Bachelorarbeit, 2015
64 Seiten, Note: 1,7
1. Ökonomische Bedeutung von Kartellen: Ein empirischer Überblick
2. Die Kronzeugenregelung im Kartellrecht
2.1 Konzeption und Begrifflichkeiten
2.2 Entwicklung und Unterschiede der amerikanischen und europäischen Kronzeugenregelung
2.2.1 Die Entwicklung der US-amerikanischen Kronzeugenregelung
2.2.2 Die Entwicklung der europäischen Kronzeugenregelung
2.2.3 Hauptunterschiede der beiden Kronzeugenregelungen
3. Kronzeugenregelung und Kartellstabilität
3.1 Ökonomische Theorie der Kronzeugenregelung
3.2 Die Rädelsführerproblematik
3.2.1 Genauere Betrachtung des Rädelsführers
3.2.2 Industrieökonomisches Modell von Herre, Mimra und Rasch
3.3 Die Beurteilung des „The-winner-takes-it-all“-Prinzips
4. Reaktionen der Kartellmitglieder auf die Kronzeugenregelung
4.1 Änderungen des Verhaltens von Kartellen
4.2 Änderung der internen Organisationsstruktur von Kartellen
4.2.1 Theorie der sozialen Netzwerke und Zusammenhang zu Kartellen
4.2.2 Praxisrelevante Überlegungen
5. Wettbewerbspolitische Folgerungen
Die vorliegende Bachelorarbeit analysiert die Auswirkungen von Kronzeugenregelungen auf die Stabilität von Kartellen, unter besonderer Berücksichtigung der Unterschiede zwischen den US-amerikanischen und europäischen Ansätzen sowie der Rolle des Rädelsführers.
3.1 Ökonomische Theorie der Kronzeugenregelung
Nachdem in Kapitel 2.1 die Grundlagen verbal erläutert wurden, soll hier das Formale im Vordergrund stehen. Damit ein Unternehmen sich an einem Kartell beteiligt, müssen grundsätzlich zwei Bedingungen erfüllt sein: Die Teilnahmebedingung sowie die Anreizkompatibilitätsbedingung (vgl. Schwalbe, 2013, S. 416). Die Teilnahmebedingung ist dann erfüllt, wenn es sich für ein Unternehmen finanziell lohnt, sich an einem Kartell zu beteiligen (vgl. Schwalbe, 2013, S. 416). Dies ist dann gegeben, wenn der Gewinn im Kartell höher ist als der bei Wettbewerb.
Die Anreizkompatibilitätsbedingung ist dann erfüllt, wenn ein Kartellant keinen Anreiz hat, das Kartell wieder zu verlassen. Der Gewinn, der im Kartell erwirtschaftet wird, muss hierzu demnach höher sein als der Gewinn bei einem Abweichen von der Kartellvereinbarung. Bußgelder setzen demnach an der Teilnahmebedingung an, indem sie die Profitabilität eines Kartells reduzieren (vgl. Schwalbe, 2012, S. 425). Die Kronzeugenregelung dagegen setzt an der Anreizkompatibilitätsbedingung an (vgl. Schwalbe, 2013, S. 416). Sie verändert die Anreize, in einem bereits bestehenden Kartell zu verbleiben, indem sie den Abweichungsgewinn durch Straferlass attraktiver macht. Einfacher ausgedrückt setzen Bußgelder bzw. strafrechtliche Sanktionsinstrumente an den „externen“ Bedingungen für eine Kartellteilnahme an, während Kronzeugenregelungen die „interne“ Stabilität eines Kartells verändern (vgl. Schwalbe, 2013, S. 419).
1. Ökonomische Bedeutung von Kartellen: Ein empirischer Überblick: Untersuchung der volkswirtschaftlichen Schäden durch Kartelle und Einführung der Kronzeugenregelung als Instrument zur Kartellbekämpfung.
2. Die Kronzeugenregelung im Kartellrecht: Darstellung der begrifflichen Grundlagen sowie der historischen Entwicklung und Unterschiede der amerikanischen und europäischen Kronzeugenprogramme.
3. Kronzeugenregelung und Kartellstabilität: Analyse der theoretischen Auswirkungen von Kronzeugenregelungen auf die Stabilität von Kartellen unter Einbezug von Spieltheorie und der Rädelsführerproblematik.
4. Reaktionen der Kartellmitglieder auf die Kronzeugenregelung: Untersuchung, wie Kartelle ihr Marktverhalten und ihre interne Organisationsstruktur anpassen, um die Entdeckung durch Wettbewerbsbehörden zu vermeiden.
5. Wettbewerbspolitische Folgerungen: Diskussion der Erkenntnisse zur Effektivität von Kronzeugenregelungen und Empfehlungen für zukünftige wettbewerbspolitische Maßnahmen.
Kronzeugenregelung, Kartellstabilität, Rädelsführer, Leniency Program, Wettbewerbsbehörde, Spieltheorie, Gefangenendilemma, Preiskartell, Bonusregelung, Markteintrittsbarrieren, Organisationsstruktur, Soziale Netzwerke, Kartellbekämpfung, Straferlass, Marktverhalten.
Die Arbeit untersucht, wie Kronzeugenregelungen die Stabilität von Kartellen beeinflussen und welche Rolle dabei spezifische Ausgestaltungsformen sowie die Behandlung von Rädelsführern spielen.
Die zentralen Felder umfassen die ökonomische Theorie hinter Kartellen, die Funktionsweise von Leniency-Programmen, spieltheoretische Modelle zur Kartellstabilität und die organisatorische Anpassung von Kartellen.
Das Ziel ist es, die Wirkungsweise der Kronzeugenregelung als Instrument der Kartellbekämpfung zu analysieren und zu bewerten, wie sie Anreize für Kartellmitglieder zur Selbstanzeige oder zum Ausstieg schafft.
Es wird eine industrieökonomische Analyse durchgeführt, die maßgeblich auf spieltheoretischen Modellen und der Auswertung von Fachliteratur sowie empirischen Daten basiert.
Der Hauptteil befasst sich mit der formalen spieltheoretischen Herleitung der Kartellstabilität unter dem Einfluss von Bußgeldern und Kronzeugenregelungen sowie der Bedeutung der internen Netzwerkstruktur von Kartellen.
Wichtige Begriffe sind Kronzeugenregelung, Rädelsführer, Kartellstabilität, Leniency Program, Gefangenendilemma und Wettbewerbspolitik.
Der Rädelsführer ist als zentraler Knotenpunkt im Kartellnetzwerk meist im Besitz der wertvollsten Beweise und organisiert die Absprachen, weshalb sein Ausschluss oder Einschluss in Kronzeugenprogramme die Stabilität des Kartells entscheidend beeinflusst.
Die Autorin kommt zu dem Ergebnis, dass zwar das "The-winner-takes-it-all"-Prinzip (USA) vorteilhaft für die erste Periode ist, aber die europäische Ausgestaltung insgesamt als effektiver angesehen wird, da sie auch in späteren Phasen Anreize zur Kooperation mit den Behörden aufrechterhält.
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