Magisterarbeit, 2004
97 Seiten, Note: 1,1
Einleitung
1. Zur Entwicklung und Definition von Hypertext
1.1 Exkurs: Geschichte des Hypertextes
1.2 Definitionsansätze
1.3 Sprachliche Linearität
1.3.1 Linearität in diachroner Betrachtung
1.3.2 Linearität in Hypertexten
1.4 Interaktivität
1.5 Linktypen
1.6 Hypertextstrukturen
1.7 Theorien zur Hypertextrezeption
2. Kohärenz in Text und Hypertext
2.1 Kohärenz als Kriterium für Textualität
2.1.1 Sprachsystematische vs. kommunikationsorientierte Perspektive
2.1.2 Kohäsion
2.1.3 Thematische und funktionale Kohärenz
2.1.4 Wissensmanagement
2.1.5 Globale Schemata und Strukturen
2.2 Möglichkeiten der Kohärenzplanung in Hypertexten
2.2.1 Typen von Kohärenzbildungshilfen
2.2.2 Metaphern
2.2.3 Navigationssysteme und Sitemaps
2.2.4 Guided Tours
2.2.5 Typisierte Links
2.2.6 Layout und Gestaltung
3. Hypertextentwicklung im Internet
3.1 Überlegungen zur Korpusauswahl
3.2 Untersuchungskriterien
3.3 Gruppe A: Nachrichtenangebote
3.3.1 Spiegel Online
3.3.2 Andere Nachrichtenmagazine
3.4 Gruppe B: Informationsangebote
3.5 Wikipedia
4. Diskussion
4.1 Beobachtbare Konventionalisierungsprozesse
4.1.1 Herausbildung eines prototypischen Spaltenlayouts
4.1.2 Omnipräsente Hauptnavigation
4.1.3 Abgeschlossene Dokumente
4.1.4 Optionale Einstiegsangebote
4.1.5 Hierarchischer Zugriff, lineare Organisation
4.2 Interpretation der Ergebnisse
4.3 Konsequenzen für die Kohärenzplanung in Hypertexten
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit sich die utopischen Prognosen für Hypertextkommunikation in der Praxis bestätigen und wie Hypertext zum gedruckten Text in Beziehung steht. Zentral ist dabei die Analyse, ob eine grundlegende Delinearisierung stattfindet oder ob sich bestehende Konventionen der Textkommunikation auf das neue Medium übertragen lassen.
1.1 Exkurs: Geschichte des Hypertextes
Trotz der explosionsartigen Verbreitung und Weiterentwicklung von Hypertext, primär bedingt durch die breite Verfügbarkeit leistungsfähiger Computer und Betriebssysteme seit Ende der 90er Jahre sowie die kommerzielle Expansion des World Wide Web, entstanden weder das Hypertextkonzept noch die Technologie über Nacht. Hypertextsysteme wurden seit den 60er Jahren überwiegend im akademischen Kontext verwendet und weiterentwickelt, die zugrunde liegende Idee der technisch gestützten Verknüpfung einer breiten Informationsbasis geht jedoch noch weiter zurück. Bereits lange bevor die technischen Möglichkeiten zur Realisation der Hypertextidee in Sicht waren, tauchte die Idee textueller Netzwerke auf. So entwarf H.G. Wells bereits 1936 eine Weltenzyklopädie, die er folgendermaßen beschrieb: „[The organization of this Worldenzyklopedia would] spread like a nervous network […] knitting all the intellectual workers of the world through a common interest and a common medium of expression into a more and more conscious co-operating unity.“ Diese Vision war eine Reaktion auf die ständig wachsende Flut von Informationen, vor allem im wissenschaftlichen Bereich, die sich aufgrund ihres Umfangs und ihrer Komplexität mit den herkömmlichen Methoden der Textverarbeitung und -organisation nicht mehr bewältigen ließen.
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die utopischen Erwartungen an Hypertext als demokratisierendes Medium und steckt den Rahmen für die Untersuchung ab, inwiefern sich diese Versprechen im World Wide Web erfüllen.
1. Zur Entwicklung und Definition von Hypertext: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung des Hypertextes nach und erarbeitet die wesentlichen Merkmale Nichtlinearität, Multimedialität und elektronische Publikationsform.
2. Kohärenz in Text und Hypertext: Hier werden linguistische Kriterien für Textualität erörtert, wobei der Schwerpunkt auf den Mechanismen der Kohärenzbildung und den Problemen bei der Navigation in nicht-linearen Strukturen liegt.
3. Hypertextentwicklung im Internet: Anhand einer Korpusanalyse von Nachrichten- und Informationsangeboten sowie Wikipedia wird der Status Quo der praktischen Anwendung von Hypertext-Konventionen untersucht.
4. Diskussion: Das abschließende Kapitel interpretiert die Befunde und diskutiert die Konsequenzen für die Kohärenzplanung in Hypertexten vor dem Hintergrund der Erkenntnis, dass sich eher konventionelle Strukturen durchgesetzt haben.
Hypertext, Kohärenz, Textlinguistik, World Wide Web, Nichtlinearität, Multimedialität, Navigation, Hypermedia, Internet, Textsorten, Wissensmanagement, Schemata, Konventionalisierung, Textdesign, Informationseinheit
Die Arbeit analysiert die Bedingungen und Strategien der Kommunikation in Hypertexten. Sie prüft, ob das Hypertext-Konzept tatsächlich traditionelle lineare Textstrukturen revolutioniert oder ob sich lediglich bewährte Konventionen des gedruckten Textes in digitaler Form fortsetzen.
Zu den zentralen Themen gehören die theoretische Fundierung von Hypertext, die textlinguistische Untersuchung von Kohärenz, die Analyse von Navigationshilfen sowie eine empirische Bestandsaufnahme der aktuellen Internetpraxis.
Ziel ist es, das Verhältnis zwischen dem theoretischen Hypertext-Konzept und seiner tatsächlichen Umsetzung im World Wide Web zu beleuchten und zu klären, welche Bedingungen für eine substanzielle Bereicherung der Textkommunikation erforderlich wären.
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Aufarbeitung textlinguistischer und hypertext-spezifischer Grundlagen mit einer Korpusanalyse ausgewählter Internetangebote, um Konventionalisierungsprozesse im Web zu identifizieren.
Der Hauptteil erstreckt sich von den geschichtlichen Grundlagen und Definitionsansätzen über eine detaillierte Analyse der Textkohärenz bis hin zur praktischen Untersuchung von Nachrichten- und Informationsangeboten sowie Wikipedia.
Wichtige Schlagworte sind Hypertext, Kohärenz, Nichtlinearität, Multimedialität, Navigation, World Wide Web und Textsorten.
Wikipedia nimmt im untersuchten Korpus eine Sonderstellung ein, da sie als einzige Anwendung eine genuine Netzstruktur aufweist und durch bi-direktionale Links ein assoziatives, nicht-lineares Lesen ermöglicht.
Der Autor nutzt dieses Konzept, um zu erklären, dass neben der textlichen Ebene auch die operationale Gestaltung (Links, Navigation, Layout) eine entscheidende Rolle für die Kohärenzsicherung in nicht-linearen Angeboten spielt.
Das Fazit lautet, dass Hypertext in der gegenwärtigen Praxis im Internet weniger multilinear ist, als theoretisch oft postuliert wird; stattdessen dominieren hierarchische Strukturen und die Imitation bewährter gedruckter Textmuster.
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