Bachelorarbeit, 2017
44 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Zur Etymologie von Sozialdiagnose
2.1 Von der Medizin zur sozialen Fürsorge in Anlehnnung an Alice Salomon
2.2 Sozialdiagnose heute
3 Erkenntnistheoretische und ontologische Grundlage von Sozialdiagnose
3.1 Systemtheoretisches Paradigma und Sozialdiagnose
3.2 Wissensebenen des systemtheoretischen Paradigmas als Grundlage von Sozialdiagnose
4 Konzeptionierung einer Sozialdiagnose als systemtheoretische Handlungstheorie
4.1 Merkmale einer Sozialdiagnose als systemtheoretische Handlungstheorie
4.2 Praxisbezogene Weichenstellung einer Sozialdiagnose
5 Sozialdiagnose als Konkretisierungselement der Gegenstandsbereiche Sozialer Arbeit
5.1 Die Definition der IFSW und Theorien der Sozialen Arbeit als Annäherung bei der Frage nach den Gegenstandsbereichen
5.2 Inhaltliche Konkretisierung und „soziale Probleme“ als exemplarischer Gegenstandsbereich
5.2.1 Professionelle in der Sozialen Arbeit als DiagnostikerInnen von sozialen Problemlagen
5.2.2 Sozialdiagnostische Schritte zur Eingrenzung des Gegenstandes
5.3 Zusammenfassung
6 Offene Fragen, Perspektiven und Resümee
6.1 Offene Fragestellungen
6.2 Perspektiven
6.3 Resümee
Diese Arbeit leistet einen theoretischen Beitrag zur Fortentwicklung der Sozialen Arbeit, indem sie die Signifikanz und Nutzbarmachung von Sozialdiagnosen untersucht. Die zentrale Forschungsfrage lautet: Inwieweit kann Sozialdiagnose als systemtheoretische Handlungstheorie zur Konkretisierung der Gegenstandsbereiche Sozialer Arbeit verstanden werden?
4.1 Merkmale einer Sozialdiagnose als systemtheoretische Handlungstheorie
Unter dem Bezugsrahmen des systemtheoretischen Paradigmas ist eine systemtheoretische Handlungstheorie von einer gewissen Struktur geleitet, welche die Denk- und Planungsprozesse der verschiedenen Wissensebenen sowie die ontologischen und erkenntnistheoretischen Aussagen umrahmt. Handlungstheorien der Sozialen Arbeit beziehen sich auf die Aspekte des Handelns und Verhaltens innerhalb der Praxis Sozialer Arbeit. Als systemtheoretische Handlungstheorie beinhaltet die Konzeptionierung von Sozialdiagnosen folglich auch den Rückgriff auf Theorien über das Handeln von Systemen. Die Konzeptionierung einer systemtheoretischen Handlungstheorie, basierend auf dem Ansatz von Tilly Miller, stellt eine Transferleistung von Wissensstrukturen dar. Die Strukturebenen des Wissens, so Miller, belaufen sich auf die vier Pfeiler: „Erklärungswissen, Wertewissen, Verfahrenswissen und Evaluationswissen“ (Miller 2001, S. 25).
Dieses theoretische Repertoire an Aussagen, das eine systemtheoretische Handlungstheorie liefern soll, wirkt auf den ersten Blick als ein allumfassendes Theoriekonstrukt zur genauen Bestimmung des Gegenstandsbereiches, dem Sozialen und sozialem Handeln in der Sozialen Arbeit. Dies würde aber einer Utopie gleichen, wie noch herauszustellen sein wird. In den Überlegungen von Miller zeigt sich, dass Soziale Arbeit auf der anwendungsbezogenen Seite immer von einer Transferleistung des Theorie- und Praxisverhältnisses konfrontiert ist. Dies wiederum stellt eine systemtheoretische Handlungstheorie zum „Balanceakt“ (Miller 2001, S. 18) für die Professionellen der Sozialen Arbeit dar und erfordert die Kompetenz, zwischen verschiedenen Ansätze zu selektieren und auf den Sachverhalt und Gegenstandsbereich zu beziehen unter Einbezug von bezugswissenschaftlichen Erkenntnissen. Anders ausgedrückt bedarf die praktische Anwendung einer Kompetenz, die Relevanz verschiedener Konzepte und theoretischer Äußerungen im deduktiven und induktiven Sinne im professionellen Handeln zu integrieren. Darin findet sich ein Spannungsverhältnis, da einerseits Theorien und Aussagen auf den spezifischen Fall bezogen werden müssen und andererseits der spezifische Fall nur durch Berufswissen sowie die Integration von disziplinären und bezugswissenschaftlichen Erkenntnissen betrachtet werden kann.
1 Einleitung: Einführung in den Diskurs um Sozialdiagnosen in der Sozialen Arbeit und Formulierung der Forschungsfrage.
2 Zur Etymologie von Sozialdiagnose: Herleitung des Begriffs und historische Betrachtung der Ansätze von Mary Richmond und Alice Salomon sowie aktuelle Fachdiskussionen.
3 Erkenntnistheoretische und ontologische Grundlage von Sozialdiagnose: Fundierung der Sozialdiagnose durch das systemtheoretische Paradigma als erkenntnistheoretische und ontologische Basis.
4 Konzeptionierung einer Sozialdiagnose als systemtheoretische Handlungstheorie: Skizzierung der Sozialdiagnose als Handlungstheorie unter Berücksichtigung von Wissensstrukturen und praxisbezogener Weichenstellungsfunktion.
5 Sozialdiagnose als Konkretisierungselement der Gegenstandsbereiche Sozialer Arbeit: Untersuchung, wie Sozialdiagnose zur Eingrenzung von Gegenstandsbereichen, exemplifiziert am Thema „soziale Probleme“, beitragen kann.
6 Offene Fragen, Perspektiven und Resümee: Reflexion der Erkenntnisse, Identifikation offener Fragestellungen und Fazit zur Forschungsfrage.
Sozialdiagnose, Soziale Arbeit, Systemtheoretisches Paradigma, Handlungstheorie, Gegenstandsbereiche, Soziale Probleme, Professionalisierung, Fallverstehen, Wissenskonstitution, Methodik, Fachliche Haltung, Alice Salomon, Interdisziplinarität, Diagnostik, Handlungskompetenz
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und theoretische Fundierung der Sozialdiagnose als zentrales Instrument der Sozialen Arbeit.
Die Themenfelder umfassen die erkenntnistheoretische Begründung, die Konzeption als systemtheoretische Handlungstheorie sowie die Funktion der Sozialdiagnose bei der Bestimmung professioneller Gegenstandsbereiche.
Das Ziel ist es, zu untersuchen, inwiefern Sozialdiagnose als systemtheoretische Handlungstheorie verstanden werden kann, um eine Domäne der Sozialen Arbeit zu definieren und Gegenstandsbereiche zu konkretisieren.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Aufarbeitung des Fachdiskurses unter dem systemtheoretischen Paradigma, wobei fachwissenschaftliche Ansätze (z.B. von Staub-Bernasconi, Miller, Heiner) kritisch integriert werden.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Erkenntnistheorie/Ontologie), die Konzeption als Handlungstheorie mit verschiedenen Wissensebenen sowie die Anwendung auf den Gegenstandsbereich „soziale Probleme“.
Sozialdiagnose, Soziale Arbeit, Systemtheorie, Handlungstheorie, Gegenstandsbereiche, Professionalisierung, Diagnostik, Methodik.
Der Autor betont, dass Sozialdiagnose keine medizinische Adaption ist, sondern eine eigenständige Entwicklung innerhalb der Sozialen Arbeit, die zur Professionalisierung beiträgt.
„Soziale Probleme“ dienen als exemplarischer Gegenstandsbereich, um zu demonstrieren, wie durch sozialdiagnostische Prozesse (Beschreibung, Erklärung, Bewertung) eine fachliche Eingrenzung und Bearbeitung durch Sozialarbeiter möglich wird.
Das systemtheoretische Paradigma bietet laut Autor den notwendigen wissenschaftlichen Rahmen, um die Komplexität und Mehrperspektivität des professionellen Handelns in der Sozialen Arbeit abzubilden.
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