Wissenschaftlicher Aufsatz, 2005
61 Seiten
Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
1. Armenozid - Zur Bedeutung eines Schlagworts
2. Zwischen Ignoranz und Apologie -
Wolfgang J. Mommsen und andere über Armenozid
3. Völkermord als Staatsverbrechen
4. Das „ungeheure Verbrechen“ -
Karl Jaspers über das Staatsverbrechen Völkermord
5. Aufarbeitung/en; Resolutionsentwurf
6. „Kavgam“ und mehr „Mein Kampf“ als Besteller in der Türkei, 2005
7. Lebenskultur und Frühwarnsystem Theoretische Aspekte des Völkermord[en]s
Die vorliegende Arbeit bietet eine politikhistorische Analyse des Völkermords an den Armeniern im Osmanischen Reich 1915/16. Der Autor untersucht die systematische Vernichtungspolitik, die Rolle der deutschen Mitverantwortung sowie die anhaltende Leugnung durch die heutige türkische Regierung und setzt diese in den Kontext einer notwendigen europäischen Erinnerungskultur und Prävention.
1. Armenozid - Zur Bedeutung eines Schlagworts
Zugegeben - der Titel dieses Beitrags besteht aus einem Wort, das ein Kunstwort ist: Armenozid. So heißt auch eine wichtige deutsche Netzseite (Website), die von Wolfgang [und] Sigrid Gust als Herausgeber veranstaltete http://www.armenocide.de. Gebräuchlich war das artifizielle Wortkonstrukt: Armenocide zunächst in armeno-amerikanischen Überlebenden-, Publikations- und Forschergemeinschaft/en der Vereinigten Staaten von Amerika (USA). Seit den 1970er Jahren, also innerhalb der letzten drei(undhalb) Jahrzehnte, wurde Armenocide auch im Zusammenhang mit der medienvermittelten „Holocaust“-Diskussion internationalisiert und wird heute auch innerhalb der Wissenschaftler/innen, die zum Völkermord (Genozid) forschen, benützt.
Armenozid ist das deutsche Substantiv von armenocide. Beide Worte sind von Arme-nius cidere abgeleitet und und meinen den Völkermord im Osmanischen Staat an Armeniern als religiöser, ethnischer und politischer Minderheit während des Ersten Weltkriegs 1915/18. Im Wort finden sich sowohl die Opfergruppe (Armenier) als auch das Mordgeschehen (cidere) wieder. Über die Form des Mord(en)s ist, im Gegensatz zum viel bekannteren Begriff und Kunstwort: Holocaust (wörtlich: holokaustos im Sinne von völlig verbrannt), bei Armenozid nichts ausgesagt...obwohl doch, beim Wort genommen, im historischen Völkermordgeschehen während des Ersten Weltkriegs eher Armenier lebendig verbrannt wurden als später, während des Zweiten Weltkriegs, Juden: „Das Verbrechen dieses Völkermords [ist] in seiner kalten unmenschlichen Planung und in seiner tödlichen Wirksamkeit in der menschlichen Geschichte einmalig“ (Kohl 1987).
Im Holocaust-Wortfeld findet sich in noch allen Bedeutungsvarianten das Moment der Tötung durch Feuer, also der Verbrennung von Menschen. Genozid schließlich meint einen Stamm töten (genus cidere) und wird im deutschen Sprachgebrauch meist zur Kennzeichnung der gesamten oder teilweisen gewaltsamen Ausrottung eines Volkes oder einer Volksgruppe (Ethnie) verstanden (Albrecht 1989, 69: Synopse).
1. Armenozid - Zur Bedeutung eines Schlagworts: Das Kapitel erläutert die Entstehung und Bedeutung des Begriffs „Armenozid“ im wissenschaftlichen und diskursiven Kontext.
2. Zwischen Ignoranz und Apologie - Wolfgang J. Mommsen und andere über Armenozid: Es erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichtsschreibung, die den Genozid an den Armeniern teilweise ignoriert oder apologetisch behandelt.
3. Völkermord als Staatsverbrechen: Das Kapitel definiert den Völkermord als staatlich organisierte Vernichtungspolitik unter Bezugnahme auf theoretische Ansätze von Hannah Arendt und Raphael Lemkin.
4. Das „ungeheure Verbrechen“ - Karl Jaspers über das Staatsverbrechen Völkermord: Die Argumentation von Karl Jaspers zum Verbrecherstaat dient als Grundlage für das Verständnis des Verwaltungsmassenmords.
5. Aufarbeitung/en; Resolutionsentwurf: Dieser Abschnitt thematisiert die parlamentarische Aufarbeitung durch den Deutschen Bundestag im Jahr 2005 und die damit verbundenen gesellschaftlichen Kontroversen.
6. „Kavgam“ und mehr „Mein Kampf“ als Besteller in der Türkei, 2005: Das Kapitel dokumentiert die Verbreitung nationalsozialistischer Literatur in der Türkei und den Widerstand gegen eine kritische Geschichtsschreibung.
7. Lebenskultur und Frühwarnsystem Theoretische Aspekte des Völkermord[en]s: Der Autor schließt mit theoretischen Überlegungen zur Entwicklung eines gesellschaftlichen Frühwarnsystems gegen Völkermordtendenzen.
Armenozid, Genozid, Völkermord, Osmanisches Reich, Staatsverbrechen, Erinnerungskultur, Deutsche Verantwortung, Johannes Lepsius, Armenier, Holocaust, Verwaltungsmassenmord, Prävention, Aufarbeitung.
Die Arbeit behandelt die systematische Vernichtung der Armenier im Osmanischen Reich 1915/16 als ersten Genozid des 20. Jahrhunderts.
Im Fokus stehen die historische Aufarbeitung, die politische Rolle des Deutschen Reiches, die Leugnungsstrategien der modernen Türkei und die theoretische Fundierung des Völkermordbegriffs.
Das Ziel ist eine politikhistorische Zwischenbilanz, die die Notwendigkeit der Anerkennung des Armenozids als Staatsverbrechen unterstreicht.
Der Autor wendet einen kulturanalytisch-sozialwissenschaftlichen Ansatz an, der politikgeschichtliche Forschung mit soziologischen Theorien zum Genozid verknüpft.
Neben historischen Fakten werden die wissenschaftliche Auseinandersetzung (bzw. deren Ausbleiben), parlamentarische Resolutionen und die aktuelle gesellschaftliche Bedeutung der Aufarbeitung analysiert.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Armenozid, Staatsverbrechen, Völkermord, Erinnerungskultur und gesellschaftliche Prävention geprägt.
Der Autor kritisiert scharf die unrühmliche Rolle des Deutschen Reiches, das trotz genauer Kenntnisse über die Vernichtung der Armenier keine wirksamen Interventionsmaßnahmen ergriff.
Sie dienen als zentrales Fallbeispiel für die parlamentarische Debatte und den Versuch, durch Gedenken und Aufarbeitung einen Beitrag zur Versöhnung zwischen Türken und Armeniern zu leisten.
Der Autor konstatiert eine andauernde Leugnung und Unterdrückung von Wissenschaftlern, die sich mit dem Genozid auseinandersetzen, weist jedoch auch auf zaghafte positive Ansätze des Dialogs hin.
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