Bachelorarbeit, 2013
34 Seiten, Note: 1,3
1.0 Einleitung und Ziel der Arbeit
2.0 Die Geschichte des Ayurvedas und seiner Pharmaindustrie
3.0 Die ayurvedische Pharmaindustrie
4.0 Standardisierung, Qualität und Produktion ayurvedischer Medikamente
4.1 Kategorisierung indischer Medikamente
4.2 Der Produktionsprozess
4.3 Qualität und Standardisierung ayurvedischer Medikamente
5.0 Biopiraterie der ayurvedischen Pharmaindustrie
6.0 Marketingstrategien indischer Pharmakonzerne und die entsprechende Zielgruppe
6.1 Großmutters Küche und die „Moderne“
6.2 Kulturelle Muster, Ängste und Spiritualität
6.3 Die Funktion moderner ayurvedischer Pharmazeutika
7.0 Auswirkungen der Kommerzialisierung
7.1 Auswirkungen auf sozial Schwächere
7.2 Die Institution des Vaidyas
7.3 Auswirkungen auf den Patienten
8.0 Die wissenschaftliche Nutzbarmachung der ayurvedischen Pharmazie
9.0 Fazit
10.0 Bibliographie
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die weitreichende Kommerzialisierung des ayurvedischen Medizinsystems in Indien. Ziel ist es, die Mechanismen aufzuzeigen, durch die die ayurvedische Pharmaindustrie traditionelles Wissen in eine profitorientierte Marktlogik transformiert und welche sozialen sowie gesundheitspolitischen Auswirkungen dies für die Bevölkerung und die traditionelle Rolle des Vaidyas hat.
4.2 Der Produktionsprozess
Die Hinwendung der Pharmaunternehmen zu massentauglichen Präparaten veränderte das Ayurveda, und im Speziellen seinen pharmazeutischen Bereich, nachhaltig. Um mit der Biomedizin konkurrieren zu können, nahm man sich die etablierten Pharmaunternehmen zum Vorbild. Produktion, Marketing und Forschung mussten verändert werden.
Ayurvedische Medizin herzustellen ist sehr zeitaufwendig. So gibt es in den „klassischen“ Texten Formeln, welche einen Arbeitsschritt hunderte Male wiederholen ehe das Endprodukt fertig gestellt ist. Solche Produktionsprozesse sind für die Massenproduktion zu kostspielig und zeitaufwendig (vgl. Bode 2008: 135). Es werden also nur solche Formeln von der ayurvedischen Pharmaindustrie bearbeitet, welche nach modernen Produktionsmethoden hergestellt und vermarktet werden können. Dies führt unweigerlich dazu, dass ein breiter Teil an medizinisch nutzbaren Rezepten und Formeln in Vergessenheit gerät, da ihre Produktion keinen Profit erwarten lässt.
Auch verändert sich häufig der Anwendungsbereich einer Formel. Bestand z.B. die „traditionelle“ Formel dashamularishta aus insgesamt 27 Zutaten und wurde als Medikament gegen Vata oder „Windkrankheiten“ verabreicht, so wird die selbe Formel heute von den Pharmaunternehmen als post-partales Tonikum vermarktet (vgl. Bode 2008: 138). Weder die Inhaltsstoffe noch der Anwendungsbereich entsprechen dabei der „klassischen“ Formel. Es findet also eine Bedeutungsverschiebung statt.
1.0 Einleitung und Ziel der Arbeit: Einführung in die ökonomische Logik hinter der Kommerzialisierung des Ayurveda und Darstellung der zentralen Forschungsfragen.
2.0 Die Geschichte des Ayurvedas und seiner Pharmaindustrie: Analyse der historischen Entwicklung des Ayurveda als synkretistisches System und seiner Transformation im kolonialen und postkolonialen Indien.
3.0 Die ayurvedische Pharmaindustrie: Überblick über die Marktstrukturen, die ökonomische Bedeutung und die führenden Akteure in der indischen ayurvedischen Pharmabranche.
4.0 Standardisierung, Qualität und Produktion ayurvedischer Medikamente: Untersuchung der technischen Produktionsprozesse, der Kategorisierung von Medikamenten und der damit verbundenen Qualitätssicherungsprobleme.
5.0 Biopiraterie der ayurvedischen Pharmaindustrie: Beleuchtung des Raubbaus an Naturressourcen und der illegalen Aneignung von oral tradiertem Wissen für kommerzielle Zwecke.
6.0 Marketingstrategien indischer Pharmakonzerne und die entsprechende Zielgruppe: Beschreibung der Strategien, die auf kulturelle Muster, Ängste und das Bedürfnis nach Spiritualität der indischen Mittelschicht abzielen.
7.0 Auswirkungen der Kommerzialisierung: Diskussion der negativen Folgen für sozial benachteiligte Schichten, der Marginalisierung des traditionellen Vaidyas und der Entfremdung des Patienten durch Standardisierung.
8.0 Die wissenschaftliche Nutzbarmachung der ayurvedischen Pharmazie: Evaluation der Versuche, ayurvedische Wirkstoffkomplexe mit biomedizinischen Methoden klinisch zu testen und zu legitimieren.
9.0 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der ambivalenten Rolle der Industrie, die das System zwar modernisiert, aber dessen ganzheitliche Identität und soziale Funktion gefährdet.
10.0 Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur.
Ayurveda, Pharmaindustrie, Kommerzialisierung, Indien, Standardisierung, Medizin, Biomedizin, Vaidya, Marketing, Biopiraterie, Tradition, Moderne, Gesundheit, Spiritualität, over-the-counter.
Die Arbeit analysiert, wie die ayurvedische Medizin in Indien durch die Pharmaindustrie ökonomisiert und in ein modernes, profitorientiertes System transformiert wurde.
Zentrale Themen sind die Kommerzialisierung, der industrielle Produktionsprozess, Marketingstrategien basierend auf kulturellen Mustern sowie die Auswirkungen auf Patienten und das traditionelle Gesundheitssystem.
Das Ziel ist es, die Ambivalenz der modernen ayurvedischen Pharmazie aufzuzeigen: Sie verhilft dem Ayurveda zwar zu Popularität und Legitimität, verdrängt dabei jedoch traditionelle, ganzheitliche Heilansätze und soziale Strukturen.
Die Arbeit stützt sich auf eine ethnologische Analyse, die Literaturforschung mit dem Vergleich von Medizinsystemen sowie der Betrachtung soziokultureller Transformationsprozesse verbindet.
Der Hauptteil befasst sich mit der Geschichte des Systems, den Marktmechanismen, der Standardisierung von Medikamenten, Marketingtaktiken gegenüber der Mittelschicht sowie den Auswirkungen auf die Qualität der Versorgung und die Rolle des traditionellen Heilers.
Die wichtigsten Schlagworte sind ayurvedische Pharmaindustrie, Kommerzialisierung, Biopiraterie, Vaidya, moderne Gesundheitsmärkte und die Standardisierung von Tradition.
Durch den Massenverkauf von „over-the-counter“-Produkten wird die direkte Konsultation bei einem Vaidya, die früher ein essenzieller, ganzheitlicher Teil der Behandlung war, zunehmend überflüssig, was seine Lebensgrundlage entzieht.
Die Industrie vermarktet ihre Produkte mit Begriffen wie „Natur“, „Ganzheitlichkeit“ und „Tradition“, nutzt aber in der Produktion und Forschung exakt die als „westlich“ kritisierten, industriellen und aggressiven Methoden.
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