Diplomarbeit, 2002
95 Seiten, Note: 1
Psychologie - Klinische Psychologie, Psychopathologie, Prävention
1. Einleitung
1.1 Einordnung des Begriffs der „psychischen Krankheit“ / „Schizophrenie“ unter gesellschaftlichen und subjektiven Aspekten
1.2 Eigene Einschätzung von Normalität und Abweichung:
2. Definition von den Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis
2.1. Theoretische Ansätze für die Diplomarbeit
3. Bindungstheorie
3.1. Bindungstypen
3.2 Bindungsrepräsentanzen bei Kindern
3.3 Bindungstheorie und Psychoanalyse
4. Affekttheorie
5. Zusammenfassung der Studien
5.1 Häufigkeit schizophrener Erkrankungen, Erkrankungsrisiko der Kinder schizophrener Eltern in Bezug auf Schizophrenie
5.2 Häufigkeit der psychischen Störungen/Auffälligkeiten
5.3 Evaluierte psychische Störungen
5.4 Zusammenfassung und Vergleich der Interpretationen: Quantitative Aspekte
5.5 Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse: Qualitative Aspekte
6. Zentrale Probleme der Kinder schizophrener Eltern und Mechanismen der Beziehung
7. Therapieansätze und Erreichbarkeit der Kinder
8. Zusammenfassung, Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologische Entwicklung von Kindern, deren Eltern an einer chronischen Schizophrenie erkrankt sind. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche Mechanismen und Beziehungsprozesse zwischen dem Kind und dem psychotischen Elternteil die Entwicklung des Kindes maßgeblich beeinflussen, anstatt sich lediglich auf isolierte Risiko- oder Schutzfaktoren zu konzentrieren.
1. Einleitung
Die Motivation für diese Diplomarbeit ergab sich aus dem Kontakt mit Kindern von Eltern mit einer schizophrenen Erkrankung während meines Halbjahrespraktikums im Zentralen Psychologischen Dienst in der Kinderklinik des Zentralkrankenhauses X.
Diese Motivation birgt aber in sich schon die Gefahr für einen systematischen Fehler. Da ich als persönliches Erlebnis Kinder gesehen hatte, die ihr psychisches verbunden mit einem physischen Leiden sogar in ein Krankenhaus geführt hatte, besteht das Risiko der Vorannahme, alle Kinder von Eltern mit genannter Störung entwickelten Psychopathologien. Bei der Literaturrecherche für das Thema bin ich oft an dieses Vorurteil erinnert worden, weil sich die meisten Studien mit Kindern befassen, die schon in irgendeiner Weise psychische Störungen entwickelt haben, oder sie werden als sog. "High-Risk“-Kinder in den dazugehörigen Studien stigmatisiert.
Ich werde versuchen, die psychologische Entwicklung der Kinder von chronisch schizophrenen Eltern zu beschreiben. Dabei geht es mir nicht so sehr um Risiko- oder Schutzfaktoren in Bezug auf die Entwicklung eines Leidens, sondern mehr um den Mechanismus, die Vorgänge, die sich bei der Beziehung zwischen Kind und Eltern abspielen. Dabei verwende ich zwei entwicklungspsychologische Theorien, die am wichtigsten für die Erklärung der Probleme der Kinder zu sein scheinen: a) die Bindungstheorie b) die Affekttheorie.
1. Einleitung: Erläutert die Motivation der Arbeit, die Problematik der Stigmatisierung von "High-Risk-Kindern" und stellt die bindungstheoretischen sowie affekttheoretischen Ansätze vor.
2. Definition von den Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis: Gibt einen Überblick über die psychiatrische Begriffsentwicklung und theoretische Erklärungsansätze für die Störung.
3. Bindungstheorie: Beschreibt die Grundlagen der Bindungstheorie nach John Bowlby und die empirische Erforschung von Bindungsmustern, insbesondere bei Kindern schizophrener Eltern.
4. Affekttheorie: Erörtert die Bedeutung von Affekten in der frühen Kindheit und ihre Funktion als zentrale Elemente der zwischenmenschlichen Kommunikation und Bindungsregulierung.
5. Zusammenfassung der Studien: Bietet eine quantitative und qualitative Übersicht über verschiedene Studien zu Häufigkeit, Symptomatik und elterlichen Lebensumständen.
6. Zentrale Probleme der Kinder schizophrener Eltern und Mechanismen der Beziehung: Analysiert die komplexen Beziehungsmuster und die psychischen Herausforderungen in der kindlichen Entwicklung.
7. Therapieansätze und Erreichbarkeit der Kinder: Diskutiert Barrieren in der Behandlung und die Notwendigkeit, Kinder von psychisch kranken Eltern als eigenständige Klienten in den Blick zu nehmen.
8. Zusammenfassung, Fazit und Ausblick: Fasst die Ergebnisse zusammen und formuliert die Forderung nach einer stärkeren Einbeziehung der Familie in den therapeutischen Prozess.
Schizophrenie, Kinder schizophrener Eltern, Bindungstheorie, Affekttheorie, Psychopathologie, Eltern-Kind-Beziehung, Identitätsfindung, Stigmatisierung, Entwicklungspsychologie, Psychose, Affektregulierung, Schutzfaktoren, High-Risk-Kinder, Psychoanalyse, Familieninteraktion.
Die Arbeit untersucht die psychologische Entwicklung von Kindern, die bei psychotischen Eltern aufwachsen, und fokussiert dabei auf die Interaktionsmechanismen innerhalb der Familie.
Die zentralen Themen sind die Bindungsentwicklung, die Affektregulierung sowie die Auswirkungen der elterlichen Psychose auf die kindliche Identitätsbildung.
Das Ziel ist es, die spezifischen Beziehungsprozesse zu verstehen, die Kinder von schizophrenen Eltern prägen, und aufzuzeigen, wie diese zur Entwicklung von Störungen beitragen können.
Die Autorin stützt sich primär auf die Bindungstheorie, die Affekttheorie sowie psychoanalytische Konzepte der Objektbeziehungstheorie.
Der Hauptteil umfasst eine kritische Zusammenfassung zahlreicher Forschungsstudien sowie eine tiefgehende Analyse der Beziehungsprobleme und Identitätskrisen der betroffenen Kinder.
Zentrale Begriffe sind das "desorganisierte Bindungsmuster", "Affektspiegelung", "Parentifizierung" sowie das Dilemma zwischen der notwendigen Abgrenzung und der symbiotischen Identifikation.
Der gesunde Elternteil wird oft als potenzieller protektiver Faktor gesehen, wobei die Arbeit kritisch beleuchtet, dass auch dieser häufig überfordert ist und die Kinder oft in Erwachsenenrollen drängt.
In retrospektiven Interviews beschreiben die Kinder häufig ein tiefes Schweigen, Schamgefühle und ein Gefühl der Isolation, da die psychische Krankheit des Elternteils innerhalb der Familie selten offen kommuniziert wurde.
Ja, die Arbeit fordert eine stärkere Einbeziehung der Familienangehörigen in den Behandlungsprozess und eine bessere Aufklärung der Kinder über die Erkrankung ihrer Eltern, da dies einen wichtigen Schutzfaktor darstellt.
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