Diplomarbeit, 2003
132 Seiten, Note: 2
1. Einführung
1.1 Fragestellung
1.2 Vorgehensweise
2. Bourdieus Habitustheorie
2.1 Die Soziologie Pierre Bourdieu`s
2.2 Der Habitus
2.3 Kapitalformen
2.3.1 Ökonomisches Kapital
2.3.2 Kulturelles Kapital
2.3.2.1 Inkorporiertes kulturelles Kapital
2.3.2.2 Objektiviertes kulturelles Kapital
2.3.2.3 Institutionalisiertes kulturelles Kapital
2.3.3 Soziales Kapital
2.3.4 Symbolisches Kapital
2.3.5 Kapitalumwandlungen
2.4 Das soziale Feld
2.5 Klasse und sozialer Raum
2.5.1 Der soziale Raum
2.5.2 Die Klasse
2.5.3 Klasse und Habitus
2.6 Funktionen und Bedeutung des Habitus
2.7 Die Reproduktion sozialer Ungleichheit
2.7.1 Die Lebensstiltheorie
2.7.2 Die Reproduktion sozialer Strukturen
3. Die soziologische Erklärung und die Habitustheorie
3.1 Das Modell der soziologischen Erklärung
3.1.1 Das Konzept soziologischer Erklärungen
3.1.2 Das Grundmodell soziologischer Erklärungen
3.2 Die Erklärung in der Habitustheorie
3.2.1 Die Einverleibung der Gegebenheiten
3.2.2 Der Habitus
3.2.3 Die Generierung von Praxisformen
3.2.4 Die Reproduktion
3.3 Eine kritische Betrachtung der Habitustheorie
3.3.1 Allgemeine Modellbetrachtung
3.3.1.1 Klassen und Lebensstile
3.3.1.2 Berücksichtigung der Zeit
3.3.2 Die Situation
3.3.2.1 Situation und Struktur
3.3.2.2 Feld und Raum
3.3.2.3 Feld und Kampf
3.3.2.4 Kapital
3.3.2.5 Das inkorporierte kulturelle Kapital
3.3.2.6 Klasse
3.3.3 Die Logik der Situation
3.3.3.1 Habitus und Framing
3.3.3.2 Strategie und Habitus
3.3.3.3 Familiale Sozialisation
3.3.4 Der Habitus
3.3.4.1 Reduktion des Akteurs?
3.3.4.2 Bounded Rationality
3.3.4.3 Informationsverarbeitung und Geschmack
3.3.5 Die Logik der Selektion
3.3.5.1 Habitus und Rational-Choice
3.3.5.2 Subjektive Logik?
3.3.6 Die soziale Praxis
3.3.6.1 Ambivalenz in Distinktion und Lebensstil
3.3.6.2 Prozesshaftigkeit der Praxis
3.3.6.3 Die Homologie der Räume
3.3.7 Die Logik der Aggregation
3.3.8 Resümee
4. Implikationen
4.1 Verbesserungsvorschläge
4.2 Die Erklärung einer Reproduktion
4.2.1 Das kollektive Explanandum
4.2.2 Die Logik der Situation
4.2.3 Die Logik der Selektion
4.2.4 Die Logik der Aggregation
5. Fazit
Die Arbeit untersucht, inwieweit Pierre Bourdieus Habitustheorie eine adäquate soziologische Erklärung für die Reproduktion sozialer Ungleichheit liefert. Dabei wird das theoretische Konstrukt des Habitus im Kontext des "Modells der soziologischen Erklärung" analysiert, um zu prüfen, ob Bourdieu den Gegensatz zwischen Makro- und Mikrosoziologie erfolgreich überwinden kann.
2.2 Der Habitus
Als Vermittlungskategorie zwischen Theorie (bzw. Struktur) und Praxis ist der Begriff des Habitus das Kernstück der Soziologie Bourdieu`s. Das Habituskonzept verkörpert die Notwendigkeit, zu einer Erklärung von sozialen Phänomenen nur unter der Vorraussetzung zu gelangen, dieser eine Betrachtung der Entstehung oder der Entstehungsmechanismen dieser sozialen Phänomene voranzustellen, um nicht nur eine bloße, vermeintlich statische Oberflächenstruktur zu erforschen. Ebenso bedeutet dies eine Abkehr von der Vorstellung von sozialem Handeln lediglich als Ergebnis bewusster Entscheidungen oder als das schiere Befolgen von Regeln.
Bourdieu formuliert in seinen Arbeiten immer wieder verschiedene, sich ähnelnde Beschreibungen des Habitus aus. Eine explizite Definition gibt Bourdieu aber nie. Hier soll der Begriff kurz mit einer komplexen aber zentralen Beschreibung näher gebracht werden: „Die für einen spezifischen Typus von Umgebung konstitutiven Strukturen (etwa die eine Klasse charakterisierenden materiellen Existenzbedingungen), die empirisch unter der Form von mit einer sozial strukturierten Umgebung verbundenen Regelmäßigkeiten gefasst werden können, erzeugen Habitusformen, d.h. Systeme dauerhafter Dispositionen, strukturierte Strukturen, die geeignet sind, als strukturierende Strukturen zu wirken...“ (Bourdieu 1979: S. 164f.).
Diese Formulierung beinhaltet sowohl die vermittelnde Instanz zwischen Struktur und Praxis sowie die damit zusammenhängende Doppelfunktion des Habitus. In den Habitus gehen Denkmuster, Sichtweisen, Beurteilungs- und Wahrnehmungsschemata mit ein, die eben in einer bestimmten Umgebung auf diesen einwirken können; er wird also durch die gegebene Struktur konstituiert.
1. Einführung: Darstellung der Forschungsfrage und der methodischen Vorgehensweise zur Untersuchung der Habitustheorie als soziologische Erklärung.
2. Bourdieus Habitustheorie: Detaillierte Beschreibung der zentralen Konzepte wie Habitus, Kapitalformen, soziales Feld, sozialer Raum und Klasse sowie deren Rolle bei der Reproduktion sozialer Ungleichheit.
3. Die soziologische Erklärung und die Habitustheorie: Kritische Gegenüberstellung von Bourdieus Theorie mit dem wissenschaftlichen Modell der soziologischen Erklärung und Untersuchung der handlungstheoretischen Stärken und Schwächen.
4. Implikationen: Vorschläge zur modelltheoretischen Verbesserung der Habitustheorie und Anwendung des modifizierten Modells auf die Erklärung von Reproduktionsprozessen.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der habitustheoretischen Erklärungsleistung und Ausblick auf die Notwendigkeit der Integration moderner gesellschaftlicher Entwicklungen.
Habitus, Bourdieu, soziale Reproduktion, soziologische Erklärung, Kapitalformen, kulturelles Kapital, sozialer Raum, soziale Klasse, Lebensstiltheorie, Distinktion, Handlungstheorie, soziale Ungleichheit, Feldtheorie, Rational-Choice, Praxis.
Die Arbeit analysiert das soziologische Werk von Pierre Bourdieu, insbesondere seine Habitustheorie, und prüft, ob diese als adäquate soziologische Erklärung für die Reproduktion von gesellschaftlichen Strukturen dienen kann.
Im Zentrum stehen die Konzepte des Habitus, der Kapitalformen (ökonomisch, kulturell, sozial, symbolisch), des sozialen Feldes, des Raums und der Klasse sowie deren Wechselwirkung.
Das Ziel ist zu klären, inwiefern Pierre Bourdieu den Gegensatz von Makro- und Mikrosoziologie überwindet und ob sein Handlungsbegriff ausreicht, um individuelles Handeln und soziale Reproduktion wissenschaftlich zu erklären.
Die Arbeit nutzt als methodischen Maßstab das "Modell der soziologischen Erklärung", um die Habitustheorie kritisch zu hinterfragen und die Konsistenz der kausalen Erklärungsansätze zu prüfen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine ausführliche Theoriebeschreibung, einen Vergleich mit handlungstheoretischen Erklärungsmodellen und eine kritische Auseinandersetzung mit der handlungstheoretischen Fundierung von Bourdieus Konzepten.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Habitus, Kapitalformen, Distinktion, soziales Feld, Reproduktion sozialer Ungleichheit und soziologische Erklärung geprägt.
Das ökonomische Kapital wird als die Basis angesehen, der alle anderen Kapitalformen unter bestimmten Bedingungen unterliegen, auch wenn Bourdieu die Bedeutung kultureller und sozialer Faktoren für moderne Gesellschaften stark betont.
Der Autor bemängelt, dass Bourdieu soziale Prozesse oft statisch betrachtet ("Momentaufnahmen") und die sequentielle Prozesshaftigkeit von Handlungen und Lebensläufen in seinem Modell der Reproduktion unterbelichtet lässt.
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