Examensarbeit, 2017
65 Seiten, Note: 3,0
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
Gerechtigkeit als eine anthropologische Grundkonstante
-Die Annäherung an die Problematik-
Geschichtsübergreifende Gerechtigkeit?
-Ein historischer Überblick hinsichtlich des Konzeptes-
Darf Dichtung gerecht sein, muss es einen glücklichen Ausgang geben?
-Die Rolle der Gerechtigkeit im Wandel der Poetik-
Sie sehen das Paradies vor lauter Frömmigkeit nicht
-Poetische Gerechtigkeit in von Kleists Erdbeben in Chili-
„Es ist ein Unglück für den Menschen, dass er seinen Verstand nur darum bekommt, um die Unschuld seiner Seele zu verlieren“
-Die Auseinandersetzung mit Tieck-
„Sapere aude“ als Ausweg aus der Schuld
-Résumé-
Schwarzromantiker als Anprangerer falscher Gerechtigkeit?
-Ein Ausblick-
Die Arbeit untersucht das menschliche Streben nach Gerechtigkeit als anthropologische Grundkonstante und analysiert, wie sich dieses Ideal in literarischen Werken von Heinrich von Kleist und Ludwig Tieck widerspiegelt. Die zentrale Forschungsfrage ist dabei, inwiefern literarische Darstellungen poetische Gerechtigkeit abbilden können, wenn irdische Rechtssysteme und moralische Ordnungen an ihre Grenzen stoßen oder scheitern.
Gerechtigkeit als eine anthropologische Grundkonstante
Dass es keine allgemeingültige, allumgreifende und unumstößliche Antwort gibt, was Gerechtigkeit ist, wusste schon spätestens Platon. Die dazugehörige Frage ist, wenn auch vermutlich nicht seit jeher in dieser Formulierung, wohl so alt wie die Menschheit selbst. Es ist nicht zu weit hergeholt oder übertrieben, dieses Streben nach Gerechtigkeit bzw. nach der Erkenntnis, was sie ist, als anthropologische Grundkonstante zu bezeichnen, ist es doch so ausschlaggebend für unsere conditio humana, für die Bedingungen unseres Menschseins.
Ebenso zu dieser Grundbedingung gehört allerdings auch die bittere Einsicht, dass dieses Streben – dieses Fragen und Suchen – mit großer, mitunter gar größter Frustration und Enttäuschung einhergeht. Bei sensiblen Wesen wird dies wohl sogar noch weitergehen und zu oft in Verzweiflung, Depression oder Wahnsinn enden, wenn man erkennt, dass die Welt – vermeintlich aus einer bestimmten selektiv-subjektiven und temporären Perspektive heraus – alles andere als fair und gerecht und gut ist, sondern ganz im Gegenteil den Anschein hat, dass eher diejenigen Handlungen oder Personen gewinnen und Erfolg haben, die besonders skrupel- und gewissenlos und egoistisch zu sein scheinen und den Preis haben, dass dieser Erfolg Opfer fordert bei oftmals „Unschuldigen“, „Guten“, „Aufrechten“, „Tugendhaften“.
Zur falschen Zeit im falschen Land geboren worden zu sein beispielsweise als Grund für eine Schuld bzw. Strafe anzuerkennen, fällt aus menschlich-weltlicher Sicht doch sehr schwer, während andere dafür immer reicher und mächtiger werden und ihr Reichtum mitunter das sein könnte, was die am falschen Ort Geborenen über Hunger und Tod hinweg retten könnte, stattdessen allerdings eher dafür sorgt, dass die sogenannte Schere zwischen Arm und Reich – national wie global – immer größer, Arm immer ärmer, Reich immer reicher wird.
Gerechtigkeit als eine anthropologische Grundkonstante: Das Kapitel führt in das fundamentale menschliche Streben nach Gerechtigkeit ein und erläutert die damit einhergehende Frustration angesichts einer oft als unfair empfundenen Welt.
Geschichtsübergreifende Gerechtigkeit?: Hier werden historische Konzepte der Gerechtigkeit beleuchtet und die Unterscheidung zwischen austeilender und ausgleichender Gerechtigkeit sowie die Rolle des Rechtsgefühls diskutiert.
Darf Dichtung gerecht sein, muss es einen glücklichen Ausgang geben?: Dieses Kapitel analysiert die Rolle der poetischen Gerechtigkeit im Wandel der Literaturgeschichte und untersucht das Verlangen nach einer moralischen Ordnung in fiktiven Erzählungen.
Sie sehen das Paradies vor lauter Frömmigkeit nicht: Eine detaillierte Analyse von Kleists „Das Erdbeben in Chili“, wobei besonders die Kritik an religiöser Selbstgerechtigkeit und institutioneller Gewalt im Fokus steht.
„Es ist ein Unglück für den Menschen, dass er seinen Verstand nur darum bekommt, um die Unschuld seiner Seele zu verlieren“: Dieses Kapitel widmet sich Ludwig Tieck und untersucht, wie in „Der blonde Eckbert“ und „Der Runenberg“ das menschliche Unterbewusstsein und traumatische Erfahrungen das Handeln bestimmen.
„Sapere aude“ als Ausweg aus der Schuld: Das Resümee zieht eine Verbindung zwischen der Unreflektiertheit der Protagonisten und der Mahnung zu kritischem Vernunftgebrauch, um psychische und soziale Zwänge zu überwinden.
Schwarzromantiker als Anprangerer falscher Gerechtigkeit?: Der Ausblick reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und deutet Möglichkeiten für weiterführende Studien innerhalb der Schwarzen Romantik an.
Gerechtigkeit, Anthropologische Grundkonstante, Poetik, Poetische Gerechtigkeit, Heinrich von Kleist, Ludwig Tieck, Rechtssystem, Moral, Rechtsgefühl, Systemtheorie, Gruppendynamik, Schuld, Vernunft, Schwarze Romantik, Ethik
Die Arbeit untersucht das menschliche Bedürfnis nach Gerechtigkeit und dessen literarische Verarbeitung in Werken der deutschen Literatur, insbesondere bei Heinrich von Kleist und Ludwig Tieck.
Zentrale Themen sind das Spannungsfeld zwischen Recht und Moral, die Rolle des Unbewussten bei Gruppenprozessen sowie die kritische Reflexion menschlicher Anmaßung gegenüber einer höheren Ordnung.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Dichtung dazu dient, starre Gerechtigkeitsvorstellungen zu hinterfragen und die Komplexität menschlicher Schuld und Verantwortung innerhalb gesellschaftlicher Systeme darzustellen.
Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der literaturwissenschaftliche Textanalysen mit philosophischen Gerechtigkeitstheorien und psychologischen Ansätzen, insbesondere der Gruppenpsychologie, verbindet.
Der Hauptteil analysiert ausführlich die Gerechtigkeitskonzepte in Kleists „Das Erdbeben in Chili“ sowie in Tiecks Novellen „Der blonde Eckbert“ und „Der Runenberg“.
Neben Gerechtigkeit und Poetik stehen Begriffe wie Rechtsgefühl, Systemtheorie, Schuld, Unbewusstes und Anthropologie im Mittelpunkt der Analyse.
Das Erdbeben fungiert als göttliches Intervenieren, das bestehende, als ungerecht empfundene gesellschaftliche und religiöse Hierarchien vernichtet und temporär einen paradiesischen Zustand ermöglicht.
Ihr Scheitern ist eng mit verdrängten Kindheitstraumata und der Unfähigkeit verbunden, rational-vernünftig zu handeln, was sie schließlich in eine destruktive Spirale aus Triebgesteuertheit und Wahnsinn führt.
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