Magisterarbeit, 1996
87 Seiten, Note: gut
I Einleitung
II Darstellender Teil
1. Die frühneuzeitliche Stadt im Spiegel der Forschung
2. Die Verwaltungsstrukturen in Bielefeld
2.1. Vor der Reform von 1719
2.2. Die Reform von 1719
3. Die "Professionalisierung frühneuzeitlicher Stadtverwaltungen"
4. Quellenlage und Methode
III Auswertung des Quellenmaterials
1. Das Sozialprofil der Gruppe
2. Die Juristen innerhalb der Gruppe
3. Die Bedeutung verwandtschaftlicher Beziehungen
3.1. Verwandtschaftliche Protektion
3.2. Genealogische Darstellung der verwandtschaftlichen Beziehungen
4. Die Bürokratisierung der Verwaltung
4.1. Die Rekrutierung neuer Ratsmitglieder
4.2. Die Professionalisierung des Verwaltungsablaufes
4.3. Das Zusammenspiel städtischer und staatlicher Behörden
IV Zusammenfassung
Die Untersuchung analysiert die städtische Verwaltung Bielefelds im 18. Jahrhundert, um den Prozess der Professionalisierung und das Verhältnis des Stadtbürgertums zum absolutistischen Staat zu klären, wobei der Fokus auf einer prosopographischen Analyse der städtischen Führungsschicht liegt.
Die frühneuzeitliche Stadt im Spiegel der Forschung
Im Gegensatz zur mittelalterlichen Stadt war die Geschichte der Stadt in der Frühen Neuzeit bislang kein zentrales Objekt der Stadtgeschichtsforschung. Im Vergleich mit der „Blütezeit“ der Städte im Mittelalter, die ihrem Landesherrn im Verlauf langwieriger Auseinandersetzungen Rechte und Privilegien abringen konnten und dadurch zu einer weitgehend autonomen politischen Stellung gelangten, erschienen die ihrer Selbständigkeit weitgehend beraubten Städte der Frühen Neuzeit als unattraktiv. Ein weiterer Grund für die Marginalisierung der frühneuzeitlichen Stadt in der bisherigen Forschungsgeschichte ist sicherlich in der zunehmenden Heterogenität zu suchen, die das Bild der Stadt in dieser Epoche prägt und die generalisierende Aussagen erschwert. Zwar stellen sich das äußere Erscheinungsbild der Städte sowie ihr wirtschaftliches und soziales Gefüge im Vergleich zum Mittelalter nahezu unverändert dar. Im Verhältnis der Stadt zum Territorialstaat kam es hingegen zur Ausbildung unterschiedlichster Herrschafts- und Abhängigkeitsbeziehungen.
Das Spektrum reicht von der sich selbst regierenden Reichsstadt, die mit ihren Zuständigkeiten für die Finanzverwaltung, Rechtsprechung, Wehrhoheit, Bündnis- und Statuarrecht den Territorialstaaten gleichgestellt war, bis hin zur völlig dem Landesherrn unterworfenen Residenzstadt, „in der die autonome Stadtverwaltung nur noch auf wenige marginale Bereiche reduziert erscheint“.
Zu dem am häufigsten vorkommenden Städtetyp – zu dem auch Bielefeld zählt –, der in den fürstlichen Territorialstaat eingegliederten Landstadt, verbleiben zahlreiche offene Fragen das Ausmaß staatlicher Einflußnahme betreffend. In der älteren historischen Forschung, und hier verweise ich auf die Arbeiten Gustav Schmollers, Hugo Preuss` und Otto Hintzes, war das Bild der Stadt im 17. und 18. Jahrhundert geprägt von Niedergang und zunehmender Bevormundung durch die Landesherren. Einen wichtigen Grund für diese Entwicklung sah Gustav Schmoller in der allmählichen Oligarchisierung der Ratsherrschaft, die eine politische Beteiligung der meisten Stadtbürger am Gemeinwesen unmöglich gemacht habe. Die Verheerungen durch die Kriege des 17. Jahrhunderts – vor allem des Dreißigjährigen Krieges – und die damit einhergehende Verschuldung fast aller Städte sollen diesen Prozeß beschleunigt haben. An seinem Ende stand, so Schmoller, Stagnation und Verkrustung der politischen Verhältnisse im Innern und der Verlust der politischen Selbständigkeit.
I Einleitung: Definiert den Untersuchungsgegenstand, die prosopographische Analyse der Bielefelder Führungsschicht im 18. Jahrhundert und die Forschungsfragen zum Professionalisierungsprozess.
II Darstellender Teil: Erörtert die frühneuzeitliche Stadt im Forschungsdiskurs, die spezifischen Verwaltungsstrukturen in Bielefeld vor und nach der Reform von 1719 sowie den Professionalisierungsbegriff.
III Auswertung des Quellenmaterials: Untersucht das Sozialprofil der Führungsgruppe, die Rolle der Juristen, die Bedeutung familiärer Netzwerke und die zunehmende Bürokratisierung der Verwaltung.
IV Zusammenfassung: Fasst die Ergebnisse zusammen, wonach der Professionalisierungsprozess eher partiell verlief und traditionelle oligarchische Strukturen in Bielefeld weiter bestanden.
Bielefeld, 18. Jahrhundert, städtische Verwaltung, Absolutismus, Prosopographie, Führungsschicht, Professionalisierung, Bürokratisierung, Leinenhandel, Magistrat, Ratsherren, Verwandtschaftsnetzwerke, Verwaltungsreform, Preußen, Sozialstruktur.
Die Arbeit analysiert die städtische Verwaltung von Bielefeld im 18. Jahrhundert, um deren Entwicklung unter dem Druck des preußischen Absolutismus zu untersuchen.
Im Zentrum stehen die Verwaltungsstrukturen, die Rolle der politischen Elite, das Wirken von verwandtschaftlichen Netzwerken und der Prozess der Bürokratisierung.
Es wird untersucht, ob sich in Bielefeld bereits Strukturen einer "modernen Bürokratie" abzeichneten oder ob ein traditionelles, durch Nepotismus geprägtes Politikmodell dominierte.
Der Autor nutzt eine prosopographische Methode, um die biographischen Daten und Beziehungsgeflechte der Mitglieder der städtischen Führungsschicht systematisch zu erfassen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung der historischen Rahmenbedingungen, die Reform von 1719, eine detaillierte Auswertung des Sozialprofils der Gruppe und die Analyse von Korruptions- und Professionalisierungserscheinungen.
Wichtige Begriffe sind Bielefeld, Absolutismus, Professionalisierung, Bürokratisierung, Führungsschicht, Leinenhandel und verwandtschaftliche Netzwerke.
Die Reform führte zu einer Verkleinerung des Magistrats, einer stärkeren staatlichen Kontrolle durch Einführung der Akzise und einer neuen Aufgabenverteilung unter den Verwaltungsbeamten.
Die Studie zeigt, dass familiäre Verbindungen (Protektion) eine wesentliche Rolle bei der Rekrutierung und Besetzung von Ratsstellen spielten, was auf ein starkes Beharrungsvermögen traditioneller Strukturen hindeutet.
Juristen besetzten zwar Schlüsselpositionen, waren jedoch in die traditionelle Elite eingebunden, wobei für die Mehrheit der Amtsgeschäfte eher Grundkenntnisse als eine akademische Promotion entscheidend waren.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Professionalisierungsprozess nur in Teilbereichen stattfand und nicht als grundlegende Transformation, sondern als Anpassung der traditionellen Eliten an neue staatliche Vorgaben zu verstehen ist.
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