Magisterarbeit, 2005
117 Seiten, Note: 1,3
1) Einleitung
2) Erinnern oder Vergessen – der öffentliche Diskurs um die Erinnerung an die NS-Zeit in Deutschland
2.1) Auswirkungen auf die Bevölkerung - der Holocaust und seine Folgen am Beispiel der Überlebenden des Dritten Reichs
2.2) Die politische Auseinandersetzung
2.3) Auseinandersetzung in der Literatur
2.3.1) Vor der Wiedervereinigung Deutschlands
2.3.2) Nach der Wiedervereinigung Deutschlands
2.4) Literarische Werke aus der Zeit zwischen 1990 und 2002
2.4.1) Bernhard Schlink „Der Vorleser“
2.4.2) Walter Kempowski „Das Echolot – Barbarossa `41. Ein kollektives Tagebuch.“
2.4.3) Günter Grass „Im Krebsgang“
2.4.4) Martin Walser „Ein springender Brunnen“ – die (Fehl-)-Interpretation und die Debatte um die Dankesrede zum Erhalt des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels
3) Marcel Reich-Ranicki „Mein Leben“
3.1) Intention, Aufbau, Sprache
3.2) Die Leitmotive
3.2.1) Vorgeschichte
3.2.2) Das Leben als Jude in Deutschland
3.2.3) Die Liebe zur (deutschen) Literatur
3.3) Der Kritiker und seine Bekenntnisse
3.3.1) Selbstzweifel, Selbstinszenierungen
3.3.2) Das ‚lückenhafte’ Gedächtnis
4) Martin Walser „Ein springender Brunnen“
4.1) Aufbau und Perspektive
4.2) Die Macht der Worte
4.2.1) Lesen und Schreiben
4.2.2) Johann und der Nationalsozialismus
4.3) Die Leitmotive
4.3.1) Heimat und Provinz
4.3.2) Die Sprache als ‚Mittel zur Selbstfindung’
4.4) Bewusstes Verdrängen ?
4.4.1) Das Prinzip des Erinnerns
4.4.2) Verdrängte Erinnerung
5) Martin Walser versus Marcel Reich-Ranicki
6) Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht den unterschiedlichen Umgang mit dem historischen Trauma des Nationalsozialismus in den autobiographischen Werken von Martin Walser („Ein springender Brunnen“) und Marcel Reich-Ranicki („Mein Leben“) und analysiert dabei, wie beide Autoren Erinnerung und Verdrängung literarisch verarbeiten.
2.4.1) Bernhard Schlink „Der Vorleser“
Zu den historisch-soziologischen Bezügen, die der Roman evoziert, gehört auch die Bedeutung der Konzentrationslager, die Frage nach deren Erhalt und Pflege. Am Beispiel des elsässischen Lagers Struthof werden die Veränderungen deutlich, die sich zwischen dem Sommer 1966 und den späten achtziger beziehungsweise den beginnenden neunziger Jahren abzeichnen. Aus dem Roman geht hervor, dass bereits 1966 die ursprünglichen Baracken abgetragen worden waren, sodass nur die Grundmauern übrig blieben. Bei einem späteren Besuch verhindert die Schneedecke, dass der Besucher noch etwas von dem ehemaligen Lager erkennt. Das sich einstellende Gefühl von Scheu führt der Erzähler jedoch nicht auf eine echte [...] Empfindung zurück, sondern auf Überlegungen, wie man sich nach dem Besuch eines Konzentrationslagers zu fühlen habe.16
Denn, so der Autor in einem Gespräch, das Dokumentarische lebt ja nicht aus sich heraus:
Selbst in Auschwitz gibt es nichts zu sehen als eine Reihe freundlicher Backsteinkasernen unter Bäumen. Wenn ich dort umhergehe, belebe ich den Ort mit meiner Phantasie, die sich ihrerseits vom Dokumentarischen nährt. Wenn die nächste Generation von dieser Vergangenheit erreicht werden soll, müssen ihr die Ereignisse auf allen Ebenen und in vielen Gestalten begegnen. Das ist der Stellenwert der heutigen Fiktionalisierung.17
1) Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Motivation zum autobiographischen Schreiben und führt in die Thematik der Erinnerungsarbeit ein.
2) Erinnern oder Vergessen – der öffentliche Diskurs um die Erinnerung an die NS-Zeit in Deutschland: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über das Trauma des Zweiten Weltkriegs, die politische Auseinandersetzung und die literarische Aufarbeitung in der Bundesrepublik und der DDR.
3) Marcel Reich-Ranicki „Mein Leben“: Hier werden Intention, Aufbau und Sprache von Reich-Ranickis Autobiographie sowie dessen zentrale Leitmotive und seine Rolle als Kritiker analysiert.
4) Martin Walser „Ein springender Brunnen“: Das Kapitel untersucht Walsers Roman hinsichtlich Erzählstruktur, der Rolle von Sprache und Heimat sowie dem Umgang mit Verdrängung und Erinnerung.
5) Martin Walser versus Marcel Reich-Ranicki: Ein vergleichendes Fazit, das die unterschiedlichen Lebenswelten und Erinnerungsmuster der beiden Autoren gegenüberstellt.
6) Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen der literarischen Erinnerungsarbeit an das historische Trauma.
Nationalsozialismus, Erinnerungsarbeit, Holocaust, Autobiographie, Martin Walser, Marcel Reich-Ranicki, Verdrängung, Identität, Zweiter Weltkrieg, Literaturkritik, Trauma, deutsche Geschichte, Kollektives Gedächtnis, Bernhard Schlink, Schuldfrage.
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Erinnerungsarbeit an das historische Trauma des Nationalsozialismus anhand der autobiographischen Werke von Martin Walser und Marcel Reich-Ranicki.
Im Zentrum stehen die Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit, die Bedeutung von Identität, die Rolle der Sprache sowie der bewusste oder unbewusste Umgang mit Schuld und Verdrängung.
Ziel ist es, den unterschiedlichen Umgang mit dem historischen Trauma in der Literatur aufzuzeigen und zu analysieren, wie die Autoren ihre individuellen Erlebnisse in einen gesellschaftlichen Kontext einbetten.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär die autobiographischen Texte der Autoren untersucht und durch den Einbezug von zeitgenössischen Rezensionen, Reden und Interviews in den historischen Diskurs einordnet.
Der Hauptteil behandelt die spezifische Erinnerungsarbeit beider Autoren, ihre jeweilige Erzähltechnik sowie die Kontroversen, die ihre öffentlichen Äußerungen und Texte ausgelöst haben.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Erinnerungspolitik, Holocaust-Trauma, Identitätsfindung, autobiographisches Schreiben und den Diskurs über deutsche Schuld definieren.
Das Werk löste Debatten aus, weil ihm vorgeworfen wurde, das Leid der jüdischen Opfer zu verschweigen oder zu relativieren, während Walser selbst betonte, er wolle lediglich gegen die Instrumentalisierung des Gedenkens protestieren.
Reich-Ranicki beschreibt seine Erlebnisse als direkt betroffener Zeitzeuge, während Walser aus einer kindlichen Perspektive schreibt und bewusst die kindliche Unschuld bzw. die Unkenntnis der damaligen Zeit als erzählerisches Mittel nutzt.
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