Magisterarbeit, 2004
85 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1. Das Reale als das Bewusstseinsjenseitige und -unabhängige
1.1. Das Reale in der natürlichen Einstellung
1.2. Descartes
1.3. Kant
2. Versuche der erfahrungsmäßigen Aufweisung des Realen als des Bewusstseinsjenseitigen und –unabhängigen
2.1. Das Reale als das durch Empfindungen Vermittelte
2.2. Das Reale als das Transzendente
2.2.1. Transzendenz und Realität bei Landmann
2.2.2. Transzendenz und Realität bei Husserl
2.2.3. Transzendenz und Bewusstseinsjenseitigkeit
2.3. Der Stand der Untersuchung
3. Die phänomenologische Methode und ihre Implikationen für das Problem des Realen
4. Das Reale als das sich im Verlauf der Wahrnehmung Bewährende
4.1. Die Wahrnehmungskonstanten
4.2. Die Erwartungen an den Wahrnehmungsverlauf hinsichtlich des einzelnen Gegenstandes
4.3. Die Erwartungen an den Wahrnehmungsverlauf hinsichtlich eines Gegenstandes im Zusammenhang mit anderen Gegenständen
5. Das Reale als das Widerständige
5.1. Schelers Fassung des Widerstands
5.2. Verdeckte Anschaulichkeit und sinnliche Gegebenheit bei Conrad-Martius
6. Das Reale als das verschiedenen Wahrnehmenden Zugängliche
6.1. Bewährung und Enttäuschung auf der Ebene intersubjektiver Erfahrung
Schluss: Der Status der Bestimmungen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, eine phänomenologisch fundierte Bestimmung des Realen zu erarbeiten, die über die problematische traditionelle Auffassung einer bewusstseinsunabhängigen Existenz hinausgeht. Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage, wie reale Gegenstände in der Erfahrung von irrealen unterschieden werden können, wobei die Arbeit die notwendigen Kriterien für eine solche Unterscheidung herausarbeitet.
1.1. Das Reale in der natürlichen Einstellung
Die nicht-philosophische Haltung des Menschen im Alltag wird von verschiedenen Phänomenologen, so zum Beispiel Husserl, Heidegger und Merleau-Ponty, übereinstimmend als eine solche beschrieben, in der die Existenz von Wahrgenommenem nicht in Frage gestellt, sondern vielmehr als selbstverständlich vorausgesetzt wird. „Generalthesis der natürlichen Einstellung“, „In-der-Welt-sein“ und „Wahrnehmungsglaube“ sind allesamt Ausdrücke, die diesen Sachverhalt bezeichnen oder zumindest implizieren.
Bezüglich dieser Alltagsüberzeugung lassen sich, darin Husserl folgend, verschiedene Stufen ausmachen. Zunächst bezieht sie sich auf das mit den verschiedenen Sinnen jeweils aktuell Wahrgenommene. Am Schreibtisch arbeitend, spüre ich mit den Händen den Tisch, auf den ich mich stütze, den Stift, den ich halte, und das Papier, über welches er gleitet. All dies sehe ich gleichzeitig, und auch, wie auf dem Blatt vor mir langsam Reihen von Buchstaben erscheinen. Ich höre, wie die Feder über das Papier kratzt und nehme möglicherweise den scharfen Geruch noch auf säurehaltigem Papier gedruckter Bücher im Regal neben mir wahr. Auf all diese Gegenstände – Tisch, Papier, Stift, Bücher – erstreckt sich meine Überzeugung ihrer Existenz. Diese Überzeugung erschöpft sich allerdings nicht in ihrem Bezug auf aktuell Wahrgenommenes: „Für mich da sind wirkliche Objekte, als bestimmte, mehr oder minder bekannte, in eins mit den aktuell wahrgenommenen, ohne dass sie selbst wahrgenommen, ja selbst anschaulich gegenwärtig sind.“
Einleitung: Einführung in das Problem der Bestimmung des Realen und Abgrenzung gegenüber dem Irrealen.
1. Das Reale als das Bewusstseinsjenseitige und -unabhängige: Untersuchung der klassischen Bestimmung des Realen als bewusstseinsunabhängig bei Descartes und Kant.
2. Versuche der erfahrungsmäßigen Aufweisung des Realen als des Bewusstseinsjenseitigen und –unabhängigen: Analyse der Probleme bei dem Versuch, Bewusstseinsunabhängigkeit durch Empfindungen oder Transzendenz zu begründen.
3. Die phänomenologische Methode und ihre Implikationen für das Problem des Realen: Erörterung der phänomenologischen Grundsätze und deren Konsequenzen für die Realitätsfrage.
4. Das Reale als das sich im Verlauf der Wahrnehmung Bewährende: Untersuchung der Rolle von Erwartungen und Bewährungszusammenhängen bei der Wahrnehmung.
5. Das Reale als das Widerständige: Analyse von Schelers und Conrad-Martius' Konzept der Widerständigkeit zur Abgrenzung des Realen.
6. Das Reale als das verschiedenen Wahrnehmenden Zugängliche: Erörterung der Bedeutung intersubjektiver Zugänglichkeit für die Bestimmung realer Gegenstände.
Schluss: Der Status der Bestimmungen: Zusammenfassende Darstellung der dreifachen Bestimmung des Realen.
Phänomenologie, Realität, Wahrnehmung, Bewusstsein, natürliche Einstellung, Transzendenz, Erwartung, Bewährung, Widerständigkeit, Intersubjektivität, Erfahrung, Erkenntnistheorie, Gegenstand, Erscheinung, intentionaler Horizont.
Die Arbeit untersucht die philosophische Frage, was reale Gegenstände in unserer Erfahrung von irrealen Gegenständen unterscheidet.
Die Themen umfassen die phänomenologische Analyse von Wahrnehmung, die Rolle von Erwartungen im Wahrnehmungsverlauf, das Kriterium der Widerständigkeit und die Bedeutung der intersubjektiven Zugänglichkeit.
Ziel ist es, eine haltbare und phänomenologisch begründete Bestimmung des Realen zu finden, die ohne metaphysische Konstruktionen auskommt.
Die Arbeit bedient sich der phänomenologischen Methode, insbesondere der Analyse von Bewusstseinsakten und deren Gegenständen im Sinne Husserls und Merleau-Pontys.
Im Hauptteil werden verschiedene Ansätze zur Bestimmung des Realen diskutiert, angefangen bei klassischen Modellen bis hin zu phänomenologischen Kriterien wie der Bewährung im Zeitverlauf.
Wesentliche Begriffe sind Phänomenologie, Realität, Wahrnehmung, Erwartung, Bewährung, Widerständigkeit und Intersubjektivität.
Reale Gegenstände zeichnen sich durch Stabilität im Wahrnehmungsverlauf (Bewährung), Widerständigkeit gegen den Willen des Subjekts und intersubjektive Zugänglichkeit aus.
Es dient dazu, die vermeintliche Willkür bei der Identifizierung von Gegenstandseigenschaften zu überwinden und eine fundierte Basis für die Wahrnehmungskonstanz zu schaffen.
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