischen Ursachen des guatemaltekischen Bürgerkriegs sowie die praktische Arbeitsweise offizieller und inoffizieller Wahrheitsfindungsprojekte.
Die Autorin untersucht, inwiefern eine Wahrheitskommission die an sie gestellten gesellschaftlichen Ansprüche erfüllen kann und in welchem Maß dies von strukturellen politischen Bedingungen des jeweiligen Landes abhängig ist.
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die theoretische Konzepte zur Vergangenheitsbewältigung mit der empirischen Untersuchung zweier guatemaltekischer Fallbeispiele (CEH und REMHI) vergleicht.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, eine historische Analyse der Konfliktursachen in Guatemala, die Beschreibung des Einsetzungsprozesses der Kommissionen sowie eine detaillierte Auswertung von Struktur, Methoden und Berichten der CEH und REMHI.
Wahrheitskommissionen, Vergangenheitsaufarbeitung, Transitional Justice, Straflosigkeit, Menschenrechte und gesellschaftliche Versöhnung sind die zentralen Begriffe.
Die CEH war offiziell durch Friedensverträge mandatiert und adressierte staatliche Akteure, während REMHI ein inoffizielles, kirchlich getragenes Projekt war, das stärker die Opferperspektive und psychosoziale Aspekte in den Mittelpunkt stellte.
Die animadores waren nicht-professionelle Interviewer aus den betroffenen Gemeinschaften, die aufgrund ihrer sozialen Verwurzelung das Vertrauen der Opfer genossen und somit eine tiefere qualitative Dokumentation der Leidensgeschichten ermöglichten.
Das starke verbleibende Machtpotenzial des Militärs schränkte beide Kommissionen ein, etwa durch das Verbot der Nennung von Täternamen oder mangelnde Kooperationsbereitschaft staatlicher Institutionen bei der Beweismittelherausgabe.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

