Magisterarbeit, 2003
95 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Einleitende Betrachtung der literarischen Sinnsuche
3. Die Sinnsuchen in den literarischen Vorlagen
3.1. Die Sinnsuche in den Vorlagen zu „Faserland“
3.1.1. Die Suche nach Identität in Salingers „The Catcher in the Rye“
3.1.2. Die Suche nach Selbstverwirklichung in Kerouacs „On the Road“
3.2. Die Sinnsuchen in den Vorlagen zu „1979“
3.2.1. Die Suche nach Erlösung in der Jenseitswanderung
3.2.2. Die Suche nach Erlösung im Gralsroman
4. Analogien zwischen den Romanen und ihren Vorlagen
4.1. Vorüberlegung
4.2. Schnittpunkte in „Faserland“
4.2.1. Analogien zu Salingers „The Catcher in the Rye“
4.2.2. Analogien zu Kerouacs „On the Road“
4.3. Schnittpunkte in „1979“
4.3.1. Analogien zum Gralsroman
4.3.2. Analogien zur Jenseitswanderung
5. Differenzen zwischen den Romanen und ihren Vorlagen
5.1. Vorüberlegung
5.2. Differenzen in der Figurencharakteristik
5.3. Differenzen in der Gestaltung der Sinnsuchen
6. Abschließende Betrachtung der Queste im Erzählvorgang
7. Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse
Die vorliegende Arbeit untersucht die Romane „Faserland“ und „1979“ von Christian Kracht im Hinblick auf die thematische Verarbeitung der Sinnsuche. Dabei wird analysiert, wie der Autor durch Intertextualität auf literarische Vorlagen rekurriert, diese transformiert und welche Analogien sowie Differenzen sich in der Darstellung von Identitätskrisen und existenziellen Suchbewegungen im Vergleich zu den Prätexten ergeben.
4.2.1. Analogien zu Salingers „The Catcher in the Rye“
Auf die Analogien zwischen „Faserland“ und Salingers „The Catcher in the Rye“ wurde bereits mehrfach hingewiesen77, eine detaillierte Analyse aber fehlt bisher. Meist blieben die aufgezeigten Parallelen zwischen beiden Romanen vage und an der Oberfläche, bezogen sich etwa auf ihren jeweiligen Status als sogenannte Zeitgeistromane oder auf die gleichermaßen als provokativ empfundene Haltung und Sprache der Protagonisten. Die Analogien zwischen beiden Romanen gehen jedoch weit darüber hinaus bis in motivische Details und sprachliche Einzelheiten78 hinein.
Vor allem in der Figurencharakteristik lassen sich eine Reihe von Parallelen zwischen dem Protagonisten in „Faserland“ und dem Erzähler Holden Caulfield in Salingers „The Catcher in the Rye“ ziehen. So befinden sich beide Protagonisten zunächst in einem Zustand der Entfremdung von der Außenwelt. Ihre Position als gesellschaftliche Außenseiter tritt dabei bereits vor dem Antritt ihrer Reisen deutlich zu Tage. So ist Holden auf seinem Internat kein integriertes Mitglied der Schulgemeinschaft und seine Einsamkeit und Isolation zeigt sich explizit bei einem Fußballspiel seiner Schule, das er einsam von einem Hügel aus betrachtet, (C, S.7)79. Auch Krachts Protagonist befindet sich zu Beginn des Romans einsam und allein in einer Fisch-Bude auf Sylt (F, S.9)80.
In beiden Romanen basiert die Entfremdung der Protagonisten auf einer Ablehnung ihres sozialen Umfeldes. Holden etwa klagt über die oberflächliche Konventionalität seiner Freundin Sally (C, S.79) und den pseudowissenschaftlichen Snobismus seines früheren Schulkollegen Luce (C, S.109f), ebenso wie der Ich-Erzähler in „Faserland“ über die materialistischen Oberflächlichkeit seiner Bekannten Karin, Anne und Sergio (F, S.14f). Zugleich erstreckt sich jedoch ihr individueller Protest auf die gesamte sie umgebende Außenwelt. So ist Holden die phoniness der Gesellschaft, ihre Angeberei, Heuchelei und materialistische Oberflächlichkeit unerträglich, während in „Faserland“ der Ich-Erzähler seine Umgebung immer wieder neu verbal aggressiv demontiert und seine Tiraden gegen Taxifahrer, Werber und Sozialdemokraten, ebenso wie gegen Neureiche, Autonome und Betriebsratsvorsitzende richtet.81
1. Einleitung: Die Einleitung situiert Christian Krachts Werk im Kontext der Postmoderne und legt den Fokus auf die Bedeutung der Intertextualität als zentrales Produktionsmittel für die Sinnsuche.
2. Einleitende Betrachtung der literarischen Sinnsuche: Dieses Kapitel führt das archetypische Grundschema der Queste ein, um die theoretische Basis für die Untersuchung der späteren Vorlagen zu legen.
3. Die Sinnsuchen in den literarischen Vorlagen: Hier werden die literarischen Gattungen und Einzelwerke (Salinger, Kerouac, Jenseitswanderung, Gralsroman) als Quellen der Sinnsuche analysiert.
4. Analogien zwischen den Romanen und ihren Vorlagen: Dieses Kapitel belegt intertextuelle Bezüge und motivische Entlehnungen, die Krachts Romane mit ihren Prätexten verbinden.
5. Differenzen zwischen den Romanen und ihren Vorlagen: Der Hauptteil der Arbeit arbeitet die spezifischen Abweichungen und die Transformation der Sinnsuche in den beiden Romanen heraus.
6. Abschließende Betrachtung der Queste im Erzählvorgang: Die Untersuchung reflektiert, wie Kracht die traditionellen Strukturen der Queste durch eine indifferent-kommentarlose Erzählweise auflöst.
7. Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse über den Zerfall des autonomen Subjekts und die Entleerung der Sinnsuche in Krachts Romanen zusammen.
Christian Kracht, Faserland, 1979, Sinnsuche, Queste, Intertextualität, Postmoderne, Identität, Popliteratur, Adoleszenzroman, Gralsroman, Jenseitswanderung, Entfremdung, Selbstinszenierung, Indifferenz.
Die Arbeit untersucht, wie der Autor Christian Kracht in seinen Romanen „Faserland“ und „1979“ das klassische Motiv der literarischen Sinnsuche (Queste) aufgreift und intertextuell mit bedeutenden Vorlagen verknüpft.
Zentrale Themen sind die Postmoderne, der Begriff der Sinnsuche, Identitätsprobleme, die Technik der Intertextualität sowie die kritische Reflexion gesellschaftlicher Werte und Normen.
Das Ziel ist es, die strukturellen und semantischen Analogien sowie die markanten Unterschiede zwischen Krachts Texten und ihren literarischen Vorlagen herauszuarbeiten und die spezifische Gestaltung der Sinnsuche in der zeitgenössischen Popliteratur zu beleuchten.
Die Untersuchung basiert auf einer komparativen Analyse literarischer Texte, unter Einbeziehung narratologischer Ansätze und der Untersuchung des Konzepts der Queste sowie der literaturwissenschaftlichen Intertextualitätsforschung.
Im Hauptteil werden zunächst die Vorlagen (Adoleszenzromane, Gralsromane, Jenseitswanderungen) analysiert, gefolgt von einer detaillierten Untersuchung der Analogien in „Faserland“ und „1979“ sowie einer kritischen Analyse der Differenzen in Figurencharakteristik und Suchgestaltung.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Intertextualität, Postmoderne, Queste, Sinnsuche, Indifferenz und Identitätsverlust geprägt.
Während Parzival im Gralsroman durch Reifung und Erkenntnis eine spirituelle Entwicklung durchläuft, bleibt der Protagonist in „1979“ indifferent, orientierungslos und wird letztlich zu einer Marionette des totalitären Systems, ohne eine echte innere Läuterung zu erfahren.
Marken und ästhetische Labels dienen dem Erzähler in „Faserland“ als Mittel der Selbstinszenierung und als Ersatz für eine stabile Identität, da er sich moralisch und politisch nicht mehr in der Welt verorten kann.
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