Diplomarbeit, 1997
95 Seiten, Note: 1
1. Einleitung
1.1. Methodik
2. Vorüberlegungen zur Ethik in der Medizin
2.1. Zur aktuellen politischen Diskussion
2.2. Ethik im Alltag der Medizin
3. Rahmenbedingungen in der Intensivpflege
3.1. Arbeitsorganisation
3.2. Krankheitsbilder und Belastungsfaktoren
4. Sozialverhalten und Interaktion zwischen Mitarbeitern und Patienten
4.1. Das Verhältnis Arzt - Pflegepersonal
4.2. Eine Zwischenbemerkung zur Forschungslage
4.3. Gestörte Beziehungen
4.4. Interaktion Personal - Patient
4.4.1. Die Patientenrolle - Ein Szenenwechsel
4.4.2. Zur Sicht des Patienten
4.4.3. Zur psychischen Situation des Intensivpatienten
5. Zur psychischen Situation der Pflegenden
6. Der Todesfolgenberuf
7. Zusammmmenfassung
8. Schlußbemerkung
Diese Arbeit untersucht das psychosoziale Gefüge auf neurologischen Intensivstationen, insbesondere das komplexe Zusammenspiel zwischen ärztlichem Personal, Pflegenden und Patienten unter extremen Bedingungen. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, welche Faktoren das Arbeitsklima sowie die Interaktionsprozesse beeinflussen und wie diese auf die Beteiligten sowie die Qualität der Patientenversorgung einwirken.
1. Einleitung
Nach Beendigung meiner Sozialisation zum Krankenpfleger habe ich mich in den Universitätskliniken Göttingen um eine Anstellung beworben. Da ich gerne eigenverantwortlich arbeite und bereits während meiner Ausbildungszeit im Bereich Intensivmedizin eingesetzt war, konnte ich direkt nach meinem Krankenpflegeexamen eine Vollzeitstelle auf der Neurologischen Intensivstation annehmen. Ich wußte, welche Art von Arbeit mich dort erwartete und daß mit einigen Schwierigkeiten zu rechnen sein würde.
Mir war klar, daß ich nach Abschluß meiner Ausbildung ein "hermetischeres" Arbeitsfeld aufsuchen würde, um mich dort langsam professionalisieren zu können. Als Neuanfänger mit eigener Weltsicht und Grundeinstellung stieß ich jedoch sehr schnell an für mich zumutbare Grenzen. Ich setzte meine Tätigkeit nach 6 Monaten mit halber Stundenzahl fort und nutzte die neu gewonnene Freiheit, um mir Gedanken über den Systemdefekt der Intensivtherapie zu machen. Ich beobachtete, was um mich herum geschah, wie auf den unterschiedlichen Ebenen agiert wurde und welcher Stellenwert mir und den zu versorgenden Patienten zuerkannt wurde.
1. Einleitung: Der Autor schildert seine Beweggründe, nach ersten intensiven Erfahrungen auf einer neurologischen Intensivstation eine kritische Analyse des Systems Intensivtherapie zu verfassen.
2. Vorüberlegungen zur Ethik in der Medizin: Es wird die medizinethische Debatte, insbesondere die Hirntodkonzeption und das Transplantationsgesetz, in den Kontext klinischer Entscheidungen gestellt.
3. Rahmenbedingungen in der Intensivpflege: Dieses Kapitel beschreibt die organisatorische Struktur der neurologischen Intensivstation sowie die klinischen Belastungsfaktoren.
4. Sozialverhalten und Interaktion zwischen Mitarbeitern und Patienten: Untersuchung der interaktionellen Prozesse zwischen den Berufsgruppen und dem Patienten unter besonderer Berücksichtigung asymmetrischer Abhängigkeiten.
5. Zur psychischen Situation der Pflegenden: Analyse der emotionalen Belastungen und Bewältigungsmechanismen des Pflegepersonals bei der Konfrontation mit Krankheit und Tod.
6. Der Todesfolgenberuf: Reflexion über den Umgang mit dem Sterben und die unterschiedlichen Verhaltensmuster der Kollegen angesichts der permanenten Konfrontation mit dem Tod.
7. Zusammmmenfassung: Zusammenführender Überblick über die zentralen Erkenntnisse der vorangegangenen Kapitel zur Belastung und Interaktion auf Intensivstationen.
8. Schlußbemerkung: Abschlussbetrachtung zur systembedingten Entfremdung im Krankenhaus und dem Spannungsfeld zwischen Ethik und technisch-objektivierender Wissenschaft.
Intensivmedizin, neurologische Intensivstation, Pflegepersonal, Arzt-Patient-Verhältnis, Ethik, Hirntod, Sterbebegleitung, psychosoziales Gefüge, Interaktion, Arbeitsbelastung, Krankenhaus, professionelle Distanz, Burnout, Patientenrolle, Kommunikation.
Die Arbeit analysiert die psychosozialen Interaktionsprozesse auf einer neurologischen Intensivstation und beleuchtet die Spannungsfelder zwischen medizinischem Anspruch, ethischen Anforderungen und der Realität des klinischen Alltags.
Zentrale Themen sind die Ethik der Medizin, die Arbeitsbedingungen in der Intensivpflege, die psychische Situation von Patienten sowie die sozialen Spannungen innerhalb der Behandlungsteams.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie strukturelle Systemdefekte und die tägliche Konfrontation mit schwerem Leid und Tod die Interaktionen und das Verhalten von Ärzten, Pflegekräften und Patienten beeinflussen.
Der Autor wählt einen deskriptiven Ansatz, kombiniert mit eigenen beruflichen Beobachtungen, der Auswertung soziologischer Fachliteratur sowie spezifischer Studien zu Arbeitszufriedenheit und Interaktionsprozessen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Rahmenbedingungen, die Analyse der Arzt-Pflege-Beziehung, die Untersuchung der Patientenrolle und der psychischen Belastung aller Beteiligten.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Intensivmedizin, Interaktion, ethische Konflikte, professionelle Belastung und die Kommunikation mit schwerkranken Patienten definiert.
Der Autor konstatiert, dass der Primat von Forschung und Lehre sowie der Einsatz unerfahrener Ärzte zu einer entmenschlichten "Negativauslese" von Patienten führen kann, was das pflegerische Handeln stark erschwert.
Der Autor kritisiert die teilweise verweigerte adäquate Analgetisierung und Sedierung bei Sterbenden aufgrund unbegründeter Suchtängste, was den sterbenden Patienten im Routinebetrieb oft unnötig belastet.
Der Begriff beschreibt die spezifische emotionale Belastung des Personals durch die ständige Konfrontation mit sterbenden Patienten und die oft unzureichenden oder dysfunktionalen Mechanismen zur Bewältigung dieses Drucks.
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