Bachelorarbeit, 2016
37 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung: Gabriel García Márquez
2. Die Autobiographie
2.1. Forschungsansätze und Theorien
2.2. Aufbau und Form
2.3. Autobiographie und Roman = ‚Autofiktion‘?
2.4. Erinnerung, Gedächtnis und Wahrheit
3. Faktuales und fiktionales Erzählen
Exkurs: Wirklichkeitserzählungen
3.1. Erzählstruktur in Vivir para contarla (2002)
3.2. Erzählstruktur in Cien años de soledad (1967)
3.3. Die Erzählperspektive
4. Analyse der Werke
4.1. Orte
4.2. Personen
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Faktualität und Fiktionalität in den Werken von Gabriel García Márquez, speziell im Vergleich zwischen seiner Autobiographie "Vivir para contarla" und dem Roman "Cien años de soledad". Ziel ist es zu analysieren, wie der Autor persönliche Lebenserfahrungen in seinen Roman einbettet und inwieweit die Autobiographie literarische Mittel nutzt, um ein authentisches Abbild des Lebens zu schaffen, wodurch beide Werke als Grenzfälle zwischen den Gattungen betrachtet werden.
4.1. Orte
Cien años de soledad spielt im Dorf Macondo, dessen idyllische Erscheinung im ersten Satz des Romans verbildlicht wird. Derselben wörtlichen Ausschmückung bedient sich García Márquez auch in seiner Autobiographie, als er sein Heimatdorf Aracataca beschreibt:
Lo recordaba como era: un lugar bueno para vivir, donde se conocía todo el mundo, a la orilla de un río de aguas diáfanas que se precipitaban por un lecho de pierdas pulidas, blancas y enormes como huevos prehistóricos (García Márquez 2002: 11).
Auf diese Weise lässt sich die in Kolumbien vorherrschende Gewalt und Brutalität der Bürgerkriege nicht erkennen, da García Márquez ihr das Bild eines Paradieses entgegensetzt. An dieser Stelle wird bereits seine literarische Fähigkeit deutlich, welche die Realität auf metaphorische Weise zu verschleiern bzw. zu verschönern scheint. Auch im Roman beschreibt er möglicherweise nicht nur den fiktiven Ort Macondo, sondern würdigt auf diese Art seine Heimat Aracataca.
In Vivir para contarla erzählt García Márquez, wie er auf dem Weg in seinen Heimatort an einer Finca vorbeifährt, deren Namen er vom Zug aus lesen kann: „Finca Macondo“. Sie lag am Ufer eines Flusses namens Sevilla und war die erste Finca in der Bananenregion der Karibikküste. In ihrem Innenhof befanden sich zwei große ‚Macondos‘, Bananenbäume, die der Finca ihren Namen verliehen. An dieser Stelle liefert die Autobiographie eine Erklärung oder Rechenschaft über das literarische Werk des Autors.
1. Einleitung: Gabriel García Márquez: Diese Einleitung führt in das Leben und Werk von García Márquez ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem Verhältnis von Fakten und Fiktion in seinem autobiographischen und fiktionalen Schreiben.
2. Die Autobiographie: Hier werden theoretische Grundlagen der Autobiographie-Forschung erarbeitet, inklusive des "autobiographischen Pakts" und der Abgrenzung zu anderen literarischen Gattungen.
3. Faktuales und fiktionales Erzählen: Dieses Kapitel differenziert zwischen faktualen und fiktionalen Erzählformen und analysiert die spezifischen Erzählstrukturen und Perspektiven von "Vivir para contarla" und "Cien años de soledad".
4. Analyse der Werke: Die Analyse vergleicht konkret die Darstellung von Orten und Personen in beiden Werken, um intertextuelle Bezüge und die narrativen Strategien des Autors herauszuarbeiten.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass in den Werken von García Márquez Fakten und Fiktionen ineinander verschmelzen und ein hoher literarischer Wert entsteht.
Gabriel García Márquez, Autobiographie, Roman, Cien años de soledad, Vivir para contarla, Faktualität, Fiktionalität, Erzählstruktur, Autofiktion, Erinnerung, Narrativität, Erzählperspektive, Macondo, Literaturtheorie, Philippe Lejeune.
Die Arbeit vergleicht die autobiographischen Aufzeichnungen von Gabriel García Márquez mit seinem berühmten Roman "Cien años de soledad", um die Schnittstellen zwischen Wahrheit und Dichtung zu untersuchen.
Zentrale Themen sind die Gattungstheorie der Autobiographie, die erzähltheoretische Differenzierung von faktualem und fiktionalem Erzählen sowie die intertextuelle Verknüpfung von realer Biographie und fiktiver Erzählwelt.
Ziel ist es zu ergründen, ob und wie García Márquez eigene Erlebnisse in seine fiktionalen Werke einfließen lässt und ob die Autobiographie als "Grenzfall" zwischen Fakten und Fiktion zu bezeichnen ist.
Die Arbeit stützt sich auf literaturwissenschaftliche Gattungstheorien, insbesondere auf Konzepte von Philippe Lejeune (autobiographischer Pakt), Gérard Genette (Erzählanalyse) und Stanzel (Erzählsituationen).
Der Hauptteil analysiert die Erzählstrukturen beider Werke, untersucht die Darstellung von Orten und Personen und stellt diese in den Kontext der theoretischen Gattungsdefinitionen.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Narrativität, Autofiktion, Faktizität, Erinnerung und literarische Fiktion charakterisiert.
García Márquez betont in seinem Motto, dass nicht das Erlebte an sich entscheidend ist, sondern wie man sich erinnert und wie man es erzählt.
Der Begriff der Autofiktion dient als theoretisches Hilfsmittel, um Werke zu beschreiben, in denen reale biographische Daten und fiktive Ausgestaltung so verschmelzen, dass eine klare Trennung unmöglich wird.
Während "Vivir para contarla" als Ich-Erzählung eine Identität zwischen Autor und Erzähler aufweist, nutzt der Roman einen allwissenden Erzähler, der sich später als Figur innerhalb der fiktiven Welt entlarvt.
Erinnerung wird als Konstruktionsprozess verstanden, bei dem Erlebtes selektiert, ergänzt und fiktionalisiert wird, um den Erzählzwecken zu dienen.
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