Examensarbeit, 2012
67 Seiten, Note: 1,3
(1) EINLEITUNG
(2) DIE ITALIENISCHE TRAGÖDIE DES 16. JAHRHUNDERTS
a. TRAGÖDIENVERSTÄNDNIS DER ZEIT
i. DIE ARISTOTELISCHE POETIK
ii. DIE TRAGÖDIE NACH EUANTHIUS
b. FULIGNIS WIDMUNGSSCHREIBEN
(3) DIE EROBERUNG ZYPERNS IM HISTORISCHEN KONTEXT
a. DIE EUROPÄISCHE WELT IM 16. JAHRHUNDERT
b. ZYPERN UNTER VENEZIANISCHER SUPREMATIE
c. DAS ENDE DER LATEINISCHEN HERRSCHAFT AUF ZYPERN
(4) VALERIO FULIGNIS BRAGADINO
a. AUFBAU UND INHALT
i. PERSONEN
ii. HANDLUNG
b. DAS LITERARISCHE WERK ZWISCHEN HISTORISCHEM EREIGNIS UND POLITISCHER PROPAGANDA
(5) VICENZO GIUSTIS IRENE
a. AUFBAU UND INHALT
i. PERSONEN
ii. HANDLUNG
b. DAS LITERARISCHE WERK IM SPIEGEL DES HISTORISCHEN KONTEXTES
(6) RESÜMEE
Die vorliegende Arbeit untersucht die Thematisierung von zeitgenössischer Geschichte in der italienischen Tragödie des 16. Jahrhunderts. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie historische Ereignisse – konkret die Eroberung Zyperns und der Fall Famagustas – in eine dramatische Form überführt wurden und welche Rolle dabei die Abkehr vom klassischen, aristotelischen Regelkanon sowie die Einbettung in politische Propagandazwecke spielten.
Die Eroberung Zyperns im historischen Kontext
Von außerordentlich großer Bedeutung für das gesamte christliche Europa war die Auseinandersetzung mit den stetig expandierenden Osmanen. Nach dem Fall Konstantinopels am 29. Mai 1453 sahen viele europäische Mächte ihre kolonialen Besitzungen im Mittelmeer gefährdet, insbesondere die Republik Venedig als die vorherrschende Handels- und Seemacht im Mittelmeer.
Die Serenissima betrieb fortan eine Politik, die versuchte, ihr Seereich gegen die expandierenden Türken zu halten und den unentbehrlichen Handel so weit wie möglich weiter zu betreiben. Man schwankte in der Haltung zum Osmanischen Reich immer zwischen offener Rivalität in den vier venezianisch-osmanischen Kriegen und den dazwischen liegenden Friedensabkommen, die das stetig schrumpfende Handelsimperium am Leben hielten. Bereits im dritten venezianisch-osmanischen Krieg von 1537 bis 1540 besetzten die Osmanen nahezu alle venezianischen Stützpunkte und Inseln im Mittelmeer, sodass Venedigs Vorrangstellung im östlichen Mittelmeer massiv bedroht war. Mit Zypern fiel 1570/71 der letzte wichtige Stützpunkt der Serenissima im östlichen Mittelmeer.
In Anbetracht dieser gravierenden Verluste schloss sich Venedig mit Spanien, Genua, Florenz, Parma, Ferrara, Malta und dem Kirchenstaat zur Heiligen Liga zusammen, die am 7. Oktober 1571 unter dem Kommando Juan d’Austrias die Osmanen in einer Seeschlacht bei Lepanto vernichtend besiegen konnte. Dennoch war dies keinesfalls eine Zäsur in den machtpolitischen Verhältnissen im Mittelmeer. Die Osmanen begannen unmittelbar mit der Aushebung einer neuen Flotte, während Spanien sogleich ankündigte, sich vorrangig der Eroberung Tunesiens zu widmen. Venedig sah sich gezwungen, einen Separatfrieden mit den Osmanen zu schließen, obgleich Spanien und der Papst heftig protestierten.
(1) EINLEITUNG: Einführung in das Thema der Thematisierung von Zeitgeschichte in der italienischen Tragödie des 16. Jahrhunderts und Darstellung des Untersuchungsgegenstandes.
(2) DIE ITALIENISCHE TRAGÖDIE DES 16. JAHRHUNDERTS: Erläuterung des theoretischen Tragödienverständnisses der Epoche unter Berücksichtigung der aristotelischen Poetik sowie abweichender Konzepte wie jener von Euanthius.
(3) DIE EROBERUNG ZYPERNS IM HISTORISCHEN KONTEXT: Darstellung der geopolitischen Situation im 16. Jahrhundert, der venezianischen Herrschaft auf Zypern und des Konflikts mit dem Osmanischen Reich.
(4) VALERIO FULIGNIS BRAGADINO: Analyse von Aufbau, Personen und Handlung des Werkes sowie Untersuchung seiner Funktion als politisches Instrument.
(5) VICENZO GIUSTIS IRENE: Analyse und Vergleich von Giustis Werk, insbesondere hinsichtlich der fiktionalen Ausgestaltung und der Vermischung mit historischen Fakten.
(6) RESÜMEE: Zusammenfassende Bewertung der Thematisierung von Zeitgeschichte als literarisches Phänomen der Epoche und Einordnung der untersuchten Werke.
Italienische Tragödie, 16. Jahrhundert, Cinquecento, Zeitgeschichte, Zypern, Famagusta, Osmanisches Reich, Aristotelische Poetik, Valerio Fuligni, Vicenzo Giusti, Politische Propaganda, Märtyrer, Türkengefahr, Venedig, Dramatik
Die Arbeit befasst sich mit der bislang wenig beachteten Praxis von Autoren des 16. Jahrhunderts, aktuelle politische Zeitgeschichte in der Form der klassischen Tragödie zu verarbeiten.
Zentrale Themen sind der Einfluss historischer Ereignisse (speziell des Falls von Zypern) auf die Literatur, die theoretische Debatte über die Tragödienform und die Nutzung von Literatur zu Propagandazwecken.
Das Ziel ist die Analyse, wie zwei spezifische Tragödien (Fulignis Bragadino und Giustis Irene) aktuelle Ereignisse ihrer Zeit literarisch umsetzten und dabei sowohl klassische Modelle nutzen als auch in den Dienst politischer Interessen stellten.
Der Autor führt eine literaturwissenschaftliche Analyse durch, die inhaltliche und formale Aspekte der Werke untersucht und diese in den historisch-politischen Kontext der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts einbettet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Tragödientheorie, eine historische Rekonstruktion des Falls von Zypern sowie eine detaillierte Inhalts- und Wirkungsanalyse der beiden gewählten Tragödien.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Cinquecento, osmanische Expansion, Aristotelische Poetik, Tragödientheorie, politische Propaganda und die literarische Darstellung des "Türken" als Feindbild.
Fuligni beruft sich zwar auf Aristoteles, zeigt aber eine klare Abkehr von der klassischen griechisch-römischen Mythologie, da er diese als heidnisch und für Christen problematisch ablehnt.
Giusti verwendet zwar reale historische Bezüge, konstruiert jedoch eine fiktionale Vorgeschichte und erfindet Charaktere, wodurch er historische Ereignisse mit klassischer literarischer Fiktion verknüpft.
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