Bachelorarbeit, 2018
52 Seiten, Note: 1,0
1.1. Eigenschaften des Sozialkonstruktivismus
1.2. Wissen und Alltagswirklichkeit
1.2.1. Entstehung subjektiver Realität
1.2.2. Interaktion und Kommunikation
1.2.3. Von Worten zu Wissen
1.3. Gesellschaftliche Ausprägungen
1.3.1. Institutionalisierung
1.3.2. Legitimation
1.4. Internalisierung und Identität
1.4.1. Primäre und sekundäre Sozialisation
1.4.2. Identitätsbildung
1.5. Die Kommunikationsgesellschaft
2. Facebook als soziale Plattform
2.1. Facebook: Zahlen und Relevanz
2.2. Inhalte, Aufbau und Rezeption
2.2.1. Aufbereitung versus Herkunft
2.3. Algorithmen als Gatekeeper
2.3.1. Bewusstsein über den Algorithmus
2.4. Forschungsstand und Status quo
2.4.1. Emotionsbeeinflussung über Facebook
2.4.2. Filterfunktion des Algorithmus
3. Qualitative Untersuchung möglicher Filterblasen
3.1. Forschungshypothese und Verfahren
3.1.1. Qualitative Sozialforschung
3.2. Praktische Umsetzung und Leitfaden
3.3. Explorative Untersuchung auf Facebook
3.3.1. Die Alternative für Deutschland (AfD)
3.3.2. Die Linke
3.3.3. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
3.3.4. Fazit und Ergebnisse
4. Interpretation und Deutung
4.1. Medienpsychologie und Algorithmus-Architektur
4.2. Bildung und Demokratie
4.3. Sozialkonstruktivismus in den Filterblasen
4.3.1. Das politische Spektrum auf Facebook
4.4. Effektivität und Grenzen
5. Fazit und Auswirkungen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht sozialkonstruktivistisch die Wirkung von Algorithmen und Filterblasen auf das individuelle Nutzererleben und die öffentliche Meinungsbildung bei Facebook. Ziel ist es, zu analysieren, inwiefern algorithmische Strukturen und Nutzerselektion zur Entstehung von Echokammern beitragen und welche gesellschaftlichen Implikationen dies für die demokratische Diskursfähigkeit hat.
1.1. Eigenschaften des Sozialkonstruktivismus
„Es ist nicht so, dass sozialkonstruktionistische Ideen Wahrheit, Objektivität, Wissenschaft, Moral oder das Selbst zerstören. Was in Frage gestellt wird ist vielmehr die Art, in der wir diese Begriffe bisher verstanden und in die Praxis umgesetzt haben. [...] Letztendlich ermöglicht uns der soziale Konstruktivismus, die Vergangenheit in einer für die Zukunft überaus vielversprechenden Weise zu nutzen“ (Gergen, 2002, S. 49).
Peter L. Berger und Thomas Luckmann proklamieren in ihrem Werk „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“, dass die Wissenssoziologie die Prozesse „zu untersuchen hat“, in denen gesellschaftliche Konstruktionen Wirklichkeit formen (Berger/Luckmann/Plessner, 2016, S. 1). Diesem Auftrag widmet sich auch die hier vorliegende Arbei, in dem sie Auswirkungen analysiert, die potenzielle Filterblasen und Echokammern algorithmischer Natur (Kapitel 2.3) in sozialen Netzwerken und auf gesellschaftlicher Ebene haben könnten. Der Sozialkonstruktivismus eignet sich ferner besonders für die Untersuchung eines sozialen Mediums, weil er Alltagswissen in den Mittelpunkt seiner Forschung stellt:
Berger et al. kritisieren, dass in der akademischen Forschung nur bestimmte Subgruppen an Experten „zum Geschäft mit »Ideen« bestellt“ sind – „zur Fabrikation von Weltanschauungen“. Dagegen wird eingeworfen, dass jedermann im täglichen Alltag Anteil an der Struktur und Gestaltung der Welt hat. „Etwas freundlicher gesagt, wenige befassen sich mit der theoretischen Interpretation der Welt, aber alle leben in einer Welt“ (ebd., S. 16).
Im Fokus meiner Forschung steht der kommunizierende Mensch, das soziale Medium Facebook und die Untersuchung realer Gegebenheiten und Bedingungen bzw. deren anschließende Ausdeutung. Es geht gleichwohl um die Verknüpfung einer soziologischen Theorie mit einem modernen Medium der Digitalisierung und Vernetzung. Natürlich soll gewahr sein, dass die sozialkonstruktivistische Perspektive nur eine Möglichkeit der Betrachtung darstellt und keinen absoluten Wahrheitsanspruch erhebt, dies liegt per definitionem fern.
1. Eigenschaften des Sozialkonstruktivismus: Einführung in die theoretischen Grundlagen des Sozialkonstruktivismus und dessen Eignung zur Analyse digitaler Kommunikationsstrukturen.
2. Facebook als soziale Plattform: Darstellung der Relevanz, des Aufbaus und der algorithmischen Gatekeeper-Funktion von Facebook sowie eine kritische Auseinandersetzung mit dem Forschungsstand.
3. Qualitative Untersuchung möglicher Filterblasen: Durchführung einer empirischen Untersuchung anhand von Facebook-Kommentaren und Nutzerprofilen verschiedener Parteien zur Identifikation von Filterblasen.
4. Interpretation und Deutung: Diskussion der Ergebnisse im medienpsychologischen Kontext und Untersuchung der Auswirkungen auf Bildung, Demokratie und die Konstruktion gesellschaftlicher Wirklichkeit.
5. Fazit und Auswirkungen: Zusammenfassung der zentralen Erkenntnisse über das Wirkungspotenzial von Facebook und die Notwendigkeit kritischer Reflexion angesichts algorithmischer Beeinflussung.
Sozialkonstruktivismus, Facebook, Filterblase, Algorithmus, Echokammer, Kommunikation, Wissenssoziologie, Gatekeeper, Meinungsbildung, Identitätsbildung, Interaktion, Digitale Medien, Politische Kommunikation, Medienpsychologie, Diskursanalyse.
Die Arbeit untersucht, wie soziale Netzwerke wie Facebook durch algorithmische Filterung und individuelles Nutzerverhalten zur Bildung von geschlossenen Meinungskammern (Echokammern) beitragen.
Zentrale Felder sind die sozialkonstruktivistische Theorie, die technologische Architektur von Facebook-Algorithmen, das Nutzerverhalten bei politischer Meinungsäußerung und die Auswirkungen auf die demokratische Diskurskultur.
Die Arbeit fragt, ob und in welchem Ausmaß Facebook-Nutzer in homogenen Filterblasen verweilen und welche Rolle der Algorithmus bei der Konstruktion dieser einseitigen Wirklichkeitsbilder spielt.
Es wird ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf der Grounded Theory basiert, ergänzt durch eine statistische Analyse von Kommentarverteilungen auf politischen Facebook-Seiten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung soziologischer Begriffe, eine technische Analyse der Plattformarchitektur sowie eine empirische Untersuchung der Kommentarverläufe und Profile von AfD-, Linken- und SPD-Anhängern.
Die wichtigsten Schlagworte sind Filterblasen, Sozialkonstruktivismus, Algorithmus, Meinungsmonopole und Identitätsbildung.
Die Studie stellte fest, dass insbesondere auf den Seiten von AfD und SPD starke Meinungsmonopole existierten, während bei der Linken ein vergleichsweise ausgewogenerer Diskurs messbar war.
Die Arbeit zeigt auf, dass Nutzer, die sich der algorithmischen Vorselektion nicht bewusst sind, eher geneigt sind, einseitige Informationen als objektive Realität wahrzunehmen, anstatt den Algorithmus aktiv zu steuern.
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