Masterarbeit, 2017
49 Seiten, Note: 2,3
I. Einleitung
II. Die Ausgangspunkte von Aristoteles und Seneca
II.1. Der Freundschaftsbegriff: φιλία – amicitia
II.2. φιλία und amicitia vor und nach Aristoteles und Seneca
II.3. Aristoteles und seine Ethiklehre
II.4. Seneca und seine Schriften
III. Der Freundschaftsbegriff bei Aristoteles und Seneca
III.1. Was ist Freundschaft?
III.2. Die Notwendigkeit von Freunden
III.3. Freunde finden, Freundschaft schließen
III.4. Freundschaft will gepflegt werden
III.5. Wenn die Freundschaft ein Ende nimmt
III.6. Der Tod eines Freundes
III.7. φιλία und φίλησις, amicitia und amor
III.8. Sklaven- humiles amici?
III.9. Auswirkung der Darstellungsform
IV. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Freundschaftslehre von Aristoteles und Seneca, um einen allgemeinen Einblick in das antike Verständnis dieses Konzepts zu geben und die philosophischen Ansätze der beiden Denker systematisch gegenüberzustellen.
III.1. Was ist Freundschaft?
Laut Aristoteles hat die Freundschaft ihren Ursprung in dem allen Lebewesen angeborenen Bedürfnis (φύσει τ' ἐνυπάρχειν [EN 1155a,16]) nach der Gemeinschaft mit Artgenossen, welches beim Menschen jedoch am deutlichsten ausgeprägt ist, des Weiteren in dem Verhältnis, in dem ein jeder zur eigenen Person steht: Man sucht sich Freunde unter seinesgleichen. Freundschaft ist ein an sich erstrebenswertes Gut. In welchem Verhältnis die Freundschaft zur Tugend steht, ist umstritten: An einer Stelle sagt Aristoteles, dass sie förderlich sei Freundschaften zu schließen, an anderer, dass es sich um eine Emotion handle. Ferner, dass die Freundschaft mit der Tugend – in nicht genau beschriebener Art und Weise – verbunden sei. Gegen letztere Aussage kann man einwenden, dass es, wenn Freundschaft eine Tugend wäre, es auch eine zu ihr gehörende „Freundschafts-Charaktereigenschaft“ gebe müsse. Nach Aristoteles μεσότης-Lehre schließlich ließe die Freundschaft sich als Mitte „zwischen aufdringlicher Gefallsucht... und abwehrender Selbstverhärtung...“ [MÜLLER (1972), 1106] beschreiben.
Die Erfahrung, dass Freunde einem dennoch nicht ausschließlich durch ihr bloßes Dasein als Gut erscheinen, führt Aristoteles zur Unterteilung der Freundschaften in drei Arten: Die vollkommene Freundschaft (τελεία ... φιλία [EN 1156b,7]) zeichnet sich dadurch aus, dass sie allein um ihrer selbst willen (τῷ φιλεῖσθαι δὲ καθ' αὑτὸ χαίρουσιν· [EN 1159a, 25]) besteht und in ihr alle Voraussetzungen einer Freundschaft zugleich erfüllt sind (ταύτῃ δὲ πάνθ' ὑπάρχει τὰ εἰρημένα καθ' αὑτούς· [EN 1156b,21]), was bedeutet, dass sie nur von einem tugendhaften Menschen zu einem ebensolchen geschlossen werden kann (... δι' αὑτοὺς δὲ δῆλον ὅτι μόνους τοὺς ἀγαθούς· [EN 1157a,18f.]). Sie wünschen einander selbstlos das Gute und stellen die eigenen Belange nicht über die des Freundes – selbst bei Ehrenämtern lassen sie dem Freund den Vortritt. So leben sie ihre Tugend – und an ihr wiederum erkennt man den wahren Freund: καὶ ἔτι τοὺς αὐτοὺς οἴονται ἄνδρας ἀγαθοὺς εἶναι καὶ φίλους (EN 1155a,31).
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie sich die Freundschaftslehren von Aristoteles und Seneca unterscheiden und welche Gemeinsamkeiten sie aufweisen, wobei der Fokus primär auf der Nikomachischen Ethik und den Epistulae Morales liegt.
II. Die Ausgangspunkte von Aristoteles und Seneca: Dieses Kapitel erläutert die etymologischen und begrifflichen Grundlagen von φιλία und amicitia sowie die biografischen und philosophischen Hintergründe beider Autoren.
III. Der Freundschaftsbegriff bei Aristoteles und Seneca: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Aspekte der Freundschaft, von ihrer Definition und Notwendigkeit über das Schließen und Pflegen bis hin zur Beendigung und dem Umgang mit Verlust.
IV. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung führt die zentralen Gemeinsamkeiten und Divergenzen beider Freundschaftskonzeptionen noch einmal zusammenfassend auf.
Freundschaft, φιλία, amicitia, Aristoteles, Seneca, Nikomachische Ethik, Epistulae Morales, Tugend, Selbstliebe, Sklaven, humiles amici, Autarkie, vera amicitia, Nutzfreundschaft, Lustfreundschaft.
Die Arbeit beschäftigt sich mit einem Vergleich der Freundschaftslehren des griechischen Philosophen Aristoteles und des römischen Stoikers Seneca.
Zentral sind die Definition von Freundschaft, ihre Notwendigkeit, der Schließungsprozess, die Pflege sowie das Ende von Freundschaften und das Verhältnis zwischen Freundschaft und Liebe.
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Aristoteles und Seneca in Bezug auf ihr Freundschaftsverständnis unter Berücksichtigung ihrer unterschiedlichen philosophischen Ausgangslage aufzuzeigen.
Es handelt sich um eine vergleichende textanalytische Arbeit, die sich auf die primären Schriften (Nikomachische Ethik und Epistulae Morales) sowie relevante sekundärwissenschaftliche Literatur stützt.
Der Hauptteil analysiert systematisch verschiedene Aspekte wie die Notwendigkeit von Freunden, die Rolle der Tugend, den Umgang mit Sklaven als Freunden und die Auswirkungen der unterschiedlichen Darstellungsformen auf die Systematik der Lehren.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie φιλία, amicitia, Tugendfreundschaft, Autarkie, vera amicitia und den Vergleich zwischen Aristoteles und Seneca charakterisiert.
Während beide Freundschaft als Selbstzweck betrachten, betont Seneca die emotionale Kontrolle stärker und sieht die Freundschaft als Teil der stoischen Lebensführung, wobei er die Anzahl der Freunde als zweitrangig gegenüber der Ataraxie des Weisen betrachtet.
Aristoteles sieht Sklaven primär als Werkzeuge und eine Freundschaft ist nur in einer funktionalen Miteinander-Ausgewogenheit möglich; Seneca hingegen betrachtet Sklaven als Menschen und "humiles amici", da für ihn der Charakter maßgeblich ist und nicht der soziale Status.
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