Fachbuch, 2018
132 Seiten
1 Einleitung
2 Die Paarbeziehung und die Familie im zeitlichen Wandel
2.1 Die Entstehung der modernen Kleinfamilie als Normaltypus der Moderne
2.2 Die Familie seit der „Risikogesellschaft“
2.3 Bedeutungswandel von Familie, Partnerschaft und Kinder
2.4 Bedeutungswandel von Ehescheidungen – Forschung früher und heute
2.4.1 Das Desorganisationsmodell
2.4.2 Das Reorganisationsmodell
2.5 Der Scheidungsprozess
2.6 Zwischenfazit
3 Rechtliche Rahmenbedingungen
3.1 Die Entwicklung des Ehe- und Scheidungsrecht
3.2 Elterliche Sorge bei Getrenntlebenden
3.3 Betreuungsmodelle
3.3.1 Das Residenzmodell
3.3.2 Das Wechselmodell
3.3.3 Das Nestmodell
3.3.4 Wissenschaftliche Diskussion und Modellwahl in der Praxis
3.4 Zwischenfazit
4 Scheidung als kritisches Lebensereignis
4.1 Stresstheoretische Perspektive
4.2 Entwicklungstheoretische Perspektive
4.3 Zwischenfazit
5 Folgen der elterlichen Trennung für die Kinder
5.1 Kindliche Charakteristika
5.2 Familiale Charakteristika und externe Faktoren
5.3 Scheidung als Chance?
5.4 Zwischenfazit
6 Theoretische Bezüge
6.1 Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung nach Erik H.: Erikson
6.1.1 Stufen der psychosozialen Entwicklung
6.2 Erklärungsgehalt des theoretischen Bezugs
6.3 Resilienzforschung
6.3.1 Risiko- und Schutzfaktoren
6.3.2 Resilienzfaktoren
6.3.3 Erklärungsgehalt des theoretischen Bezugs
6.4 Konzept der Lebensbewältigung nach Lothar Böhnisch
6.4.1 Kindheit als Lebensalter
6.4.2 Erklärungsgehalt des theoretischen Bezugs
6.5 Lebensweltorientierte Soziale Arbeit nach Hans Thiersch
6.5.1 Struktur- und Handlungsmaxime
6.5.2 Erklärungsgehalt des theoretischen Bezugs
6.6 Zwischenfazit
7 Auswirkungen und Relevanz für die Soziale Arbeit
7.1 Kindertagesbetreuung
7.2 Beratung
7.3 Zentrale Aspekte und Maßnahmen
7.4 Zwischenfazit
8 Zusammenfassung und Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen elterlicher Trennung auf Kinder im Alter von 0 bis 6 Jahren, wobei der Fokus auf den Entwicklungs- und Bewältigungsaufgaben der Kinder sowie der unterstützenden Rolle der Sozialen Arbeit liegt.
Die Vorscheidungsphase
Der Beginn der Vorscheidungsphase ist in der Regel nicht genau zu definieren und festzulegen und kann zumeist nur zurückblickend bestimmt werden. Laut Textor liegt ihr Anfang in dem Zeitraum, in welchem Konflikte, die später zur Trennung führen, vermehrt auftreten. Das Ende dieser Phase, welches genau bestimmbar ist, wird markiert durch die Trennung der beiden Partner_innen (vgl. Textor 1991: 16).
Insgesamt ist diese Phase geprägt von einer sinkenden Zufriedenheit, häufigen Konfliktsituationen, abnehmender Kommunikation zwischen den Partner_innen und vielen gegenseitigen Vorwürfen. Zu Beginn leugnen beide Partner_innen ihre Unzufriedenheit noch (vgl. Watzlawik/Ständer/Mühlhausen 2007: 50). So „ziehen sich die Ehepartner langsam voneinander zurück, da sie einander nicht mehr viel zu sagen und zu geben haben. Sie leben nebeneinander her, empfinden immer weniger füreinander und erleben einander als distanziert“ (Textor 1991: 17). Bis sich diese Situation jedoch ‚auflöst‘ und die Partner_innen sich endgültig trennen, dauert es meist Jahre, was einerseits daran liegt, dass die Entscheidung sehr komplex erscheint und die Folgen der Trennung zumeist nicht absehbar sind, andererseits fürchten sich viele Partner_innen vor der endgültigen Entscheidung (vgl. Textor 1991: 21). Dies liegt auch daran, dass die Neigung in diesem Zeitraum groß ist, voreilig und spontan zu handeln sowie bereits getroffene Entschlüsse zu revidieren (vgl. Oberndorfer 2008: 29). Die Vorscheidungsphase kann aber auch insgesamt entfallen, wenn eine_r der beiden Partner_innen vor vollendete Gegebenheiten gestellt wird, in dem die Trennung durch die andere Person plötzlich erfolgt (vgl. Watzlawik/Ständer/Mühlhausen 2007: 50).
Laut Textor beschränken sich die Probleme jedoch meistens nicht auf die Partnerschaftsebene, sondern auch die in der Familie lebenden Kinder werden „in Mitleidenschaft gezogen“ (Textor 1991: 20). Zum einen kommt der Trennungsentschluss ihrer Eltern zumeist unerwartet, da sie häufig „von ihren Eltern im Dunkeln gehalten werden, wenn diese ihre Partnerprobleme verheimlichen“ (Textor 1991: 24). Zum anderen ist diese Phase für sie aufgrund ihrer Ohnmacht und Unsicherheit hinsichtlich der häufig auftretenden Konflikte sehr bedrückend (vgl. Kirst 2014: 18).
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Anstieg von Trennungen und Scheidungen in der heutigen Gesellschaft und führt in die Fragestellung nach der Bewältigung dieser Situation durch Kinder im Alter von 0 bis 6 Jahren ein.
2 Die Paarbeziehung und die Familie im zeitlichen Wandel: Dieses Kapitel beschreibt den historischen und soziologischen Wandel familialer Lebensformen und wie dieser die heutige Sichtweise auf Trennung und Scheidung geprägt hat.
3 Rechtliche Rahmenbedingungen: Hier werden die rechtlichen Aspekte der elterlichen Sorge sowie verschiedene Betreuungsmodelle für Kinder nach einer Trennung, wie das Residenz- oder Wechselmodell, detailliert erläutert.
4 Scheidung als kritisches Lebensereignis: Das Kapitel analysiert auf Basis stresstheoretischer und entwicklungstheoretischer Ansätze, warum die elterliche Trennung ein kritisches, aber bewältigbares Ereignis darstellt.
5 Folgen der elterlichen Trennung für die Kinder: Hier werden individuelle kindliche Merkmale, familiale Faktoren und die Chancen einer Trennung für die Entwicklung der Kinder erörtert.
6 Theoretische Bezüge: Dieses Kapitel führt zentrale wissenschaftliche Modelle wie das Stufenmodell von Erikson, die Resilienzforschung und Böhnischs Konzept der Lebensbewältigung ein, um das kindliche Erleben zu deuten.
7 Auswirkungen und Relevanz für die Soziale Arbeit: Das Kapitel beleuchtet, wie Soziale Arbeit durch Beratung, Mediation und Kindertagesbetreuung die Bewältigungsprozesse von Kindern und Familien unterstützen kann.
8 Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und betont die Bedeutung individueller Unterstützung für Kinder in Trennungssituationen.
Scheidung, Trennung, Kindeswohl, elterliche Sorge, Resilienz, Lebensbewältigung, Soziale Arbeit, Betreuungsmodell, Wechselmodell, Eltern-Kind-Beziehung, Kindertagesbetreuung, psychosoziale Entwicklung, Risikofaktoren, Kindheitsforschung, Entwicklungsaufgaben.
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen einer elterlichen Trennung auf die Entwicklung von Kindern im Alter von 0 bis 6 Jahren und betrachtet dabei sowohl psychologische Belastungen als auch Bewältigungsstrategien.
Die zentralen Themen sind der gesellschaftliche Wandel von Familienformen, rechtliche Aspekte wie das Sorgerecht, die psychologische Einordnung als kritisches Lebensereignis und die Rolle der Sozialen Arbeit.
Das primäre Ziel ist es zu klären, welchen Entwicklungs- und Bewältigungsaufgaben Kinder zwischen 0 und 6 Jahren infolge der Trennung ihrer Eltern gegenüberstehen und wie sie dabei unterstützt werden können.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse der einschlägigen Fachliteratur, aktueller Studien (z.B. Langzeitstudien zur Scheidungsforschung) und theoretischer Konzepte der Sozialpädagogik und Entwicklungspsychologie.
Im Hauptteil werden rechtliche Grundlagen, verschiedene Betreuungsmodelle (Residenz- vs. Wechselmodell), die Bedeutung von Resilienzfaktoren und die konkrete Relevanz der Sozialen Arbeit sowie der Beratungsangebote thematisiert.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Trennung, Scheidung, Kindeswohl, Resilienz, Betreuungsmodell, Lebensbewältigung und Soziale Arbeit charakterisiert.
Die Kindertagesbetreuung dient als wichtiger Lebensraum außerhalb der Familie, der den Kindern Halt und Normalität bietet und als Präventions- und Unterstützungsinstanz bei der Bewältigung elterlicher Konflikte fungiert.
Das Alter bestimmt den Entwicklungsstand und die kognitiven sowie emotionalen Möglichkeiten des Kindes, die Situation zu verstehen, zu interpretieren und Bewältigungsstrategien anzuwenden, was sich massiv auf die Belastung auswirkt.
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