Bachelorarbeit, 2017
38 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
1.1. Aufbau der Arbeit
1.2. Forschungsstand
2. Ausgangssituation für die Bildungsintegration von Sinti und Roma
2.1. Der geschichtliche Hintergrund von Sinti und Roma in Deutschland
2.1.1. Sinti und Roma mit deutschem Pass
2.1.2. Roma mit Flüchtlingshintergrund
2.1.3. Roma aus der EU
2.2. Die rechtlichen Umstände von Sinti und Roma in Deutschland
2.2.1. Das Recht auf Bildung als menschrechtlicher Grundsatz
2.2.2. Rechtsgewährung und Bildungsbeschränkung als Paradoxon
2.2.3. Bildungsbeteiligung nach europäischen Vorgaben
2.3. Der Integrationsbegriff
3. Bildungsbenachteiligung innerhalb und außerhalb des Systems
3.1. Ergebnisse diverser Studien zur Bildungssituation von Sinti und Roma
3.2. Einschränkung der Bildungschancen durch außerschulische Faktoren?
3.3. Bildungsungleichheiten bedingt durch Übergänge der Bildungslaufbahn?
3.4. Ist das deutsche Bildungssystem ein „Bildungsbenachteiliger“?
3.5. Handlungserfordernis für eine gleichberechtigte Teilhabe
3.6. Resümee
4. Ergebnis
Die vorliegende Arbeit untersucht die Gründe für die massiven Bildungsbenachteiligungen von Sinti und Roma in Deutschland. Angesichts der Datenlage, die eine explizite statistische Erfassung dieser Minderheit im Bildungssystem kaum zulässt, zielt die Arbeit darauf ab, durch eine Analyse historischer Hintergründe, rechtlicher Rahmenbedingungen sowie aktueller empirischer Studien die Ursachen für den desolaten Bildungszustand herauszuarbeiten und Handlungsnotwendigkeiten für eine gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe aufzuzeigen.
3.2. Einschränkung der Bildungschancen durch außerschulische Faktoren?
Der schulische Unterricht füllt in den meisten Fällen nur einen kleinen Teil des Zeitfensters, das ein Schüler jeden Tag hat, sodass Erfahrungen größtenteils im außerschulischen Bereich gewonnen werden. Auch wenn das Ganztags-Schul-System eingeführt wurde und somit eine zeitliche Verschiebung stattgefunden hat, ändert dies am Endergebnis letztlich nicht viel.
Dass die Einschränkung von Bildungschancen und somit auch die Entstehung von Bildungsbenachteiligung im außerschulischen Bereich stattfindet, wird von diversen Theorien vertreten, die als Kapital- und kulturalistische Theorien zusammengefasst werden können.
Die Analyse schulischer Bildungsbenachteiligung erfolgt nach den Kapitaltheorien dabei dadurch, dass die Ursache bei Schülern mit Migrationshintergrund in den ökonomischen, kulturellen und sozialen Unterschieden im Vergleich zu ihrem deutschen Pendant geforscht wird.
Die wohl bekannteste Kapitaltheorie kann dem Franzosen Pierre Bourdieu zugeordnet werden. Er unterscheidet zwischen ökonomischem, sozialem und kulturellem Kapital. Ökonomisches Kapital sei dabei als solches Kapital zu verstehen, dass sofort in Geld umwandelbar ist, was somit insbesondere den Besitz im Sinne einer eigentumsrechtlichen Lage (Art. 14 GG) erfasst. Das soziale Kapital hingegen beschreibe die Ressourcen, die einem aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Gruppe zustehen, wobei dies gesellschaftlich institutionalisiert sein kann (Beruf, Schule, Familie, Freizeit...).
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der mangelnden Bildungsintegration von Sinti und Roma ein und konstatiert ein Defizit an repräsentativen Daten sowie politischer Auseinandersetzung mit der Problematik.
2. Ausgangssituation für die Bildungsintegration von Sinti und Roma: Dieses Kapitel analysiert die heterogenen Hintergründe der Minderheit, von historischen Verfolgungsgeschichten bis hin zu aktuellen aufenthaltsrechtlichen Hürden, die den Bildungszugang maßgeblich beeinflussen.
3. Bildungsbenachteiligung innerhalb und außerhalb des Systems: Es werden die Ursachen für Bildungsungleichheit diskutiert, wobei zwischen außerschulischen Kapitaltheorien, den Auswirkungen von Bildungsübergängen und der Rolle des deutschen Schulsystems als Institution differenziert wird.
4. Ergebnis: Das Fazit stellt fest, dass die Bildungschancen von Sinti und Roma durch ein komplexes Zusammenspiel aus historischen Vorurteilen, systemischen Barrieren und aktuellen Lebensumständen stark eingeschränkt sind und langfristige Programme zur Teilhabe erfordern.
Sinti, Roma, Bildungschancen, Bildungsbenachteiligung, Integration, Antiziganismus, Bourdieu, Kapitaltheorie, Diskriminierung, Bildungsbarriere, soziale Ungleichheit, Aufenthaltsstatus, Bildungsbiografie, Schulerfolg, Teilhabe.
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Bildungsbenachteiligung von Sinti und Roma in Deutschland und untersucht die strukturellen und historischen Ursachen für deren erschwerte Bildungschancen.
Die zentralen Themen umfassen die historische Diskriminierung, die Auswirkungen des Aufenthaltsrechts auf den Schulbesuch, kapitaltheoretische Erklärungsmodelle von Bildungsungleichheit sowie die Rolle von Antiziganismus im Schulalltag.
Das primäre Ziel ist es, die Gründe für den desolaten Bildungszustand von Sinti und Roma in Deutschland festzustellen und zu analysieren, wo und wie genau Bildungsbenachteiligung bei dieser Minderheit entsteht.
Die Arbeit nutzt eine qualitative Literatur- und Studienanalyse, da aufgrund fehlender spezifischer Daten zu Sinti und Roma keine eigene großflächige quantitative Primärerhebung möglich war.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Ausgangssituation (Geschichte und Recht), die Analyse von Bildungsbenachteiligungen (Kapitaltheorien nach Bourdieu) und die Betrachtung der Übergänge im Bildungssystem sowie der Institution Schule selbst.
Die wichtigsten Begriffe sind Sinti, Roma, Bildungschancen, Antiziganismus, soziale Ungleichheit, Diskriminierung, Kapitaltheorie und Integration.
Ein unsicherer Aufenthaltsstatus führt häufig zu Ausgrenzungserfahrungen und erschwert den Zugang zu Bildungseinrichtungen, da viele Roma-Familien in prekären Verhältnissen leben und von staatlichen Bildungsangeboten faktisch ausgeschlossen werden.
Die bloße rechtliche Gewährung des Schulbesuchs reicht nicht aus, wenn begleitende soziale, ökonomische und kulturelle Barrieren – wie etwa die fehlende Unterstützung zu Hause oder Diskriminierung durch Lehrkräfte – nicht aktiv abgebaut werden.
Bourdieu liefert Erklärungsmodelle, nach denen Bildungsbenachteiligung durch fehlendes kulturelles und soziales Kapital entsteht, das innerhalb des Schulsystems als Hindernis wirkt, wenn der habituelle Hintergrund des Schülers nicht mit den Erwartungen der Schule korrespondiert.
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